Kein Thema wird unter Aktien-Anlegern kontroverser diskutiert wie Anlagestrategien für Wertpapiere. Vom Sekundenhandel, Day-Trading bis zu Dividendenstrategien oder „Buy-and-Hold“-Strategien werden alle Geschütze aufgefahren, um die höchste Rendite mit Aktien zu erzielen. Ich stelle hier meine persönliche Handelsstrategie vor, die sich an der Ruhe und Langfristigkeit von „Buy and Hold“ orientiert.
Transaktionskosten werden reduziert ohne in die Verlegenheit zu kommen Aktien „nie“ verkaufen zu können (und Gewinne wieder zu verlieren). Kern sind folgende Ziele: Es soll ein klarer Kurs zum Kaufen und Verkaufen definiert werden. Verlierer sollen möglichst früh aus dem Depot fliegen, und Gewinner möglichst lange im Depot bleiben. Voraussetzung ist, dass du bereits ein Unternehmen gefunden hat, in dessen Aktien du investieren möchtest (So erkennst du ein solches Unternehmen an 3 einfachen Kennzahlen).
Die Details der Investmentstrategie erfährst du in diesem Artikel.
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Was ist eine Anlagestrategie?
Wer Aktien an der Börse handelt und in Unternehmen investiert, gehört zu einer der folgenden Gruppen: Entweder zu denen, die eine Strategie verfolgen oder zu denen, die zufällig Aktien heraussuchen und mit Market-Timing und Glaskugeln der nächsten Chance zum schnellen Geld nachlaufen.
Grundsätzlich gilt: Ohne Strategie wirst du langfristig zu der Mehrzahl an Tradern gehören, die im Durchschnitt eher verlieren und wenig gewinnen. Aber natürlich kannst du auch gerade Glück haben. — Aber willst du deinen Erfolg tatsächlich vom Glück abhängig machen? Dann spiel lieber gleich Lotto.
Der Hintergrund einer Strategie ist, dass sie drei wesentliche Kernpunkte berücksichtigt: Wann kaufst und verkaufst du eine Aktie? Wie groß darf eine Position sein und wie lang willst du sie halten? Was tust du, wenn deine Erwartungen nicht erfüllt werden und du einen Fehler gemacht hast?
Wann eine Aktie kaufen?
Zur Frage nach dem Wann nutze ich gern einen ganz einfachen Ansatz, der sich nicht am Preis der Aktie sondern am Kalender orientiert. Wer angestellt ist und jeden Monat zum 15. sein Gehalt erhält, würde dann immer am 16. des Monats eine Aktie mit dem festgelegten Sparbeitrag erwerben.
Der Verkauf ist dann abhängig von bestimmten Regeln, die etwas später erläutert werden.
Wie groß darf die Position sein?
Im Gegensatz zu anderen Aussagen finde ich zu viele Positionen eher störend und würde mich bei Aktien vor allem am Anfang auf maximal 10 Unternehmen konzentrieren. Das heißt, bei einer Anlagesumme von 10.000 Euro würden 1.000 Euro in jede Aktie investiert werden.
Später kannst du dann mit den nächsten Sparbeträgen weitere Aktien ergänzen oder vorhandene Unternehmen schrittweise nachkaufen. Wichtig ist hier, dass ich nicht vom Nachkaufen „weil es gerade billig ist“ spreche, sondern vom vorab geplanten Kauf auf Raten.
Im Beispiel würde ich zum Beispiel nicht die 1.000 Euro sofort investieren sondern auf zwei Käufe verteilen. Dann ist das von vornherein so geplant — und kann auch bedeuten, dass der Kurs beim zweiten Kauf höher steht als beim ersten.
Einfache Anlagestrategie mit 3 Regeln
Wenn du die vorab besprochenen Punkte für dich gekläert hast, dann bist du gegenüber 90 Prozent aller anderen Aktienanleger schon einmal im Vorteil.
