Vermögensaufbau: Mythos Risiko und Risiko-Einstellung

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Wer ein Vermögen aufbauen will, sieht sich vielen Gefahren und Risiken gegenüber gestellt. Doch gerade in der Presse wird über diese Themen immer nur oberflächlich und einseitig berichtet. Ich werde dir nachfolgend zeigen, was Risiko tatsächlich bedeutet und warum „nicht alle Eier in einen Korb legen“ in vielen Fällen keine gute Handlungsempfehlung ist. Auch die persönliche Risikoeinstellung ist für das Ziel deines Vermögensaufbau nicht relevant – sondern nur für die Finanzberater.

„Welche Risikoeinstellung haben Sie?“ Wer kennt diese Frage nicht? Gestellt wird sie gern von Banken oder Finanzberatern mit dem Blick auf das „erträgliche Risiko“. Doch was hat es damit tatsächlich auf sich?

Vermögensbildung und Vermögenserhaltung

Der Mythos der Vermögensanlage und die falschen Fragen resultieren aus einem grundlegenden Verständnis-Problem. Dabei ist zunächst einmal zwischen Vermögensanlage (bzw. Vermögensverteilung/ -erhaltung) und Vermögensbildung zu unterscheiden. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass bei der Vermögensverteilung bereits ein Vermögen existiert, während wir bei der Vermögensbildung noch KEIN Vermögen besitzen.

Mit diesem Wissen lässt sich schon die erste Börsenweisheit entkräften. Denn „nicht alle Eier in einen Korb“ zielt auf das Anlageziel der Vermögenserhaltung. Wer nichts verlieren will, versucht sein Geld möglichst weit zu streuen, sodass im Falle eines Ausfalls der Verlust möglichst gering ist.

Anders ist es jedoch beim Ziel der Vermögensbildung: Die Priorität liegt nicht im Reduzieren des Verlust-Risikos sondern im Maximieren der Chance auf einen hohen Gewinn.

Magisches Dreieck der Vermögensanlage

Magisches Dreieck der Vermögensanlage (Quelle: Wikipedia)
Magisches Dreieck der Vermögensanlage (Quelle: Wikipedia)

Kennst du auch das magische Dreieck bestehend aus Risiko, Rendite und Sicherheit, wie es umgangssprachlich gern beschrieben wird? In Wirklichkeit handelt es sich hierbei um die Darstellung zwischen Rendite, (Ausfall)-Risiko und Liquidität. Die Rendite beschreibt dabei den möglichen Gewinn der Geldanlage. Die Liquidität beschreibt, wie „schnell“ wir auf das Vermögen zugreifen können. Das Risiko bildet schließlich ab, wie hoch die Gefahr ist, dass die Geldanlage ausfällt.

Was ist für welche Anlage-Strategie wichtig? Das Problem ist, dass alle drei Faktoren unterschiedlich priorisiert werden. Die Unterschiede lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Vermögensverteilung Vermögensbildung
  1. Sicherheit
  2. Rentabilität
  3. Liquidität
  1. Rentabilität
  2. Sicherheit
  3. Liquidität

 

Woraus ergibt sich diese Reihenfolge? Dass bei der Vermögensbildung die Sicherheit nur an zweiter Stelle steht, lässt sich sehr einfach begründen: Die Annahme ist, dass noch kein Vermögen vorhanden ist. Das Ziel muss also zunächst lauten, überhaupt ein Vermögen zu bilden, bevor man sich um dessen Erhaltung kümmern kann.

Unterschied zwischen Risiko und Risiko-Ursachen

Risiken und Risikoursachen
Risiken und Risikoursachen

Quelle: Das Reichtumsgesetz

In den Medien hört man häufig von vielen Risiken wie ein Börsencrash, das Emittenten-Risiko, ein Ausfall-Risiko oder ein Kurs-Risiko bei der Geldanlage. Derzeit stark diskutiert werden auch die Inflation oder das Risiko einer Währungsreform im Euroraum. Doch worum handelt es sich bei diesen Risiken wirklich?

