Mit AT&T habe ich seit langer Zeit wieder eine Aktie in meinem Depot. Das Unternehmen erwarb ich zum Kurs von 28.41 USD und damit 13 % unter dem aktuellen Marktpreis von 33 USD. Meine aktuelle Dividendenrendite liegt folglich bei 7,3 %. Wenn du dich wunderst, wie das möglich ist, werde ich dir nachfolgend meine Strategie im Detail vorstellen. Das Gute ist: Es ist für jeden Möglich, derartige Schnäppchen zu machen — ganz ohne Zauberei und riskante Spekulationen. Notwendig ist einzig und Allein Disziplin und Geduld.

Zunächst folgt ein Blick auf den aktuellen Kursverlauf der Aktie. Nachfolgend dargestellt ist der USD-Verlauf mit Wochenkerzen seit Sommer 2016 bis 17. August 2018.

Gut erkennbar ist, dass die Aktie seitdem einen weiten Bereich zwischen 39 USD im Hoch und 31 USD im Tief durchlaufen hat. Wer Anfang 2017 zum Hoch für 43 USD gekauft hat, blickt seitdem nicht nur auf Kursverluste von fast 25 % sondern auch auf eine Dividendenrendite knapp über 4,6 %. Nicht schlecht, mag man nun denken, denn bei den aktuell niedrigen Zinsen kein übles Ergebnis. Trotzdem würde es mindestens fünf Jahre dauern, bis das Investment zumindest wieder im grünen Bereich ist, wenn der Kurs weiterhin zum aktuellen Niveau notiert.

Demgegenüber wäre ein Kauf im November 2017 für 36 USD zu diesem Zeitpunkt ein gutes Geschäft gewesen, doch auch dieses stellt sich im Nachhinein als suboptimal heraus. Selbst damit würden aktuell fast 10 % Verlust zu Buche stehen, zwischenzeitlich sogar über 15 %.

Nun bin auch ich kein Hellsehr und fand den Preis Ende 2017 sehr attraktiv. Stabile Erträge und eine hohe Dividende bringen auch meine Augen zum Leuchten und verführten mich dazu, einen Einstieg zu suchen, nachdem der Preis von über 40 wieder deutlich zurückgekommen war.

Doch ich entschied mich damals nicht dazu, die Aktie direkt zu kaufen, sondern eine andere Strategie umzusetzen. Denn so richtig fühlte ich mich bei 36 USD noch nicht so richtig wohl. Wer weiß, wie Tief es noch geht?

Wie viele andere Anleger, bin ich mir durchaus bewusst, dass die Aktie immer am meisten fällt, nachdem man sie endlich gekauft hat.

Mein Handelsansatz

An der Börse handle ich stets unter der Prämisse, dass ich die Zukunft nicht kenne. Das heißt, auch zukünftige Kurs lassen sich nicht prognostizieren. Deshalb baue ich meine Strategie stets darauf auf, dass sie sowohl bei steigenden als auch bei fallenden Aktienkursen funktionieren.

Einzig entscheidend ist ein sinnvolles Regelwerk, das klar genug ist, um Handelssignale abzuleiten, aber auch flexibel genug, um individuelle Erwartungen zu berücksichtigen.

Im Fall von AT&T wendete ich die Naked-Put-Strategie an. Das heißt, ich generiere durch den Verkauf von Put-Optionen ein Einkommen und zögere den Kauf der Aktien weit genug hinaus, bis mir der resultierende Kaufpreis zusagt. Dies wird im zweiteiligen Artikel bei FullyInformed sehr anschaulich beschrieben.

Dazu kaufe ich in zwei bis drei Stufen. Das heißt, ich investiere nicht das gesamte Kapital von Anfang an, sondern erhöhe meinen Einsatz bei entsprechenden Chancen.

Im Fall von AT&T beträgt die Zielinvestition maximal 15.000 USD, was etwa 400 Aktien entspricht. Diese Größe nicht zu überschreiten ist Aufgabe der Handelsstrategie.

Nachfolgend die Umsätze in tabellarischer Form:

Strategischer Einstieg bei AT&T

Nach den letzten Höhenflügen, schwächelte der Aktienkurs wieder etwas. Ich wagte also einen vorsichtigen Einstieg und spekulierte auf eine nahende Bodenbildung.

Deshalb entschied ich mich im Oktober 2017, klüger zu handeln und ängstlichen Investoren eine Versicherung anzubieten:

Sollte der Aktienpreis im Dezember unter 34 USD notieren, würde ich die Aktien garantiert für diesen Preis erwerben — auch wenn sie deutlich tiefer stünden. Dafür erhielt ich eine Versicherungsprämie von 126 USD. Würde die Aktie den Kurs niemals erreichen, kann ich zumindest diese Prämie behalten.

