Optionen werden häufig als hochspekulative Finanzinstrumente wahrgenommen. Mit meiner Bekanntgabe, dass ich anstelle von Aktien nur noch Optionen handeln möchte, um Vermögen aufzubauen, bin ich bei vielen Lesern auf Unverständnis gestoßen. In diesem Artikel diskutiere ich, in welcher Form Aktien und Optionen für diesen Zweck eingesetzt werden können. Dazu stelle ich die Risiken der Finanzinstrumente gegenüber und zeige dir, dass mit Optionen bessere Ergebnisse bei weniger Risiko möglich sind.

Rechte und Pflichten bei Aktien und Optionen

Für die meisten Anleger sind Aktien und Anleihen noch leicht nachvollziehbar. Sie sind Wertpapiere mit direktem Bezug zum Zielunternehmen — entweder als Eigenkapitalgeber (Aktionär) oder Fremdkapitalgeber (Gläubiger). In beiden Fällen verbriefen die Wertpapiere ein bestimmtes Recht. So haben Aktionäre das Recht am Erfolg oder Misserfolg der Unternehmung zu partizipieren. Gläubiger erwerben ein Recht auf regelmäßige Zinszahlungen für ihre Geldleihe.

Bei Optionen gestaltet sich das Verhältnis etwas komplexer. Sie gehören zur Gruppe der Derivate („abgeleitete Wertpapiere“) und beziehen sich nicht mehr direkt auf das Zielunternehmen selbst. Stattdessen beschreiben sie ein Recht, das bestimmte Besitzansprüche in Bezug auf das Wertpapier selbst festlegt.

Wichtig ist auch, den Unterschied zwischen Optionen und Optionsscheinen zu verstehen. Letztere funktionieren ähnlich, haben jedoch wesentliche Nachteile gegenüber echten Optionen.

Chancen und Risiken für Aktionäre verstehen

Da die Kritik am Handel mit Optionen sich vor allem auf die scheinbar großen Gefahren im Vergleich zum Aktienerwerb bezogen, möchte ich vor allem diesen Punkt diskutieren.

Welche Risiken hat ein Aktionär? Er nimmt sein Geld und erwirbt damit Anteile an Unternehmen. Dadurch erhofft er am Erfolg teilhaben zu können, was sich entweder in Kursgewinnen oder in Dividendenausschüttungen niederschlägt.

Das finanzielle Risiko für den Aktionär beschränkt sich auf die Höhe seiner Einlage (dem Kaufpreis der Aktien). Sie kann im schlimmsten Fall vollständig verloren gehen — wenn das Unternehmen bankrott geht oder wenn andere Aktionäre stark genug glauben, dass es so kommen könnte. Das heißt, der Wert der Einlage unterliegt nicht unerheblichen Schwankungen.

Da auch Aktionäre zukünftige Erwartungen handeln und darauf spekulieren, dass ihre gewählten Aktien sich tatsächlich erfolgreich entwickeln, unterliegen sie dem Risiko, dass diese Spekulation nicht aufgeht.

Um den Einfluss der falschen Aktienauswahl auf die Performance des gesamten Kontos zu reduzieren, legen Aktionäre Auswahlkriterien an. Üblich sind zum Beispiel die Größe des Unternehmens, die Preisentwicklung der Aktie, die Entwicklung der Dividendenzahlung oder die Bewertung am Markt. Diese Kriterien lassen sich auch für den Handel mit Optionen anwenden.

Chancen und Risiken für Optionshändler

Die allgemeine Angst vor Optionen als hochriskantes Teufelszeug möchte ich mit einem sehr einfachen Beispiel anhand einer fiktiven Kursentwicklung von Coca Cola nehmen.

Die Aktie steht derzeit bei 45 Dollar und wir nehmen zwei mögliche Szenarien für die Zukunft an: Die Aktie fällt um 10 Dollar auf 35 oder sie steigt um 10 Dollar auf 55 Dollar.

Wie wäre die Situation für einen Coca-Cola-Aktionär?

Wir betrachten dazu einen Aktionär, der 100 Aktien von Coca Cola im Depot hält. Die Unternehmensanteil haben derzeit einen Börsenwert von 4.500 US-Dollar. Dieses Geld hat er direkt vom Konto genommen und für die Aktien bezahlt.

Sinkt der Preis der Aktie um 10 Dollar, verliert der Aktionär auf dem Papier 1.000 Dollar („Buchverlust“). Realisiert wäre dieser Verlust allerdings erst, wenn er die Aktien auch tatsächlich zu diesem Preis verkauft. Allerdings glaubt er langfristig an das Geschäftsmodell, behält die Aktien und gibt sich solange mit der Dividende zufrieden, bis der Kurs sich wieder erholt. Bei einem Stand von 55 Dollar wäre der Aktionär also 1.000 Dollar im Gewinn.

Wie wäre die Situation für einen Optionshändler?

Für den Optionshändler bieten sich unterschiedliche Möglichkeiten, an der Entwicklung von Coca Cola zu partizipieren:

  • Als Optionskäufer mit konkreter Erwartungshaltung auf deutliche Kursveränderungen
  • Als Optionsverkäufer (Stillhalter) mit der Erwartungshaltung auf eher geringe Kursveränderungen
  • Weiterhin können Optionshändler auf bestimmte Preisbereiche spekulieren, in welchen sich die Aktie mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht bewegen wird.
  • Ebenfalls ließen sich Räume definieren, in denen die Aktien als „überbewertet“ definiert und damit verkauft oder als „unterbewertet“ und damit gekauft würden.

