Hyundai Motors New Santa Fe
Hyundai Motors New Santa Fe

Den Anfang meiner Investment-Historie als Kleinaktionär habe ich damals mit dem südkoreanische Autobauer Hyundai Motor Company (WKN: 885166) gemacht. Obgleich die Aktien-Auswahl damals alles andere als systematisch verlief, hat mich dieser Kauf doch viel über die Börse gelehrt. Nachfolgend werde ich kurz die Hintergründe zur Auswahl erklären und meine größten Fehler dokumentieren. Zum Schluss folgt eine kurze Analyse und meine Beweggründe, warum ich das Unternehmen seit nunmehr 7 Jahren in meinem Aktiendepot halte. Schritt für Schritt werde ich auch alle anderen Werte meines Aktiendepots vorstellen.

Die Hyundai Motor Company

Hyundai Motors ist der größte Autohersteller Südkoreas, der dort einen Marktanteil von über 50 Prozent verzeichnet. Weltweit findet sich Hyundai nach Stückzahlen hinter VW, Toyota und General Motors auf Rang 4 Gleichzeitig gehört zum Unternehmen die kleine Tochter KIA Motors, die überwiegend das Niedrigpreis-Segment bedient. Mit der Marktstellung in Südkorea würde ich Hyundai Motor am ehesten mit dem deutschen Hersteller Volkswagen vergleichen, der im Heimatland Deutschland ebenfalls eine marktbeherrschende Stellung vorweist.

In den vergangenen 10 Jahren hat sich Hyundai stetig verbessert und vor allem die Produktpalette systematisch aufpoliert. Waren zu Beginn die koreanischen Modelle zugegeben vor allem optisch grenzwertig, hat sich das Unternehmen mit einer bedingungslosen Ausrichtung an den Zielmärkten deutlich weiterentwickelt. So hat man für den deutschen Markt ein eigenes Designzentrum in Deutschland eröffnet, für das nun auch ehemalige Top-Designer von Audi arbeiten. Auch technologisch arbeitet man eng mit deutschen Entwicklern zusammen und wirbt auch aktiv um Ingenieure deutscher Autobauer.


Quelle: Hyundai Motors

Über Werke verfügt Hyundai auf allen Kontinenten in den USA, Osteuropa, Russland, China und Südkorea. Damit sind Währungsrisiken relativ gering und man ist bei der Produktion nah am Zielmarkt, was auch die Kosten für Transport und Logistik verringert.

Finanziell konnte Hyundai die vergangenen Jahre mehr als Überzeugen. Während der letzten Krise um 2007 konnte Hyundai mit stabilen Einnahmen und stetig steigenden Verkäufen glänzen. Die Konkurrenz kämpfte mit Auftragsschwund und rückgängigen Verkaufszahlen bei hohen Verlusten — Hyundai wuchs und erkämpfte sich in den USA und Europa Schritt für Schritt einen größeren Marktanteil. Dabei dürfte nicht zuletzt auch die Abwrackprämie in Deutschland geholfen haben.


Quelle: Hyundai Motors

Die Auswahlkriterien für Hyundai Motor

Wie habe ich damals die Auswahl für Hyundai getroffen? Welche Kriterien waren für mich wichtig? Zugegebenermaßen war ich 2006 noch recht blauäugig und wusste mir nur bedingt zu helfen. Der erste Schritt war für mich die Chartanalyse und darauf aufbauend vor allem die Theorie der Trendfolge. Hyundai war zu meinem ersten Einkauf auf einem Allzeithoch und ich hatte mir vorgenommen, diesem Trend einfach zu folgen. Entdeckt hatte ich den Wert, weil er in den Top-Listen mit den Top-Performern des Jahres 2005 ganz oben Stand. Also stieg ich zu knapp 17 Euro das erste Mal ein und konnte selbst spüren, was Euphorie wirklich bedeutet. Schnell schoss die Aktie auf 24 Euro und ich war über 40 Prozent im Plus. Die Dollar-Zeichen leuchteten in meinen Augen!

Doch dann kam der erste Rücksetzer. Der Kurs fiel wieder spürbar. Ich hatte mit zu diesem Zeitpunkt bereits ausgerechnet, wie viel mehr Geld ich gewonnen hätte, wenn ich einen höheren Betrag investiert hätte. Also kaufte ich das Erste mal zu rund 20 Euro nach. Es zeigte sich, dass ich richtig lag und der Kurs schoss wieder nach oben. Bei 24 Euro beim Durchbruch durch das letzte Allzeithoch kaufte ich ein drittes Mal und war dabei, wie der Kurs bis auf 28 Euro hinauf schoss. Was für ein Gefühl! Es schien keine Grenzen zu geben! Zu diesen Zeitpunkt war ich praktisch zu 100 Prozent mit meinem ganzen bescheidenen Vermögen in diesem einzigen Wert investiert.

