Unterschied zwischen Optionen und Optionsscheinen

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Kurz erklärt: Was ist der Unterschied zwischen Optionen und Optionsscheinen? Beide Begriffe tauchen immer wieder auf, doch nur selten wird erklärt, was sie wirklich beinhalten. Dabei ist die Erklärung gar nicht so schwer und vor allem höchst bedeutend für dein Anlage-Risiko! Beides sind Derivate, die auf einem Wertpapier wie zum Beispiel einer Aktie (Underlying bzw. Basiswert) aufbauen. Entscheidend ist: Optionsscheine sind nicht standardisiert und man kann sie immer nur kaufen. Nachfolgend erkläre ich das Prinzip dieser Derivate kurz und verrate dir dann die Unterschiede. Zum Schluss wirst du auch verstehen, warum du besser die Finger von Optionsscheinen lassen solltest.

Was sind Optionen bzw. Optionsscheine?

Grundsätzlich bilden Optionen und Optionsscheine ein Wahlrecht für den Käufer ab. Dieses Recht beinhaltet zum Beispiel, eine Aktie zu einem bestimmten Kurswert (Basispreis) kaufen (Call) oder verkaufen (Put) zu können. Dieses Recht ist allerdings nur für eine bestimmte Zeit (Fälligkeit) gültig. Wenn bis dahin die Option nicht ausgeübt wurde, verfällt sie. Der Verkäufer dieser Option muss dieses Recht auf Verlangen erfüllen. Dafür erhält er allerdings vom Käufer eine Optionsprämie als Vergütung.

Wie unterscheiden sich Optionen und Optionsscheine?

In der rechtlichen Gestaltung sind beide Derivate identisch. Der Verkäufer ist jeweils verpflichtet, dem Käufer auf Verlangen die Aktie zum festgelegten Preis zu verkaufen bzw. abzukaufen.

Die 4 Handlungsmöglichkeiten von Optionen:

    •  
    • Long (Käufer)
    • Short (Verkäufer)
  •  
    Call-Option
    Long (Käufer)
    Recht auf den Kauf einer Aktie
    Short (Verkäufer)
    Pflicht zum Verkauf einer Aktie
  •  
    Put-Option
    Long (Käufer)
    Recht auf den Verkauf einer Aktie
    Short (Verkäufer)
    Pflicht zum Kauf einer Aktie

Optionsscheine sind eine abgeschwächte Variante von Optionen, weil sie nur das Einnehmen der Long-Seite gestatten. Die Short-Position wird immer vom Emittenten des Optionsscheines eingenommen.

Kursstellung

Hinzu kommt, dass bei Optionen täglich mindestens ein Kurs vom Market-Maker an der Optionsbörse wie der EUREX gestellt werden muss. Bei vielen Optionsscheinen werden hingegen deutlich seltener Kurse gestellt. Der Käufer wird es hier also schwer haben, den aktuellen Wert korrekt zu erfassen, sofern er nicht selbst nachrechnet.

Sicherheit und Emissionsrisiko

Zu guter letzt bleibt die Haftungsfrage: Denn wer eine Put-Option kauft, will ja auch sicher gehen, dass der Vertragspartner bei Bedarf auch in der Lage ist seine Pflicht zu erfüllen. Optionsscheine sind Schuldverschreibungen der emittierenden Bank. Geht die Bank also bankrott, verfällt auch der Optionsschein wertlos. Optionen werden durch die Optionsbörse besichert, die sich ihrerseits wiederrum durch eine Sicherheitseinlage des Verkäufers absichert. Dadurch ist ein Ausfallrisiko deutlich geringer.

Beispiel Adidas: Put-Optionen oder Put-Optionsscheine?