Obwohl der Kurs zwischenzeitlich deutlich unter den vereinbarten Kurs gefallen war, ist der Aktienpreis bis Ende November wieder so stark angestiegen, dass ich das Geschäft vorzeitig mit Ertrag beenden konnte.

Im Januar startete ich zum zweiten Angriff: Die Aktie fiel vom Hoch wieder etwas zurück und ich versuchte erneut den Einstieg: Mit dem Wissen, bereits 126 USD verdient zu haben, bot ich eine Versicherung zum Kurs von 35 USD an. Auch hier erhielt ich eine Prämie und konnte 111 USD auf meinem Konto verbuchen.

Auch hier gelang es mir, das Geschäft vorzeitig glattzustellen, nachdem sich der Aktienpreis wieder weit genug von meinem Strike entfernt hatte.

Insgesamt hatte ich auf diesem Wege bereits über 230 USD in knapp 5 Monaten generiert, ohne die Aktie ein einziges Mal im Depot zu haben.

Ausbau der Position

Im Februar 2018 kam der Aktienkurs immer weiter zurück. Deshalb entschied ich mich anfänglich zum Verkauf von Put-Optionen zum Strike um 34 USD, doch als die Aktien weiter vielen, drohte die Einbuchung. Aus diesem Grund schloss ich die April-Positionen und eröffnete zusätzliche Position bei 32, 33 und 34 USD im Mai.

Bis zum Verfall im Mai sank der Aktienpreis weiter und ich schloss die Position mit einem Verlust von 562 USD, um die Einbuchung der Aktien zu vermeiden. Gleichzeitig stellte ich weitere Optionen für den Juli zum Verkauf, deren Prämie nicht nur den Verlust abdeckten, sondern mir sogar zusätzliche Einnahmen beschwerten.

Letztendlich wurden jedoch die Puts für 34 USD ausgeübt und ich war in der Pflicht, 300 Aktien zu diesem Stückpreis zu erwerben. Nun blieben nur noch die Optionen zum Kurs von 32 USD offen.

Obwohl der Kurs zwischenzeitlich bis auf 30 USD abstürzte, verfielen diese Optionen letztendlich wertlos, weil sich der Aktienpreis noch vor dem Verfall wieder erholte.

Wäre der Kurs weiter gefallen, hätte ich versucht, die Optionen erneut zu schließen und zu geringen Strike in den Folgemonaten zu eröffnen. Hier ist das Ziel stets, genug Prämien einzunehmen, um die Anzahl der Kontrakte zu reduzieren, sodass ich letztendlich mein gewünschtes Investitionsvolumen nicht überschreite.

Die eingenommenen Optionsprämien

Insgesamt gelang es mir in fast einem Jahr 1.675 USD an Optionsprämien einzunehmen. Pro Monat entspricht dies etwa 140 USD. Um diesen Betrag allein mit Dividenden zu erzielen, hätte ich 837 Aktien von AT&T halten müssen. Dies entspräche einem Investitionsvolumen von knapp 30.000 USD.

Wären alle offenen Optionen ausgübt worden, hätte das maximale Risiko zwischenzeitlich 300×34 + 600×32 = 29.400 USD betragen. Dies entspricht circa dem zweifachen der Zielsumme. Berücksichtigt man jedoch die eingenommenen Optionsprämien, betrüge in diesem Fall der effektive Kaufkurs lediglich (29.400 USD – 1.675 USD Prämien) / 900 Aktien = 30.81 USD. Auf diesem Niveau hätte ich dann relativ gut Call-Optionen verkaufen können, um den Bestand schnell auf das gewünschte Maß zu reduzieren.

Da die Optionen beim Strike von 32 USD jedoch nicht ausgeübt wurden, verbleiben im Depot derzeit lediglich 300 Aktien zu je 34 USD. Ihnen stehen Einnahmen von 1.675 USD gegenüber. Das heißt, das investierte Kapital beträgt (300 Aktien * 34 USD) – 1.675 USD = 8.525 USD. Je Aktie sind dies 8.525 USD / 300 = 28.42 USD.

Nachfolgend ist das Einkommen aus Optionen nochmals grafisch dargestellt:

Die Macht der Kaufpreisreduzierung

Die vorgestellte Strategie zeigt, wie es durch zielgerichtete Verkäufe von Optionen möglich ist, den effektiven Kaufpreis nachhaltig und den langfristigen Marktkurs zu senken.

Die Aktien von AT&T wurden zuletzt 2012 auf dem erzielten Kursniveau gehandelt. Man darf hier also von einem attraktiven Risikopuffer sprechen.

Zugleich nutzt die Strategie aktiv den Margin-Hebel, sodass sich deutlich höhere Optionsprämien einnehmen lassen. Obwohl eigentlich nur 15.000 USD investieren werden sollen, steht mit dem Optionshandel zunächst ein Kapital in zweifacher Höhe im Risiko. Dieses Risiko wird jedoch strategisch getragen, weil es durch einfache Techniken wie das „Rollen“ von Optionen stetig auf das gewünschte Maß reduziert werden kann — unabhängig vom Kursverlauf der Aktie.