Grundsätzlich beschreibt ein Risiko einen Umstand, der dazu führt, dass ein bestimmtes Ziel nicht erreicht wird. Im Falle des Vermögensaufbaus ist das klare Ziel darin definiert, ein Vermögen aufzubauen. Mit diesem Vermögen wollen wir schließlich ein passives Einkommen aus Dividenden generieren. Unser Risiko besteht also darin, dass wir dieses Ziel nicht erreichen!

Damit stellen wir also fest, dass die diskutierten Risiken in den Medien für uns Ziel gar nicht direkt relevant sind. Vielmehr bilden sie Ursachen, die dafür sorgen könnten, dass wir unser Ziel nicht erreichen. Es ist aber keinesfalls gesagt, dass wir zum Beispiel im Falle einer Inflation kein Vermögen aufbauen können.

Beeinflussung von Risiko-Ursachen

Nachdem wir nun Risiken und Risiko-Ursachen unterscheiden können, können wir uns fragen, wie sich diese Erkenntnis auf unsere Anlagestrategie auswirkt? Dabei gilt einmal festzustellen, dass Risiken schlicht immer existieren. Ihnen muss man sich schlicht bewusst sein. Anders sieht es hingegen bei den Risiko-Ursachen aus. Diese mögen zwar existieren, sind aber keinesfalls immer sohlecht, wie man in den Medien hört. Vielmehr kann ein Börsencrash für den Vermögensaufbau auch eine Chance sein.

Risiko-Ursachen:

  • Diebstahl/ Betrug
  • Zahlungsunfähigkeit
  • Zinsänderungen/ Kursänderungen
  • Stimmungen oder Marktpsychologie
  • Fehlende oder nicht zielorientierte Streuung
  • Arbeitslosigkeit
  • Inflation
  • Währungsverluste/ Währungsreform
  • Währungs-/ Schuldenkrisen
  • Nationale Rezessionen
  • Kriege, Naturkatastrophen
  • Änderungen der Steuergesetze
  • Änderung der Staatsform
  • Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung

Betrachtet man die Risiko-Ursachen genauer, lässt sich erkennen, dass sich nicht alle gleich auswirken. Sie hängen von verschiedenen weiteren Faktoren ab: Wie lange können wir auf das Vermögen verzichten? Wie ist das Vermögen verteilt? So lässt sich die Gefahr eines Diebstahls durch die örtlich verteilte Aufbewahrung deutlich reduzieren. Die Auswirkungen nationaler Krisen wie Kriege oder Rezessionen lassen sich dadurch ebenfalls vermindern oder ganz vermeiden. Arbeitslosigkeit lässt sich durch ein ausreichendes Finanzpolster überbrücken. Die Gefahr der Inflation lässt sich durch die Wahl der richtigen Anlageklasse in Form von Sachwerten Anstelle von Geldwerten reduzieren. Zusätzlich sind die wenigsten Ursachen dauerhaft. Hier gilt also das Prinzip durchhalten. Wer genügend Zeit einplant, kann auf diese Weise viele Risiko-Ursachen ausschließen.

Diebstahl/ Betrug

Im Falle von Diebstahl oder bei Betrug ist das ersparte Vermögen verloren und in den Händen eines anderen. Diese Gefahr lässt sich individuell zwar nur schwer beeinflussen, aber prinzipiell durchaus vermeiden, indem das Vermögen nicht zu Hause sondern an mehreren, sicheren Orten aufbewahrt wird.

Zahlungsunfähigkeit

Wird das Unternehmen zahlungsunfähig, ist auch unser Anteil daran nichts mehr wert. Verhindern lässt sich das nur bedingt. Die Gefahr lässt sich aber durch ein sinnvolle Auswahl an Unternehmen reduzieren. Auch hier hilft zielorientierte Streuung über mehrere Unternehmen zum fast vollständigen Ausschluss dieser Risiko-Ursache.

Die Gefahr der Zahlungsunfähigkeit der Bank ist hingegen staatlich reduziert, lässt sich aber auch durch die Wahl verschiedener Geldinsitute reduzieren.

Zinsänderungen/ Kursänderungen

Ändern sich Zinsen und Kurse, wirkt sich das nur kurzfristig aus und spielt langfristig keine Rolle. Ein Crash bietet hingegen sogar die Chance, sich günstig an starken Unternehmen zu beteiligen. Langfristige Kursänderungen deuten vielmehr auf eine individuelle schwache Entwicklungen eines Unternehmens hin, die durch die zielorienterte Streuung über mehrere Unternehmen ausgeschlossen wird.