Optionen vs. Optionsscheine vs. Aktien

Aktien kann man besitzen oder nicht besitzen. Bei Optionen gibt es dagegen deutlich mehr Möglichkeiten, weil sie einem Vertrag entsprechen, der das Recht für den Kauf und Verkauf von Aktien definiert. Ein solcher Kontrakt kann folglich aussagen, dass man Aktien unter bestimmten Bedingungen kaufen oder verkaufen möchte. Doch auch für diesen Vertrag gibt es eine Gegenseite: Den Stillhalter, der die Gegenseite darstellt.

Bei Aktien ist die Gegenseite für einen Kauf immer ein Verkäufer. Ebenso steht jedem Verkauf ein Käufer gegenüber.

Bei Optionen steht dem Optionskäufer (Long-Seite) mit Recht auf einen Kauf (Call) oder Verkauf (Put) einer Aktie zu einem bestimmten Kurs immer der Stillhalter (Short-Seite) gegenüber. Er muss die Gegenposition einnehmen und die Aktien zum festgelegten Wert entweder verkaufen oder kaufen. Dafür erhält der Stillhalter aber stets die Optionsprämie. Bei Optionsscheinen ist der Stillhalter immer der Emittent.

Ein weiterer Unterschied zu Optionsscheinen ist, dass sie an klassischen Wertpapierbörsen gehandelt werden können. Optionen können hingegen nur an Optionsbörsen wie der EUREX gehandelt werden. Diese erfordern aber einen separaten Zugang, den viele Broker nicht anbieten.

Von 100 Optionen werden 80 nicht ausgeübt und verfallen wertlos — also erhält der Stillhalter seine Prämie, ohne dass er in die Pflicht genommen wird. Damit eröffnet sich für die Emittenten von Optionsscheinen, die immer Stillhalter sind, eine gute Geschäftsmöglichkeit. Zudem können sie die Bedingungen und Konditionen selbst festlegen und damit ihre Gewinnchancen zusätzlich erhöhen. Aufgrund dieser Intransparenz sind Optionsscheine in den USA zum Beispiel ganz verboten. Optionen sind hingegen standardisierte Kontrakte, bei denen die Konditionen für alle Marktteilnehmer zu jedem Zeitpunkt transparent geregelt sind.

Optionen verkaufen

Grundsätzlich steht es jeden Marktteilnehmer frei, ob er eine Option kaufen oder verkaufen möchte. Ein Verkäufer kann sich die Optionsprämie sichern, während der Käufer diese bezahlen muss. Gegen eine Sicherheitseinlage (Marge) kann jeder über seinen Broker an Optionsbörsen wie der EUREX auch Optionen verkaufen. Wenn man zum Beispiel Coca Cola für 38 US-Dollar kaufen möchte, kann man eine Put-Option mit Basis 38 verkaufen (Short Put). Dafür erhält er sofort die Optionsprämie. Fällt die Aktie bis zum Fälligkeitstag unter 38 US-Dollar, wird die Option ausgeübt und der Verkäufer erhält für 38 US-Dollar 100 Aktien von Coca Cola. Inklusive der Prämie hat man also sogar deutlich weniger bezahlt. Fällt Coca Cola jedoch nicht unter 38 US-Dollar, verfällt die Put-Option wertlos. Der Verkäufer kann die Prämie dennoch als kleinen Gewinn behalten.

Ausführlicher wird der Handel als Stillhalter im Buch von Jens Rabe „Optionsstrategien für die Praxis: So sichern Sie sich an der Börse ein regelmäßiges Einkommen“ erklärt. Dort wird das Geschäft als Verkäufer von allen Seiten ausführlich beleuchtet und dürfte insbesondere für Leser mit Interesse für passive Einkommensströme sehr interessant sein. Mehr dazu werde ich in einem eigenen Erfahrungsbericht erzählen.

Fazit

Optionen sind ein wirkungsvolles Werkzeug, um sich die Wartezeit für gute Kaufkurse bezahlen zu lassen. Zudem gestatten sie mit den richtigen Strategien, dass man zusätzlichen Cash Flow aus Aktien generieren kann, ohne von Käufen, Verkäufen oder Dividenden abhängig zu sein. Wer sich genauer damit beschäftigen will, möge zum Einstieg einen Blick in das erwähnte Buch von Jens Rabe werfen.