Fazit

Es macht meiner Meinung nach Sinn, mit Optionen gezielt Aktienpositionen aufzubauen. Dadurch lassen sich nicht nur bessere Preise erzielen sondern zugleich lässt sich auch der Kaufzeitpunkt viel feiner steuern.

Im Gegensatz zum direkten Kauf, bei dem man als Investor zwangsläufig Market-Timing betreibt, kann ich als Verkäufer von Optionen im Rückspiegel entscheiden, ob mir das aktuelle Kursniveau zusagt oder ob ich die Zuteilung der Aktien lieber noch etwas hinauszögere.

Diese Strategie funkioniert jedoch umso besser, je mehr Kontrakte gehandelt werden. Wer regelmäßig nur ein oder zwei Kontrakte handelt und auf „kleine Positionen“ baut, versperrt sich den Vorteilen, die sich zum Beispiel durch die Reduzierung der Kontraktgröße beim Rollen ergeben. Doch erst dadurch wird es möglich, mit gehebelten Positionsgrößen zu handeln.

Bei AT&T werde ich die Position zunächst halten und versuchen, defensiv durch den Verkauf weitere Optionen den Kurs weiter zu reduzieren. Bis dahin sichert die Dividende mir einen stabilen Kapitalstrom und garantiert mir langfristig eine Rendite von mindestens 7 % pro Jahr.

6 KOMMENTARE

    • Hi, danke für deine Nachfrage. Ich habe in dem Artikel die Details des Optionsverkaufes bewusst ausgespart. Wenn dich das genauer interessiert, schau doch mal bitte in meine Einführung. Das hilft dir sicher weiter: Geheime Welt der Stillhalter. Kurz zusammengefasst, reduziere ich durch die eingenommenen Optionsprämien den effektiven Kaufpreis für die Aktien.

  1. @derkrigr: ich schätze mal Rico verrechnet seine kaufkosten mit den optionsprämien und kommt so auf die angegebenen Werte.

    @rico: das ist glaube ich mein erster Kommentar hier und deshalb erst mal hallo und herzlichen Dank für deinen Blog, der mir in den letzten Jahren viel neues Wissen vermittelt hat.

    Du bist ja gerne mahner und weist andere auf fallstricke hin. Ich finde du täuscht dich selbst mit deiner Rechnung (wenn sie tatsächlich so ist wie ich vermute). Zum einen verrechnest du die Optionseinnahmen auf monatlicher Basis und sagst: „Hier, schaut, ich habe diesen Monat 1000€ Prämien eingenommen“ (Wert ist nur ein Beispiel), zum anderen nutzt du den gleichen Cash Flow und sagst „Hier, schaut, ich habe die Aktien günstiger bekommen“.

    Ich glaube man belügt sich mit einer solchen Methode selbst, man kann Geld nur einmal ausgeben (oder eben bilanzieren). Entweder habe ich meine Aktien günstiger bekommen ODER ich generiere monatliche Einnahmen. Eine Einnahme (=optionsprämie) in beide Verwendungsbereiche (Reduzierung des einstandskurses UND monatlicher Cash Flow) einzubuchen halte ich für nicht zielführend.

    Aber vielleicht habe ich ja auch einen Denkfehler bzw. dein Vorgehen noch nicht richtig verstanden.

    Viele Grüße
    Dominik

    • Dein Feedback ist tatsächlich sehr berechtigt. Allerdings täusche ich mich nicht, weil ich es tatsächlich so getrennt betrachte, wie du es auch beschreibst. Entweder verwendet man die eingenommenen Prämien als Einkommen oder man verrechnet sie mit dem Kaufpreis der Aktien. Dennoch steht das in keinem Widerspruch, weil ich die Optionsprämien (wie Dividenden) ja auch reinvestieren kann. Und dann wird natürlich auch klar, dass sich der geringere Kaufpreis erst dann ergibt, wenn ich dieses Kapital auch tatsächlich reinvestiere und nicht entnehme.

      Ich hoffe, ich konnte diesen Punkt nochmal hinreichend herausstellen und bedanke mich bei dir fürs Lesen und mitdenken! =)

  2. Moin Rico,
    jetzt ist dir Fortsetzung der Strategie natürlich spannend! Wie stehen die laufenden Optionen nachdem der Kurs nach den Zahlen in den Keller gegangen ist. Freu mich auf die Fortsetzung und beste Grüße
    Axe

    • Hi Axe, im Moment passiert gar nichts, weil der Verfall im November noch weit weg ist. Ich bin im Moment wieder voll investiert und habe Optionen bei 32 und 30 verkauft. Wenn alles eingebucht wird, wird mein neuer Durchschnittskurs dann circa bei 29,7 sein. Habe aber vor, die Optionen weiter zu rollen und spekuliere auf eine Erholung.

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