Stimmungen oder Marktpsychologie

Diese Risikoursachen sind stets kurzfristig geprägt und haben langfristig keinerlei Relevanz. Denn langfristig zählt einzig die tatsächliche Entwicklung der Beteiligung.

Fehlende oder nicht zielorientierte Streuung

Eine Ursache, die einzig individuell beeinflusst wird. Wer sich nur an einem Unternehmen beteiligt, setzt sich bewusst einem höheren Risiko aus. Ein Streuung über Regionen und Branchen hinweg vermeidet diese Risiko-Ursache vollständig.

Arbeitslosigkeit

Gegen Arbeitslosigkeit hilft neben den staatlichen Sozialsystemen vor allem der Aufbau eines Kapitalpolsters. Dieses kann für die Dauer verwendet werden, bis eine neue Arbeit gefunden ist. Wer auf dieses Finanzpolster verzichtet, setzt sich einem hohen Risiko aus, seine Ziele nicht zu erreichen. Denn Arbeitslosigkeit droht vor allem in schlechten Zeiten. In dieser Zeit stehen auch die Kurse für Wertpapiere niedrig, sodass man im schlimmsten Fall sein Vermögen unter Wert verkaufen müsste, um seine Existenz zu sichern.

Inflation

Inflation lässt sich durch den Kauf von Realwerten wie Unternehmensbeteiligungen oder Immobilien vollständig ausschließen. Der Preis eines Gegenstandes mag sich verändern, niemals ändert sich aber dessen realer Wert.

Währungsreformen, Schuldenkrisen

Währungsänderungen wirken sich nur auf Forderungspapiere wie Versicherungen oder Anleihen aus, nicht aber auf Wertpapiere oder sonstige Sachanlagen. Sie sind nur indirekt von den Auswirkungen betroffen — und diese sind meist zeitlich beschränkt und nicht dauerhaft.

Nationale Rezessionen, Kriege, Naturkatastrophen

Rezessionen sind stets nur von beschränkter Dauer aufgrund spezifischer wirtschaftlicher oder politischer Einflüsse. Sie können sich zwar auf die Unternehmen dieser Region auswirken, betreffen aber häufig nicht Unternehmen, die andere regionale Märkte bedienen.

Änderungen der Steuergesetze

Steuergesetze ändern sich ständig. Daran seine Strategie auszurichten bedeutet, diese jedes Jahr neu zu gestalten. Eine effektive Strategie berücksichtigt Steuern nicht und ist auch bei einer hohen Besteuerung profitabel. Zur Beruhigung sei die Frage gestellt, wie sich die Steuern denn auf andere Anlageklassen auswirken mögen? Schon jetzt ist Arbeit am stärksten besteuert und trotzdem lebt die Mehrzahl der Menschen von dieser Form der Vermögensbildung.

Änderung der Staatsform, Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung

Eine Gefahr, die sich durch regionale Verteilung mindern lässt, weil nicht alle Staaten der Welt gleichzeitig zusammenbrechen. Sollte dies tatsächlich passieren, ist zwar das Ziel der Vermögensbildung in Gefahr, dürfte zu diesem Zeitpunkt aber hinter anderen Problemen weit zurückstehen.

3 wirkliche Risiken für den Vermögensaufbau und ihre Ursachen

Letztendlich verbleiben für unser Ziel des Vermögensaufbaus nur drei Risiko-Ursachen: Das Geldwertstabilitätsrisiko, das Rückzahlungsrisiko und das Vermehrungsrisiko.

Die Ursachen für diese Risiken sind eine nicht zielorientierte Streuung des Vermögens. Zielorientiert heißt dabei nicht eine blinde Verteilung sondern eine bewusste Aufteilung. Diese Ursache lässt sich individuell beeinflussen.

