Wenn Sie mit Margin oder Lombard-Krediten handeln, stehen Sie einem sich ständig wechselnden Kreditrahmen gegenüber. Er verhält sich trendfolgend, steigt also mit Kursgewinnen und verringert sich, wenn der Depotwert abnimmt. Während Sie damit zwar Gewinne erhöhen können, wachsen gleichzeitig aber auch die Verluste überproportional an!

Deshalb erfordert der Handel mit diesen Krediten ganz besondere Ansätze, um jederzeit die Sicherheit des Depots zu gewährleisten.

Drei Ansätze mit ihren Vor- und Nachteilen werden Sie nachfolgend genauer kennen lernen.

Stop-Loss-Definition

Der einfachste Schutz ist der „Stop Loss“. Sie definierten vorab einen Kurs, einen maximalen Verlust oder eine beliebige andere feste Größe, bei der Sie die Position schließen.

Diese Strategie ist sehr flexibel einsetzbar, da Sie die Marken und die Kriterien frei festlegen können. Beliebt sind zum Beispiel prozentuale Veränderungen (100-Prozent-Verlust-Regel) oder bestimmte Kursmarken.

Auch lässt sich das Stop-Loss anhand des Delta festlegen. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.

Wichtig ist, dass Sie zu Beginn festlegen, wann dieses Kriterium geprüft wird. So lässt sich dies auf Tagesbasis, Wochenbasis, Stundenbasis oder auch kontinuierlich prüfen. Wobei jedes Intervall wiederum eigene Vor- und Nachteile hat.

Bei kontinuierlicher Überwachung sind die möglichen Verluste am nähsten am geplanten Verlust. Wer hingegen nur einmal pro Woche prüft, muss hier mit deutlich höheren Verlusten rechnen — je nachdem wie stark sich der Kurs innerhalb einer Woche bewegt. Dafür werden Sie jedoch von kurzfristigen Tagesschwankungen nicht gleich ausgestoppt.

Sollten Sie den Stopp Losss nicht fest im System hinterlegen sondern manuell ausführen, besteht zudem ein ehrhebliches mentales Risiko: Lassen Sie sich in diesem Fall nicht dazu verleiten, „noch abzuwarten“ oder doch noch auf eine Kursumkehr zu hoffen!

Spread-Strategien

Bei einem Spread limitieren Sie den maximal möglichen Verlust vorweg durch eine entsprechende Gegenposition. Im Fall eines Optionsverkaufs erwerben Sie zum Beispiel direkt eine weitere Option zur Absicherung.

Dadurch ist der maximale Verlust zum Laufzeitende der Option bereits bekannt. Gleichzeitig können Sie zwischenzeitlich starke Kursschwankungen bequem aushalten und gewinnen Zeit um auf eine mögliche Gegenbewegung zu warten.

Der Nachteil ist, dass die Kosten für die zusätzliche Absicherung vergleichsweise hoch sind. Dadurch sinkt die mögliche Rendite besonders dann, wenn das Verhältnis zwischen profitablen Trades und Verlust-Trades sehr hoch ist.

Auch verleitet der Ansatz häufig dazu, das Depot mit Spreads vollzuladen. Da die Verluste in normalen Börsenphasen kaum ausgeschöpft werden, tendieren unerfahrene Anleger dazu, mehr Positionen zu eröffnen als sie eigentlich ertragen können. Im schlimmsten Fall kommen dann doch alle Positionen gleichzeitig unter die Räder und die Verluste wachsen ins unermessliche.

Portfolio-Absicherung

Die beiden vorherigen Strategien arbeiten jeweils auf Positionsebene. Jeodoch gibt bei sehr vielen Positionen auch die Möglichkeit, Absicherungsstrategien auf Portfolio-Ebene zu implementieren.

Damit sind Sie flexibler in der Gestaltung und unabhängiger von der Entwicklung von Einzelwerten. Gleichzeitig erfordern diese Strategien aber auch mehr Hintergrundwissen und lassen sich nur mit mehr Aufwand umsetzen.

So lässt sich nur schwer eine optimale Absicherungsqualität zu erreichen, weil sich nicht alle Einzelwerte gleich verhalten. Dadurch funktioniert die Versicherung bei allgemeinen Marktverwerfungen besser, kann aber das individuelle Risiko einzelner Positionen nicht abdecken.

Ein einfaches Beispiel wäre ein Depot, dass viele US-amerikanische Positionen enthält. Hier ließe sich eine angemessene Depotabsicherung über den Kauf von Put-Optionen auf den S&P 500 erreichen.

Fragen, die Sie nun beschäftigen werden sind: Wieviele Optionen benötigen Sie, um eine spürbare Absicherung aufzubauen? Oder wie können Sie diese Optionen verwalten, um ihre Kosten gering zu halten und damit die Depotperformance nicht zu negativ zu beeinflussen?

Fazit

Antworten darauf muss dieser Überblick schuldig bleiben. Hier empfehle ich die Lektüre eingängiger Literatur über den Optionshandel (insbesondere aus dem englisch-sprachigen Raum) sowie eigenes Nachdenken.

Denn leider muss ich aus eigener Erfahrung eingestehen, dass es nur sehr wenig wirklich handfeste Informationen zum Thema gibt. Häufig deckt die gängige Literatur nur allgemeine Grundlagen und oberflächliche Themen ab. Echte umsetzbare Strategien scheinen die Profis lieber für sich zu behalten. Bestenfalls können Sie an einigen Stellen erahnen, welche Möglichkeiten sich eröffnen, wenn Sie den Sprung vom statischen Denken in dynamische Systeme wagen.

Um diese Strategien zu pflegen, bedarf es aber auch einem regelmäßigen Blick aufs Konto — und zwar täglich!

Zum Schluss kann ich den meisten Anlegern, die nebenbei noch Familie, Arbeit und Hobbies haben den Stop Loss ans Herz legen. Wer noch weniger Zeit hat und nicht regelmäßig den Account prüfen möchte, kauft sich mit Spreads entsprechendes Seelenheil. Dann reicht es auch, einmal im Monat oder einmal im Quartal den Stand zu checken und die nächsten Positionen zu eröffnen.

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