  • Optionen sind klar standardisiert und durch Sicherheiten abgesichert. Optionsscheine sind Bank-Abhängige Derivate mit beliebigen Parametern. Einzige Sicherheit ist die emittierende Bank.
  • Kurse von Optionen müssen täglich mindestens einmal gestellt werden — es herrscht damit gute Preistransparenz. Bei Optionsscheinen erfolgt die Kursstellung nach Bedarf der Bank bei einem Handel und damit manchmal nur einmal pro Woche oder seltener.
  • Optionen können auch verkauft werden, sodass Investoren von der Optionsprämie profitieren können. Optionsscheine lassen sich an der Börse nur kaufen.
  • Bei ausgeübten Optionen werden die Basiswerte auf Wunsch auch ausgeliefert. Bei Optionsscheinen wird die Differenz stets bar ausgezahlt.

Wer also gern 400 Coca Cola Aktien für 38 Dollar kaufen mag, kann entweder für 38 Dollar ein Limit in den Markt legen und darauf hoffen, dass er bedient wird. Oder er verkauft 4 Put-Optionen mit Fälligkeit Mai und erhält dafür sofort die Optionsprämie auf sein Konto und lässt sich die Wartezeit bezahlen. Wenn die 38 US-Dollar zum Fälligkeitstermin im Mai unterschritten werden, werden die 400 Aktien für 15.200 Dollar geliefert. Bei einer realistischen Optionsprämie von 400 US-Dollar betrüge der effektive Kaufpreis nun nur (15.200-400)/400 = 37 US-Dollar.

Natürlich ist das Thema Optionen an dieser Stelle noch längst nicht ausgeschöpft. Ich hoffe aber, dass du bis jetzt einen guten Eindruck in die Materie bekommen hast. Zudem sollte dir nun klar sein, welche Unterschiede Optionsscheine und Optionen ausmachen. In Zukunft werde ich über einige Aspekte und meine persönlichen Erfahrungen mit dem Handel mit Optionen genauer berichten. Dann werde ich auch ein paar Strategien vorstellen.

Hast du schon Erfahrungen mit Optionen oder Optionsscheinen gesammelt? Was hälst du von diesen Derivaten?

Im nächsten Beitrag werde sich über die Chancen und Risiken als Stillhalter von Optionen berichten. Auch mein Erfahrungsbericht zu CapTrader*, meinem aktuellen Optionsbroker, steht noch aus. Registriere also am besten deine Email oder abonniere dem Blog, um keine Beiträge mehr zu verpassen.

16 KOMMENTARE

  1. Danke für den Artikel. Ich hatte tatäschlich Option = Optionsscheinen gesetzt. Die Möglichkeiten sind tatsächlich interessant. Und ich habe mir darüber auch schon einige Gedanken gemacht. Vielleicht können diese dem eine oder anderen helfen.

    Ich habe mich gegen short Puts und Calls zum Kaufen und Verkaufen von Aktien entschieden.
    Aus folgender Überlegung heraus. Aus Verständlichekeitsgründen nehmen wir mal die Short Put Seite, da sie etwas einfach als der Short Call ist:
    Ich habe im Jahr 10 Aktienideen, die ich Kaufen möchte.
    Ich wähle bei allen einen Short Put mit relativ kurzer Laufzeit um die Premien einzusammeln.
    Innerhalb der 10 Ideen gibt es ein schlechte und 9 gute. Die schlechte kenne ich noch nicht.

    Würde ich alle Aktien einfach kaufen, würden sich 90% meines Portfolios gut entwicklen.
    Mit einer Short Put Strategie habe ich, bei halbwegs effizienten Märkten, sicher die schlechte Idee eingesammlt, aber nur 9-x die guten, dass heisst meine Portfolioperformance wird langfristig schlechter ausfallen, trotz eingesammelter Prämie.
    Das heißt mit einer short Put Strategie, auch wenn es kurzfristig aufgrund der Premie gut aussieht, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit langfristig schelchter abzuschneiden.