Alle individuell beeinflußbaren Risikoursachen und sogar die meisten individuell nicht beeinflußbaren Risikoursachen verlieren ihren Schrecken, wenn Sie Ihre Ersparnisse international streuen, realwert- statt nominalwertgesicherte Anlageformen wählen, die Umweltdynamik in Ihrer Investmentmethode berücksichtigen, regelmäßig sparen und investieren und Sparverträge bevorzugen, die eine gleichgerichtete Chance-Risiko-Position für Sie und Ihren Vertragspartner bewirken – statt Sparverträge, bei denen Ihr Vertragspartner das gewinnt, was Sie verlieren. (Quelle: Das Reichtumsgesetz)

Nicht beeinflussen lassen sich hingegen der persönliche, vorzeitige Tod. Auch ein Weltkrieg mit Langzeitwirkung, eine globale Naturkatastrophe mit Langzeitauswirkungen oder der Verlust unserer gewohnten politischen Ordnung zum Beispiel durch auftreten einer Anarchie oder eines Systems, das jegliche unternehmerische Tätigkeiten und privates Eigentum vollständig verhindert.

Diese Ursachen lassen sich individuell aber nicht beeinflussen. Zudem sind sie unabhängig von der Anlagemethode und treffen folglich sowohl auf Sachanlagen als auch auf Geldanlagen oder den Besitz von Rohstoffen zu.

Fazit

Abschließen möchte ich meine Diskussion um die Risiko-Einstellung, Risiken und Risiko-Ursachen mit einer einfachen Erkenntnis: Vermögensbildung hängt in der Tat von vielen Faktoren ab. Tatsächlich langfristig wirken sich aber nur die wenigsten Risiko-Ursachen aus. Die meisten Ursachen lassen sich zudem durch zielorientierte Streuung in Wertpapiere und Sachanlagen umschiffen.

Die persönliche Risiko-Einstellung ist faktisch eine irreführende Frage, weil sie für die Wahl der korrekten Anlage keinen Einfluss hat. Im Gegenteil sollten risikoaverse Vermögensbilder erst recht auf Aktien mit zielorienterter Streuung setzen, weil sie nachweislich das geringste Risiko für die Vermögensbildung darstellen, gleichzeitig aber die einzige Chance darstellen, überhaupt ein Vermögen zu bilden.

Relevante Risiken und Risikoursachen
Relevante Risiken und Risikoursachen

Quelle: Das Reichtumsgesetz

Alle nicht vermeidbaren Risiko-Ursachen sind letztendlich unabhängig davon, welche Anlageklasse tatsächlich gewählt wurde. Damit lässt sich zeigen, dass die Wahl der Anlageklasse nicht vom Risiko sondern vom Ziel der Anlage abhängt.

Da ich es selbst nicht besser sagen könnte, möchte ich mit einem Zitat schließen:

In nahezu jeder Publikation und bei nahezu jedem Finanzdienstleister wird nach der „Risikoeinstellung“ eines Sparers oder Investors unterschieden. Das zeigt, daß jene Autoren und vermeintlichen „Experten“ überhaupt nicht nachdenken. Wie sollen sie Ihnen dann helfen können?

Weder Risikoursachen noch Risiken richten sich danach, welche „Risikoeinstellung“ Sie haben. Das interessiert die Risikoursachen und Risiken gar nicht!

Ihre „Risikoeinstellung“ ist für Ihre Zielerreichung bedeutungslos! Das ist nur für die Marketingbemühungen der Finanzdienstleister interessant! (Quelle: Das Reichtumsgesetz)

An den grundlegenden Theorien des hier zitierten Reichtumsgesetzes orientiere ich mich noch heute. Es hat damals die Grundlage für mein Verständnis zur Vermögensbildung gelegt. Von daher möchte ich es gern an alle interessierten empfehlen:

3 KOMMENTARE

  1. Hervorragender Artikel. Klar und gut auf den Punkt gebracht. Nur eine kleine Anmerkung zu einem Detail. Aktien helfen erst Langfristig gegen Inflation. Zunächst leidet der Kurs unter steigenden Zinsen, die dazu führen, dass ein niedrigeres KGV erwartet wird.

    • Danke Robert, natürlich hast du recht, was die Langfristigkeit angeht. Daher ist es auch wichtig, für kurzfristige Situationen über ein Finanzpolster zu verfügen. Gerade langfristig sind Aktien aber für die meisten Risiko-Ursachen am besten gewappnet.

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