Wie ich in Aktien investiere
Wie ich in Aktien investiere

Der Privatier hat zur Blogparade „Meine Strategie für die Kapitalanlage“ aufgerufen. Mit diesem Artikel möchte ich das Thema aus meiner Sicht beleuchten und meine Strategie in einem Überblick zur Diskussion stellen. Wichtig ist, dass eine Strategie immer eine sehr persönliche Sache ist. Die Lebensumstände sind verschieden, die gemachten Erfahrungen unterscheiden sich und jeder hat andere Erwartungen an die Zukunft. Meine persönliche Investmentstrategie besteht aus zwei wesentlichen Komponenten: Einmal der langfristige Aufbau von Unternehmensbeteiligungen in Form von Aktien und zum Zweiten der Aufbau eines Kapitaleinkommens durch die Einnahme von Optionsprämien.

Langfristige Investition in Aktien

Aktien als Sachwerte bilden die Grundpfeiler des Vermögens. Profitable Unternehmen sind Geldmaschinen, die den Unternehmer und die Investoren am Erfolg des Geschäftsmodells über Dividenden teilhaben lassen.

Im Rahmen meiner optimierten Buy-and-Hold-Strategie besteht mein Depot aus zwei verschiedenen Klassen von Unternehmen:

Dividenden-Aristokraten

Die eine Gruppe bilden klassischen Dividendenzahler. Das sind gestandene Unternehmen, die seit vielen Jahrzehnten existieren und ein stabiles Geschäftsmodell aufweisen. In der Regel zeichnen sie sich durch konsistente Erträge und stetig wachsende Gewinne aus.

Die Aktionäre werden an diesen Gewinnen regelmäßig über eine stabile Dividende beteiligt. Im Idealfall steigt diese Dividende stärker als die Inflatioinsrate an. Nur so kann langfristig auch Kaufkraftstabilität gewährleistet werden.

In meinem Aktiendepot gehören Altria, GlaxoSmithKline, BP oder AT&T zu dieser Kategorie.

Wachstumsunternehmen

Die zweite Gruppe bilden Wachstumswerte. Sie sind am Markt noch nicht so lange aktiv wie die Dividenden-starken Hochseeschiffe. Ihr Geschäftsmodell ist noch immer einem stetigen Wandel unterworfen. Der Markt ist noch im Aufbau und die Entwicklungsschritte gehen schnell voran. Hier zeichnen sich die Marktführer durch gute Gewinnmargen und stark wachsende Kapitalzuflüsse aus. Dennoch schwanken die Gewinne stark und Dividenden tragen nur einen sehr kleinen Teil der Gesamatrendite bei.

Alternativ müsste man diese Gruppe eher als chancenorientierte Kategorie beschreiben. Einerseits müsse die Geschäftsmodelle noch über einen längeren Zeitraum beweisen, dass sie funktionieren. Andererseits besteht so natürlich auch die Gefahr eine falsche Auswahl zu treffen. Dem steht dafür eine deutlich größere Gewinnchance gegenüber.

Im Depot habe ich zum Beispiel in Visa, Priceline, Hyundai Motors oder Gilead Sciences unter diesem Aspekt investiert.

Durch diese Aufteilung in Dividenden-Aristokraten und Wachstumswerte ergibt sich eine günstige Konstellation: Die regelmäßigen Dividenden generieren den Cash Flow, der notwendig ist, um in chancenreiche Wachstumswerte investieren zu können.

In welche Aktien soll investiert werden?

Bei der Investition in ein Unternehmen ist das wichtigste, offensichtliche Fehlgriffe von Anfang an zu vermeiden. Ich möchte im Depot ausschließlich Aktien haben, die profitabel arbeiten und gute Aussichten auf Gewinnwachstum haben. Denn nur so kann ich als Investor auch mit einem steigenden Unternehmenswert und wachsenden Ausschüttungen profitieren.

Für die Auswahl der passenden Unternehmen gibt es verschiedene Möglichkeiten. Abgesehen vom Kriterium der Dividenden-Rendite für die Dividenden-Aristokraten kommt es mir auf drei Kerngrößen an. Diese drei Kennzahlen haben ein einziges Ziel: relativ einfach zwischen profitablen Unternehmen und Verlustbringern zu unterscheiden.