Glücksgefühle und Schock-Therapie eines Kleinanlegers

Es kam, was früher oder später kommen musste. Bei 28 Euro war Schluss. Der Kurs sackte ein. Der nächste Rücksetzer folgte. Schnell schmolz mein Gewinn zusammen und binnen kürzester Zeit war ich unterhalb meines mittleren Einstandskurses von knapp 22 Euro. Innerhalb eines Jahres erlebte ich einen Aufstieg von 14 Euro auf 28 Euro. Nur 12 Monate später war der Kurs wieder bei 18 Euro und ich mit meiner Investition im Minus. Meine psychisch gesetzten Ausstiegskurse korrigierte ich Schritt für Schritt nach unten. Mit jedem Durchbruch einer Unterstützung fand ich mit hilfe der Chart-Analyse eine weitere Unterstützung, die niedriger lag. Wenn diese durchbrochen würde, ja DANN werde ich verkaufen!

Während meiner gesamten Haltephase begann ich, mich auch fundamental mit dem Unternehmen zu beschäftigen. Ich suchte nach Gründen für den Kursrückgang und stellte fest, dass der Automobil-Markt allgemein im Umbruch war. Während andere Hersteller jedoch mit Rekordverlusten glänzen und Koriphäen wie General Motors vollständig pleite gingen, fanden sich bei Hyundai Motor nie vergleichbare Meldungen. Das Unternehmen verkündete einen Rekord-Gewinn nach dem anderen. Doch der Kurs fiel und fiel. Also was tun? Alles mit Verlust verkaufen und zu einem niedrigeren Kurs einsteigen oder Halten und auf bessere Zeiten warten?

Ich entschied mich zu halten. Meine Investitionssumme war zu gering, um durch Trading an meinen Kursen viel zu optimieren. Insgesamt war ich mit weniger als 2.000 Euro investiert — eine stattliche Summe für einen damaligen Studenten! Vor allem, wenn man mit ansehen musste, wie das Geld jeden Tag weniger wurde.

Geduldsspiele und Schmerz-Toleranz

Wie also weiter vorgehen? Nachkaufen? Die Kurse waren offensichtlich SPOTT BILLIG! Dennoch entschied ich mich dagegen. Was war, wenn ich falsch lag? Ich wollte und konnte nicht noch mehr Geld in diesen Hersteller investieren. Zu häufig hatte ich mittlerweile gelesen, dass man nicht alles auf eine Karte setzen sollte. Außerdem waren ja auch andere Aktien günstig. Und wirklich liquide Mittel hatte ich aber auch nicht mehr. Zudem setzte ich mir endlich persönliche Regeln und entschied meine Haltefrist auf 10 Jahre festzulegen. Innerhalb dieser zeit sollte es doch möglich sein, dass sich die Aktie mindestens verdoppelte – was dann einer persönlichen Rendite von 9 Prozent pro Jahr entspricht.

Anfang 2009 war schließlich der Tiefstkurs erreicht. Mein Vermögen war auf ganze 200 Euro geschrumpft. Ich hatte einen Buchverlust von über 80 Prozent vor mir. Allein der Glaube, dass es wieder hoch gehen würde, rettete mich. Freunde empfahlen mir doch endlich zu verkaufen. Es ging ja doch immer tiefer! Jedoch erweisen sich die Zahlen weiterhin als glänzend! Die Verkäufe stiegen, der Gewinn wuchs und die Autos wurden ebenfalls jedes Jahr besser.

Schließlich kam die Belohnung. 2010 war der Wert bereits wieder auf über 12 Euro geklettert. Meine Investition hatte sich binnen 12 Monaten vervierfacht. Ich lag also doch richtig! Meine Augen begannen wieder zu leuchten!

Auch fundamental lief alles bestens. Hyundai glänzte noch immer mit Rekordzahlen. Der blick auf den Börsenkurs an der Heimatbörse gab mir recht. Dort war das letzte Allzeithoch bei 100.000 südkoreanischen Won bereits wieder in greifbarer Nähe. Mittlerweile steht Hyundai an der Börse in Südkorea bei über 230.000 Won.

