Staatsanleihe des Deutschen Reiches von 1922
Staatsanleihe des Deutschen Reiches von 1922

In Zeiten von niedrigen Zinsen locken neben Aktien auch Mittelstandsanleihen das Interesse der Anleger. Sie zeichnen sich durch eine hohe Rendite von meist über 7 Prozent pro Jahr aus, die über Koupon-Zahlungen meist einmal im Jahr an die Anleger ausgezahlt wird. Vergleicht man dagegen die Null-Zinsen beim Sparbuch oder Tagesgeld, erscheinen derartige Anleihen dagegen der Investment-Himmel zu sein.

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Was sind Anleihen?

Grundsätzlich sind Anleihen ein Kredit für das Unternehmen mit einer festgelegten Laufzeit. Der Kredit gilt als Fremdkapital, wird also im Falle einer Insolvenz noch vor den Eigentümern der Gesellschaft bedient. Dadurch sind Anleihen in der Theorie relativ sicher.

Im Gegenzug dafür, das der Anleger dem Unternehmen sein Geld zur Verfügung stellt, erhält er einen Zins, der meist einmal im Jahr bezahlt wird. Nach dem Ende der Laufzeit bekommt er außerdem sein bereitgestelltes Kapital zurück.

Anleihe-Käufer arbeiten also so ähnlich wie eine Bank, die Unternehmen ebenfalls über Kredite finanziert. Allerdings ist der Unterschied zur Bank, dass Anleihe-Gläubiger meistens erst nach der Bank bedient werden. Für diesen Haken bekommt man aber einen Rendite-Bonus als Schmerzensgeld oder fachlich genauer: Risiko-Zuschlag.

Was sind Mittelstandsanleihen?

Anleihen gibt es für Staaten (Staatsanleihen), Banken und Unternehmen. Je nach Größe des Schuldners werden sie in verschiedene Risiko-Klassen einsortiert. Während Staatsanleihen von Industriestaaten allgemein als sichere Anlageform gelten, sind Unternehmensanleihen schon etwas riskanter. Am gefährlichsten sind Mittelstandsanleihen, da es sich hier häufig im vergleichsweise kleine Unternehmen mit einem geringen finanziellen Spielraum handelt.

Gehandelt werden diese Anleihen über mäßig regulierte Kapitalmärkte, sodass im Gegensatz zu „großen“ Anleihen der Informationsanspruch recht gering ist.

Welche Renditen möglich?

Wie bei Aktien gibt es auch bei Mittelstandsanleihen ein breites Spektrum von geringer Rendite bis zu hoher zweistelliger Rendite. So hat bereits vor langer Zeit das beliebte Anleger-Magazin „Der Aktionär“ die Katjes-Anleihe empfohlen. Das Unternehmen zeichnet sich durch bekannte Produkte und eine starke Marke aus. Dabei wird ein Koupon von 7,125 Prozent für eine Investition von 1.000 Euro gezahlt. Fällig wird die Anleihe 2016.

Weitere bekannte Mittelstandsanleihen betreffen etwa PosterXXL (7,25 Prozent Koupon bis 2017) oder Travel24.com (7,5 Prozent bis 2017). Nicht an der Börse notiert finanzieren sich auch gern bekannte Betriebe wie Butlers oder die Wiener Feinbäckerei über Mittelstandsanleihen.

Welche Chancen und Risiken existieren?

Die Chancen bei guten Mittelstandsanleihen sind langfristig überdurchschnittliche Renditen für das Eingesetzte Kapital. Während Aktien-Anleger mit hohen Kursschwankungen kämpfen müssen und gerade im Bereich kleinerer Unternehmen ohne laufende Dividenden leben, können Investoren für Mittelstandsanleihen auf laufend gute Erträge hoffen.

Eine mögliche Gefahr besteht allerdings im sogenannten Emitentenrisiko. Es besteht darin, dass der Schuldner den geliehenen Betrag nicht mehr zurückzahlen kann. Dadurch ist das eingesetzte Kapital meist vollständig verloren.

Ein Extrem-Beispiel, welche die Gefahr vor Augen führen kann, ist die GetGoods AG, die ebenfalls mit Koupons von 7,75 Prozent gelockt haben. Da die Firma ihre Zahlungen nicht mehr leisten konnte, mussten sowohl die Anleihe-Käufer als auch die Aktionäre einen herben Verlust hinnehmen. Hier wird also sehr deutlich, dass man sich vorab über das Unternehmen genau informieren sollte.

Ein wesentliches Problem im Mittelstand ist der mangelnde Zugang zu Informationen, da im Gegensatz zum geregelten Markt die Anforderungen deutlich geringer sind. Anleger müssen also ständig wachsam sein.

Mittelstandsanleihen zum Vermögensaufbau?

Tatsächlich sind Mittelstandsanleihen ein höchst spekulatives Investment. Wer sich in diesem Bereich des Marktes bewegen möchte, sollte durchaus mit einem Totalverlust seines Kapitals rechnen — wie es auch bei Aktien immer der Fall ist.

Häufig gibt es in einschlägigen Foren Gerüchte über starke Unternehmensgewinne, zukünftige Chance und mögliche Geheimtipps, aber auch gestreute Gerüchte über Insolvenzen oder drohende Zahlungsunfähigkeit. Dies kann einerseits dazu dienen, Kurse von sehr guten Anlagen für neue Anleger zu drücken, es kann aber auch passieren, dass Kurse schlechter Unternehmen gesteigert werden.

Was letztendlich stimmt, erfährt man meist erst hinterher. Ich persönlich beobachte den grauen Kapitalmarkt wegen des Mangels an Transparenz lieber von der Seitenlinie. Dennoch bieten sich hier auch Chancen. Denn durch all diese Unwägbarkeiten sind die Risikoaufpreise natürlich hoch. Wer hier gute Unternehmen mit einer starken Marke und einer Ob der mögliche Gewinn das Risiko wert ist, muss letztendlich jeder für sich entscheiden.

Bildquelle Titelbild: Schuldverschreibung von Reichsschuldenverwaltung – Sammlung und Scan Dr. Alexander Mayer. Lizenziert unter Public domain über Wikimedia Commons.

1 KOMMENTAR

  1. Hallo Rico,
    als „alter Anleiheninvestor“ teile ich Deine Meinung. Evtl. hast Du von den neusten „Skandalen“ MS Deutschland und Penell gelesen. In beiden Fällen wurden Anleger mit Sicherheiten (Schiff bzw. Warenlagen mit Kupferkabel) gelockt die sich im Nachhinein jedoch in Luft aufglöst haben. Bei der MS Deutschland ist die Hypothek offenkundig wohl nicht richtig eingetragen und bei Penell hat sich der Wert des Warenlagers von 9 Mio. Eur mal eben auf rund 2 Mio. Eur reduziert. Für mich heißt es daher Hände weg von M-Bonds.
    Gruß
    Anton

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