  • Umsatzwachstum
  • Positives Nettoergebnis
  • Wachsender operativer Kapitalfluss

Zunächst achte ich auf den Umsatz, um zu erkennen, ob das Geschäftsfeld wächst. Der Nettogewinn verrät mir, ob das Unternehmen profitabel arbeitet. Zuletzt verrät der operative Kapitalfluss, ob zum Ende des Jahres mehr oder weniger Geld in der Kasse verbleibt. (Ich diese drei Kennzahlen in einem eigenen Artikel noch ausführlicher erklärt.)

Wann werden Aktien verkauft?

Im Idealfall ist der Kauf einer Aktie „für immer“. Es wird also nicht mehr verkauft, wenn die Aktie einmal im Depot ist. Dennoch gibt es drei Ausstiegsoptionen, um das investierte Kapital für neue Chancen freizugeben.

  • Die erste Ausstiegsmöglichkeit besteht, wenn der Aktienkurs um mehr als 50 Prozent fällt oder die Dividende gekürzt wird. In diesem Fall besteht die Gefahr, dass das Unternehmen kein profitables Geschäftsmodell vorweist und der Kauf ein Fehler war.
  • Die zweite Ausstiegsmöglichkeit besteht, wenn der Aktienkurs sich verdoppelt hat. Dann wird es möglich, das eingezahlte Kapital durch den Verkauf der halben Position wieder zu entnehmen. Dadurch bleibt nur noch der Ertrag investiert. Gleichzeitig kann das freie Kapital für alternative Investments genutzt werden.
  • Die dritte Ausstiegsmöglichkeit ist nach einer Haltedauer von 10 Jahren erreicht. Nach diesem Zeitraum wird die Position kritisch neubewertet und auf ihre Zukunftschancen untersucht. Gibt es mittlerweile bessere Alternativen, kann die Position verkauft werden.

Wichtig ist, das in allen drei Szenarien kein Zwang zum Verkauf besteht. Das Halten der Aktien im Bestand wird dem Verkauf immer vorgezogen.

Bei Hyundai Motors oder Gilead Sciences habe ich zum Beispiel mein Eigenkapital bereits komplett entnommen. Hier habe ich nur noch die Gewinne investiert, die sich aus der starken Kursentwicklung ergeben haben. Das freigewordene Kapital habe ich genutzt, um weitere Unternehmen hinzuzukaufen.

Kapitaleinkommen durch Optionsprämien

Der zweite Eckpfeiler stellt die Optionsstrategie dar. Hier besteht das Ziel darin, unabhängig von der Kursentwicklung ein Einkommen durch Optionsprämien zu erzielen. Da ich die Erfahrung gemacht habe, dass Aktien sich über sehr lange Zeiträume nicht im Kurs verändern können, möchte ich diese Durststrecken mit Optionsprämien aufwerten.

Wichtig ist an dieser Stelle, dass es sich nicht um Optionsscheine handelt, sondern um richtige Optionen (Lies hier mehr zum Unterschied zwischen Optionsscheinen und Optionen). Sie haben gegenüber Optionsscheinen zwei wesentliche Vorteile: Optionen sind standardisiert und es ist möglich die Position des Emittenten bzw. Stillhalters einzunehmen.

Im Kern besteht die Strategie darin, Aktien nicht direkt zu handeln sondern stattdessen anderen Marktteilnehmern das Recht zu verkaufen, ihre Aktien an uns zu übertragen. Dieses Recht wird durch die Put- bzw. Call-Option verbrieft, welche den Verkäufer dazu verpflichtet, die entsprechende Aktie zu einem bestimmten Kurs zu kaufen (Short Put) oder zu verkaufen (Short Call).

Für dieses Recht zahlt der Käufer eine Prämie, die wir als Stillhalter einnehmen und in jedem Fall behalten dürfen — egal ob der Käufer sein Recht ausübt oder nicht.

Die Optionsstrategie hat drei Vorteile:

  • Auf der einen Seite ist dieses Einkommen weitgehend unabhängig von Kursentwicklungen. Dadurch fließt Geld ins Depot zurück, egal wie sich Kurse entwickeln.
  • Die zweite Seite ist der Schutz-Charakter. Wenn die Aktienkurse sinken, wirkt die eingenommene Prämie als zusätzlicher Puffer, der vor einem Wertverlust im Depot schützt.
  • Der dritte Vorteil ist die Möglichkeit positive Erträge auch dann zu erzielen, wenn der Markt sich nicht bewegt oder sogar fällt.