Meine persönliche Lehre aus diesem Investment

Die Chart-Technik ist ein Wunder, kann man mit ihr doch jede Entscheidung nachträglich grafisch begründen! Grundsätzlich habe ich bei diesem Kauf zwei wesentliche Fehler gemacht: Der erste Fehler bestand darin, dass ich keine Strategie hatte. Ich war optimistisch eingestiegen und erfreute mich am Gewinn. Doch gleichzeitig machte ich den zweiten Fehler, blind zu höheren Kursen nachzukaufen, ohne mir über den Ausstieg wirklich klar zu werden. Stattdessen suchte ich nach immer neuen Gründen, warum ich nicht verkaufen müsste. Die Chart-Technik ist ein Wunder, kann man mit ihr doch jede Entscheidung nachträglich grafisch begründen! Zuletzt lernte ich, wie stark sich Wechselkurse tatsächlich auf eine Investition auswirken können. Während Hyundai an der Heimatbörse bereits bei über 200.000 Won notiert und damit den letzten Höchtskurs von 2006 mehr als verdoppelt hat, notiert der Euro-Kurs noch immer unter dem letzten Allzeithoch.

Mittlerweile habe ich meine Anlage-Strategie für mein Aktiendepot entsprechend korrigiert. Ich lege zuvor die Summe für den Kauf fest und definiere mir, wann und wie oft ich nachkaufen werde. Die Haltedauer lege ich bei jedem Kauf auf 10 Jahre fest. Während dieser Zeit werden keine Handlungen aufgrund der Kursentwicklung vorgenommen.

Es besteht nur eine einzige Ausstiegs-Regel innerhalb der 10 Jahre: Wenn ich doch kurzfristig Geld benötige (was natürlich nicht sein sollte), verkaufe ich den Wert, der sich am schlechtesten Entwickelt hat und das größte Minus aufweist. Warum? Durch diese Regel will ich vermeiden, dass ich unbewusst bei den „Volltreffern“ zu früh aussteige und am Ende nur noch Verlierer im Depot halte. Ich bin mir bewusst, dass nicht jede Auswahl zum Erfolg werden kann. Doch die Chance, dass eine Auswahl erfolgreich wird, ist eher bei den Werten gegeben, die sich auch positiv entwickeln, als bei denen, die durch Verluste glänzen.

Die Schwächen meiner Strategie sind mir derzeit bewusst: Ich weiß noch nicht, was ich tun werde, wenn die 10 Jahre wirklich vergangen sind. Und die Auswahl meiner Aktien erfolgt derzeit noch extrem willkürlich und wenig objektiv. Diese beiden Probleme werde ich in weiteren Blog-Posts noch genauer aufgreifen.

9 KOMMENTARE

  1. Interessante Analyse. Ich persönlich neige eher dazu, bei niedrigeren Kursen „blind nachzukaufen“.

    Bin übrigens drei Tage lang mit einem KIA Optima (Leihwagen) unterwegs gewesen und war sehr zufrieden. Und bei einem Kolumbien-Aufenthalt habe ich festgestellt, dass Hyundai dort bei Kleinwagen absolut dominant ist.

    • Hi Peter, genau das „blind nachkaufen“ gilt es zu vermeiden, sowohl bei steigenden als auch bei fallenden Kursen. Die Investitionssumme muss schon vorher gesetzt sein. Ob man dann in mehreren Schritten einsteigt oder auf einmal, ist dann persönliche Wahl. Ich hatte bei Hyundai den Fehler gemacht und mir diesen Anteil vorher nicht überlegt. Deshalb ist der Wert noch heute die größte Einzelposition im Depot.

      Insbesondere deine Erfahrung in Kolumbien decken sich auch mit meinen Eindrücken in Asien. Dort ist Hyundai überall extrem stark vertreten!

  2. Nach 7 Jahren im Depot solltest du eigentlich schon wissen, daß sich das Wertpapier daß du im Depot hast, nicht auf die 230000Won-Aktie bezieht von der du schreibst.

    • Ich habe mir das noch nie genau hergeleitet. Der Won-Chart ist nur eine Orientierung, um die Währungsschwankungen besser verdeutlichen zu können. Offen gestanden mag ich die ADR-Geschichten auch nicht, weil sie mir nur wenig transparent erscheinen. Bisher bin ich damit dennoch ganz zufrieden. Auf welche Aktie bezieht sich mein Wertpapier denn deiner Meinung nach?

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