Weitere Kernpunkte sind: Du berücksichtigst sowohl einen Gewinn als auch einen möglichen Verlust. Du kennst die Gefahr und weißt, dass du im Falle einer Fehlinvestition nicht gleich mit dem Gesicht zur Wand stehst und handlungsunfähig bist. Du hast ein Ziel, zu dem dich die Strategie oder der „Plan“ führen soll.
Die Anlagestrategie ist vom Kaufzeitpunkt einer Aktie unabhängig. Grundsätzlich besteht die Annahme, dass Aktien immer gekauft werden können. Wichtig ist hingegen, dass der Ausstiegszeitpunkt geregelt ist. Das Problem: Häufig werden Gewinne zu früh mitgenommen und Verluste ausgesessen.
Meine Strategie definiert deshalb nur drei einfache Bedingungen, die eine Handlung oder Transaktion erfordern:
- Der Aktienkurs hat sich verdoppelt: Verkauf der halben Position. Es wird der Einsatz für neue Investitionen aus dem Spiel genommen, der Gewinn partizipiert weiterhin an der Kursentwicklung.
- Der Aktienkurs hat sich halbiert: Verkauf der gesamten Position. Wir wollen keine Verlierer-Aktien im Depot. Der Einsatz wird aus dem Spiel genommen und steht für neue Investments zur Verfügung.
- Die Haltedauer ist überschritten: Eine Aktie soll nach dem Kauf 10 Jahre gehalten werden. Ist dieser Zeitraum überschritten, kann der Wert verkauft werden. Das freie Kapital lässt sich in aussichtsreichere Unternehmen investieren.
Gedanken hinter dieser Strategie?
Grundsätzlich soll Wertpapieren genügend Raum für Kursschwankungen eingeräumt werden. Aktien sind kein Festgeld, das muss man berücksichtigen. Zu enge Stoppkurse werden meist frühzeitig ausgelöst und erzeugen hohe Transaktionskosten. Die Mindesthaltedauer soll verhindern, dass der ungeduldige Investor durch ständiges Umschichten hohe Transaktionskosten bezahlt und seine Gewinnchance frühzeitig verspielt.
Gewinner sollen im Depot bleiben. Wenn sich eine Aktie verdoppelt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Wert auch in Zukunft weiterhin steigt. Gleichzeitig soll aber auch vermieden werden, dass Kursgewinne wieder abgegeben werden und der Einsatz zu lange gebunden ist. Wir nehmen also den Einsatz also so schnell wie möglich aus dem Spiel. Dadurch wird Kapital für neue Investments frei, ohne sich von guten Wertpapieren trennen zu müssen.
Nicht am falschen Pferd festhalten. Verlierer gibt es immer. Diese Akten sollen aber nicht langfristig im Depot bleiben. Werden Verluste nie realisiert, sammeln sich nach einer Weile automatisch die Verlierer im Depot. Hier muss man also irgendwann die Notbremse ziehen und schlechte Werte aussortieren. Auf diese Weise wird das Kapital wieder frei für aussichtsreichere Investments, die eine höhere Rendite versprechen.
Starke Dividenden-Aktien nie verkaufen
Klassische Dividenden-Investoren werden vielleicht aufschreien, dass sie ihre Cash-Kühe gern ewig im Depot halten wollen. Meine Strategie macht diesen Wunsch auch möglich. Dividenden werden also in der Kursentwicklung berücksichtigt. Kauft man also McDonalds für 70 Euro und erhält jedes Jahr 2 Euro Dividende, reduziert diese den Kaufkurs. Die Investition fließt also regelmäßig in kleinen Stücken zurück.
Nach 10 Jahren wäre der Einstandskurs bei konstanter Dividende nur noch 50 Euro, weil insgesamt 10 mal 2 Euro = 20 Euro ausgeschüttet wurden. Um einen Verkauf auszulösen, muss der Kurs also entweder schneller fallen, als die Dividende den Wert reduziert — in diesem Beispiel letztendlich auf 25 Euro. Oder der Kurs muss innerhalb von 10 Jahren auf 100 Euro steigen, um einen Verkauf der halben Position als Gewinnmitnahme auszulösen.