Der wohl größte Nachteil vom Optionsverkauf ist, dass die Gewinne sofort versteuert werden müssen. Bei Aktien lässt sich hingegen durch Kursgewinne der Steuereffekt bis zum Verkauf verlagern. Auch sind Optionen nicht vollkommen passiv, wenn man sie mit Dividenden vergleicht. Es müssen regelmäßig neue Trades aufgesetzt werden und neue Investitionsentscheidungen getroffen werden. Dafür wird man aber für diese Arbeit mit einer deutlich höheren Rendite belohnt.

Natürlich kann ich an dieser Stelle die Welt der Optionen nicht in ganzem Umfang darlegen. Hier verweise ich besser auf meine zahlreichen Artikel zum Thema Optionen.

Wie bei Dividenden müssen die Gewinne aus der Optioinsstrategie regelmäßig reinvestiert werden. Nur so kann ein Schneeball ins Rollen gebracht werden, der die finanzielle Freiheit eher kurzfristig als langfristig möglich werden lässt.

Fazit

Zusammenfassend ist meine Strategie noch immer einem starken Wandel unterworfen. Das merke ich allein schon daran, dass ich früher mit der Trendfolgestrategie erstmal nur steigende Aktien erkennen wollte. Damit bin ich bei Hyundai Motors gelandet, mit denen ich 2007 und 2008 durch das Tal der Tränen gegangen bin und zeitweise 80 Prozent Kursverlust ertragen musste.

Dadurch habe ich mich nach ertragsstabileren Strategien umgesehen und landete schließlich bei der Dividenden-Strategie. Da mir 3-5 Prozent Rendite aber nicht reichen, um schnell finanziell frei zu werden, bin ich auf die logische Fortsetzung gestoßen und bessere mein monatliches Einkommen mit der Optionsstrategie auf.

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich auch mit der Investition in Immobilien. Doch derzeit würde ein Investment noch zu viel Kapital binden und damit ein hohes Klumpenrisiko darstellen. In absehbarer Zeit plane ich aber auch hier weitere Schritte.

Wenn du noch keine Strategie hast, wie du an der Börse investieren möchtest, empfehle ich, dass du dir dazu baldmöglichst Gedanken machst. Du wirst dadurch zwar zunächst nicht unbedingt höhere Renditen erreichen, aber mittelfristig zahlt es sich defintiv aus — allein schon deshalb, weil du dich besser vom täglichen Medien-Rauschen distanzieren kannst.

Ein gesunder Abstand vom Tagesgeschäft ist nur dann möglich, wenn du nicht nur ein paar Tage, sondern viele Jahre im Blick hast. Dann erkennst du leichter, welche Veränderungen sich wirklich auf deine Ziele auswirken und kannst besser und gelassener reagieren.

4 KOMMENTARE

  1. Hallo Rico,

    ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bedanken, dass Du an der Blogparade „Meine Strategie für die Kapitalanlage“ teilgenommen hast. Vielen Dank für Deinen Beitrag!

    Inzwischen habe ich eine Zusammenfassung aller Beiträge erstellt:
    http://der-privatier.com/ergebnisse-der-blogparade-meine-strategie-fuer-die-kapital-anlage/
    die ich wirklich jedem empfehlen möchte.

    Hier gibt es eine ziemlich eindeutige generelle Richtung, aber auch viele sehr interessante Abweichungen und Details. Unbedingt lesen!

    Gruß, Der Privatier

  2. Es ist sehr interessant zu sehen, wie jeder Mensch eine unterschiedliche Anlagestrategie hat. Gerade als Privatanleger ist es sehr schwierig, gegen die ganz großen anzukommen. Deine Strategie hat auf jeden Fall Potential.

    • Danke. Ich versuche auch so viel Feedback wie möglich zu bekommen. Zudem verfolg ich die Strategien vieler anderer Investoren und versuche daraus die guten Punkte mitzunehmen und aus den Fehlern zu lernen. Ich denke, das ist der einzige Weg zum Erfolg.

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