Es lassen sich beliebige Szenarien definieren, was den Optionshandel eher vergleichbar mit einem Schachspiel macht, das neben dem Eröffnungsspiel und dem Endspiel auch verschiedene Strategien während der Partie, um auf die Züge des Gegners optimal zu reagieren.

Jede Strategie weist unterschiedliche Gewinnchancen und unterschiedliche Risiken auf.

Betrachten wir dazu ein einfaches Beispiel, bei dem der Investor auf deutlich steigende Kurs spekuliert:

Ein Optionshändler hat ebenfalls 4.500 Dollar zur Verfügung. Er verzichtet allerdings auf den Kauf von Coca-Cola-Aktien und erwirbt dafür 100 Call-Optionen mit dem Ausübungspreis von 45 Dollar. Das heißt, er darf bis zur Fälligkeit der Optionen jederzeit die Aktien für 45 Dollar erwerben — egal, wo der Kurs an der Börse gerade steht.

Diese Call-Optionen kosten mit einer Laufzeit von einem Jahr etwa 3 Dollar. Der Optionshändler zahlt für das Recht, die Aktien erwerben zu dürfen also 300 Dollar und behält die restlichen 4.200 Dollar auf seinem Konto.

Das Risiko: Wenn die Aktien auf 35 Dollar fallen, sind die Optionen fast wertlos — der Optionshändler hat also auf dem Papier erst einmal 300 Dollar verloren. Allerdings gelten die Optionen noch immer — steigt der Kurs also während der Laufzeit wieder an, gewinnen auch die Optionen wieder an Wert.

Die Chance: Bei einem Aktienkurs von 55 Dollar wäre der Optionshändler 700 Dollar im Gewinn. Das heißt, er gewinnt 1.000 Dollar durch den höheren Kurs, die Prämie von 300 Dollar für die gezahlte Optionsprämie muss vom Gewinn aber abgezogen werden.

Es lässt sich in diesem Beispiel kein höheres Risiko durch den Einsatz von Optionen nachweisen.

Der Reiz der Optionen besteht in der gewonnenen Flexibilität. So hätte der Optionshändler von den übrigen 4.200 Dollar zum Beispiel auch noch weitere 100 Aktien für 3.500 Dollar kaufen können, als sie auf 35 Dollar gesunken waren. Selbst dann hätte er noch immer 700 Dollar frei verfügbares Kapital. Oder er hätte für weitere 300 Dollar 100 neue Kauf-Optionen erworben — dann vielleicht zu einem niedrigeren Ausübungskurs.

Diese Handlungsaltenativen stehen einem klassischen Aktionär nicht zur Verfügung, denn das gesamte Kapital ist bereits in den Aktien gebunden. Ihm bleibt lediglich die Wahl zwischen Verkaufen oder halten.

Schwer wird es, wenn es um scheinbar „sichere“ Fälle wie zum Beispiel General Electric geht. Der Aktionär hat wieder nur eine Möglichkeit: Halten oder Verkaufen?

Die Möglichkeiten für den Optionshändler sind wie beim Schach extrem vielfältig. Wichtig ist mir an dieser Stelle nur aufzuzeigen, dass Optionen in keinem dieser Fälle ein im Vergleich zum Kauf der Aktie untragbares Risiko darstellen.

Fazit

Ist Optionshandel nun gefährlicher als ein Aktiendepot gefüllt mit langjährigen Dividendenzahlern? Oder zurück zur Ausgangsfrage: Kann man mit Optionen langfristig Vermögen aufbauen?

Pauschal kann die Frage von niemandem ehrlich beantwortet werden. Denn tatsächlich ist nicht die Frage nach dem Finanzinstrument (Werkzeug) relevant, sondern die Frage nach der gesamten Vermögensstruktur und der Anlagestrategie.

Jemand, der ausschließlich Aktien handelt, kann trotzdem extreme Risiken eingehen. Die aktuelle Kursentwicklung von General Electric dürfte bei einigen Depots spürbare Auswirkungen hinterlassen. Dies kann geschehen, indem er zum Beispiel grundlegende Sicherheitsmaßnahmen wie eine gewisse Diversifizierung vernachlässigt oder indem er auf bestimmte Alarmsignale nicht angemessen reagiert.

Der Einsatz von Fremdkapital erzeugt einen Hebel, der die Resultate des eigenen Systems nur verstärkt. Das heißt auf der einen Seite, dass höhere Gewinne möglich sind. Andererseits wirken sich aber auch Fehler stärker aus und können dazu führen, dass das Konto schneller zugrunde gerichtet wird. Optionen sind ein Werkzeug, mit dem sich Hebel besser nutzen lassen. Richtig angewendet können sie dazu beitragen, Vermögen schneller und sicherer zu aufzubauen.

Optionshändler haben neben der Maximierung der Rendite auch immer zwei weitere Ziele: Optimales Verhältnis zwischen Chancen und Risiken und optimaler Einsatz des zur Verfügung stehenden Kapitals.

Allerdings muss durch den höheren Aufwand beim Handel mit Optionen auch eine höhere Rendite als bei passiven Aktieninvestments gefordert werden — ansonsten wäre der Mehraufwand nicht mehr zu rechtfertigen.

Wie dieser Einsatz sich dann im Detail gestaltet, hängt wieder vom Know How des Anlegers ab. Auch hier gibt es sowohl riskantere und vorsichtigere Strategien — aber auch Strategien mit mehr und mit weniger Zeitaufwand. Die Wahl obliegt dem Anleger — sowohl bei beim Werkzeug als auch bei der Strategie.

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