Wieviel Vermögen benötigt man, um von Dividenden leben zu können?

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Ist es nicht ein schöner Traum, so viel Geld zu haben, dass man ohne arbeiten zu müssen nur von den Zinsen leben kann? Einige sind diesem Traum schon ein Schritt näher gekommen — und haben als mögliches Mittel Aktien erkannt, um diesen Wirklichkeit werden zu lassen. Denn Aktien sind Unternehmensanteile. Und die Unternehmen beteiligen ihre Aktionäre zum Beispiel über Dividenden am Gewinn. Mit dieser Ausschüttung erreicht man langfristig häufig eine Verzinsung des Kapitals von ca 3-6 Prozent.

Neben Dividenden gibt es aber noch viele weitere Möglichkeiten, um mit Aktien Geld zu verdienen.

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Doch wie viel Kapital ist wirklich notwendig, um bequem davon leben zu können? Häufig werden an dieser Stelle Zahlen in den Raum geworfen, um diese Frage zu beantworten oder es wird der eigenen Verdienst als Orientierung hergenommen. Doch tatsächlich ist die einzige relevante Größe die Höhe der persönlichen Ausgaben! Die Höhe des Einkommens beeinflusst lediglich, wie schnell wir unser Sparziel erreichen können!

Diesen Effekt veranschaulichen wir nachfolgend am Beispiel von Tommy, Laura und Harald.

Tommy – Der gemütliche Sparer

Tommy hat ein monatliches Nettoeinkommen von 2.000 Euro. Für seine regelmäßigen Ausgaben fallen monatlich 1.500 Euro an, sodass er 500 Euro zum Sparen zur Verfügung hat. Das ergibt eine Sparquote von 25 Prozent. — Damit ist er schon deutlich besser als die meisten Arbeitnehmer in Deutschland, denn im Durchschnitt werden hier nur etwa 5-10 Prozent des Einkommens gespart.

Woher er die Höhe der Ausgaben so genau weiß? Weil er regelmäßig ein Haushaltsbuch führt und dort alle anfallenden Ausgaben erfasst! Wie das einfach und ohne Mühe geht, wird in folgendem Beitrag erläutert (zur Vorlage für ein Haushaltsbuch).

Wollen wir diese Ausgaben auch in Zukunft decken, benötigen wir ein monatliches Dividenden-Einkommen von 1.500 Euro. Dies entspricht im Jahr 18.000 Euro. Bei einer möglichen Rendite von 5 Prozent lässt sich ein erforderliches Endvermögen von 360.000 Euro ermitteln. Wenn wir die Steuern noch aufschlagen, wird es entsprechend mehr. Konkret unter Berücksichtigung der Abgeltungssteuer von 25 % wären es dann 480.000 Euro.

Bei monatlich 500 Euro Sparleistung würde Tommy circa 30-35 Jahre benötigen, um das Sparziel zu erreichen! Für die Steuern wären theoretisch weitere 8 Jahre erforderlich, sodass die gesamte Sparzeit etwa bei 40 Jahren liegt. Wer hat da noch Lust auf sparen?

Laura – die ambitionierte Sparerin

Laura ist sparsamer als Tommy und benötigt jeden Monat nur 1000 Euro bei gleichem Nettoeinkommen. Damit hat sie zwei Vorteile: Sie kann später mit weniger Geld auskommen, weil ihre Kosten niedriger sind und sie hat mehr Geld zum Sparen — kommt also früher zum Ziel.

Laura bräuchte bei gleicher Rechnung 240.000 Euro nach Steuern und kann mit monatlich 1.000 Euro Sparleistung — oder 50 % ihres Nettoeinkommens — schon in weniger als 15 Jahren das Zielvermögen erreichen! Im Gegensatz zu Tommy bräuchte Laura also nur halb so lange arbeiten um ihr persönliches Ziel zu erreichen! Wenn sie länger arbeiten will, kann sie damit sogar ihr Dividenden-Einkommen deutlich steigern.

Dafür muss sie sich aber auch mit 30 % niedrigerem Einkommen zufrieden geben.

Harald – der Extrem-Sparer

Harald ist gerade fertig mit Studieren und ist noch sein sparsames Studentenleben gewöhnt. Er entschließt sich beim Antritt seiner ersten Arbeit das Leben weiterhin sparsam zu gestalten und schafft es tatsächlich mit nur 500 Euro monatlich auszukommen. Er will also drei Viertel seines Nettoeinkommens sparen. Damit bräuchte er theoretisch nur ein Kapital von 120.000 Euro, um überleben zu können.

Mit seiner Sparleistung von 1.500 Euro pro Monat hat er dieses Level schon in weniger als 6 Jahren erreicht!

Welcher Spartyp sind Sie?

Was lässt sich aus diesen Beispielen folgern? Natürlich sind sie theoretisch und recht extrem. Nur wenige werden es schaffen, wirklich drei Viertel ihres Einkommens tatsächlich über einen längeren Zeitraum zu sparen.

Aber die Kernaussage bleibt bestehen. Wer sparsam lebt, hat nicht nur mehr Geld übrig, um es zu sparen, sondern benötigt bei gleichem Lebensstandard später auch einfach weniger Geld zum Leben! Damit wirkt sich Sparsamkeit doppelt aus und das Ziel der eigenen finanziellen Unabhängigkeit rückt in greifbare Nähe.

Wer mindestens die Hälfte seines Einkommens spart, hat gleichzeitig die besten Chancen, sein Ziel auch zeitnah zu erreichen. „Zu viel“ kann man nie sparen — höchstens nicht genug, denn dann erreicht man sein Ziel nie.

Ein weiterer Vorteil ist, dass man sich zu jedem Zeitpunkt ein zusätzliches passives Einkommen aus Dividenden aufbaut. Daraus ergeben sich schließlich weitere Einkommensmöglichkeiten. Selbst wenn man also eher beschließt, weniger zu sparen, entwickelt sich das passive Einkommen in Zukunft zu einer verlässlichen Stütze.

würde sich Extrem-Sparer Harald nach sechs Jahren entschließen, sein studentisches Lebensniveau zu steigern, könnte er trotzdem auf 500 Euro zusätzlich zurückgreifen, die sein normales Arbeitseinkommen permanent steigern.

Damit besteht jederzeit die Wahl, ob das Dividendeneinkommen der Sparrate zugeführt werden soll, oder ob es für das tägliche Leben aufgebraucht wird.

Es gilt also sich an dieser Stelle zu entscheiden, ob man sein Leben jetzt in „vollen Zügen genießt“ und dafür eben bis zur Rente fremdbestimmt sein Einkommen erarbeiten muss. Oder ob man sich frühzeitig in Sparsamkeit üben möchte und eher die Wahl hat, wann denn das eigene Vermögen tatsächlich „genug“ ist.

Doch diese Entscheidung muss jeder für sich selbst treffen.