    Das gleiche gilt für Short Calls. Ich hatte bisher in 7 Jahren Aktienerfahrungen 3 Übernahmen aus meine Portfolio. Alles bei Unternehmen, die auf meiner Verkaufsliste standen, da sie sich relativ gut entwickelt hatten. Hätte ich da immer short Calls dringehabt, wären mir 30+% Rendite entgangen. D.h. ich hätte meine besten Performer sicher verkauft, und meine schlechteren Performer zum Teil behalten. Die Wahrscheinlichkeit langfristig herausragende Renditen zu erzielen verschlechter sich also auch hier.

    Aus diesem Grund habe ich mich gegen den Kauf und Verkauf über Optionen entschieden. Auch wenn die kurzfristigen Profits sehr verlockend sind, langfristig erhöht sich aus meiner Sicht die Wahrscheinlichkeit schlechter abzuschneiden.

    • Hallo Till, die Theorie scheint Plausibel. Deswegen würde ich auch auf Aktien nie vollständig verzichten. Wenn wir dein Gedankenspiel aber weiterdenken, dann würde ich nicht sagen, dass es 9 gute Aktien gibt sondern maximal 2 gute, 6 bewegen sich nahezu seitwärts und 2 Verlierer. Wenn du die Seitwärtszeit mit berücksichtigst, wird der Vergleich schon schwerer.

      Mit Optionen hast du halt egal in welcher Phase immer einen kleinen Profit — und das je nach Risiko-Verständnis mit einem zusätzlichen Puffer.

  2. Mir geht’s nicht um die kurzfristige Aktienkursperformance. Sondern darum, dass ich mir nicht sicher sein kann, ob das Unternehmen welches ich Kaufe gut ist oder nicht. Ich gehe davon aus, dass ich langfristig investiere. Keine Spekulation auf Preisveränderung. Von 1 aus 10 ist da vielleicht ein wenig pessimistisch. Aber es spielt keine Rolle ob nun 1 aus 20 oder 1 aus 30. Es geht darum, dass mit der Optionsstrategie mit höherer Wahrscheinlichkeit die schlechten Unternehmen (nicht Aktienperformance) in meinem Portfolio landen und ich diese langfristig halte.

    • Mir gehts auch um die langfristige Performance. Deswegen werde ich auch weiterhin Aktien kaufen. Mit Optionen erweitert sich schlicht das Spektrum. Sie sind eine wichtige Ergänzung. Defensiv ausgerichtet kann man damit jedes Jahr 3-4 Prozent extra holen ohne ein zusätzliches Risiko einzugehen. Warum sollte man darauf verzichten?

  3. Hallo Rico,
    danke für die übersichtliche Darstellung. Eine weitergehende Frage meinerseits ist, was ist dann der Unterschied zwischen Option und Zertifikat und
    2. wo und wie finde ich auf comdirket z.B.: die Optionen???
    Danke Efer

    • Hi Efer, ein Zertifikat faktisch ist das gleiche wie ein Optionsschein! Optionen findest du nicht direkt bei der Comdirect, dafür musst du dich erst für den Eurex Handel freischalten lassen. Wie dann die Oberfläche aussieht, weiß ich aber nicht. Amerikanische Optionen kannst du bei dieser Bank aber meines Wissens nach gar nicht handeln, genaueres findest du in meinem Broker-Vergleich. Wenn du einen Überblick über Eurex-Optionen suchst, schaust du am besten direkt auf der Website der Eurex (www.eurexchange.com/exchange-en/products/equ/opt/). VG, Rico 🙂

    • Hi Elmar, „leicht“ ist da ein sehr relativer Begriff. Ich habe den Einstieg über CapTrader gewagt. Dort hilft man auch bei Fragen gern weiter und bietet viel Material zum Lernen! VG, Rico

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