Im Ergebnis sorgt die Strategie dafür, dass Gewinner-Positionen langfristig aufgebaut werden, denn nur Verlierer werden vollständig verkauft. Das eingesetzte Kapital wird spätestens nach 10 Jahren wieder frei.
Bei Kursrückschlägen niemals nachkaufen
Wer die Strategie durchdenkt, wird sich fragen, ob es nicht Sinn macht, die Kursverlierer günstiger nachzukaufen? Meine Antwort dazu lautet eindeutig: Nein! Der Grund ist, dass unser Geld nicht in Aktien gebunden werden soll, die eine schlechte Rendite aufweisen.
Wenn der Kurs kurzfristig sinkt und dann wieder steigt, ist das zwar theoretisch eine verpasste Chance, die Rendite zusätzlich zu steigern. Allerdings bist du grundsätzlich noch immer voll im Plan. Wenn der Kurs aber wider erwarten dann nach tiefer sinkt, hätte ich das Problem, nicht nur die Erstinvestition verloren zu haben, sondern zusätzliches Geld, das in anderen Aktien besser investiert gewesen wäre.
Ein Kauf, nur weil eine Aktie fällt, ist damit ausgeschlossen. Der einzige Grund für einen Nachkauf ist, dass dieser von Anfang an geplant war.
Die Empfehlung lautet klar: So lang es noch gute alternative Investments gibt, wird kein zweiter Kauf in ein Unternehmen getätigt, dass sich schon im Depot befindet. Auf diesem Weg wird das Investitionskapital stetig auf vielversprechende Kandidaten verteilt.
Der Plan B: Notfälle gibt es immer
Auch wenn es nicht vorkommen sollte: Notfälle gibt es bei den besten Investoren. Was ist, wenn ich kurzfristig Aktien verkaufen muss, weil ich Geld benötige? Welche Aktien sollte man dann am Besten wählen? Womöglich Gewinne doch frühzeitig realisieren?
Die Antwort lautet: Im Ernstfall immer die schlechtesten Wertpapiere verkaufen. Egal wie hoch der Verlust ist! Denn nur so kann man überhaupt gewährleisten, dass das Aktiendepot langfristig noch eine Chance hat — weil es die stärksten Unternehmen hält!
Dadurch, dass ich systematisch nur die Verlierer verkaufe, verbleiben im Depot langfristig nur die starken Unternehmen. Würde ich jedoch die Gewinner abstoßen und an den Verlierern festhalten, bestünde langfristig die Gefahr, dass ich mir einen Korb voller schlechter Aktien zusammengesammelt habe, während ich den Gewinnern hinterher laufe.
Fazit
Die Strategie mag für einige zu simpel wirken. Allerding ist nach meiner Erfahrung der Erfolg einer Strategie nicht in der Komplexität begründet sondern darin, wie man sie langfristig auch durchhalten kann. Für komplexere Strategien nutze ich hingegen den Optionshandel, der sich jedoch für die meisten Anleger deutlich zu aufwändig gestaltet.
Mit dieser vorgestellten Strategie ist es jedem Anleger möglich, langfristig ein nachhaltiges Depot aufzubauen — egal für welche Unternehmen er sich letztendlich entscheidet. Die Selektion erfolgt erst im Laufe der Zeit, wenn sich Gewinner und Verlierer heraus kristallisieren.
Ich finde, es ist wichtig zu akzeptieren, dass niemand zukünftige Kurse vorhersehen kann. Auch weiß niemand, wie sich ein Unternehmen in den nächsten Jahren entwickeln wird — allein schon deshalb nicht, weil man als Investor immer nur von Außen auf die erfolgten Entscheidungen blickt, aber fast nie direkt in die Entscheidungsfindung einbezogen ist.
Dieser Artikel wurde erstmals 2012 veröffentlicht und grundlegend überarbeitet.



