Warum niemand immer den Markt schlagen kann und weshalb dir das egal sein sollte

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Kennst du auch die folgende These? „99 Prozent der Fonds-Manager schaffen es nicht, den Markt langfristig zu schlagen!“ Aber hast du dich schon mal ernsthaft gefragt, warum das so ist? Sind Fondsmanager ihr Geld etwa nicht wert? Was ist, wenn dich diese Performance-Vergleiche sogar vom Erfolg bei der Vermögensbildung abhalten? Die folgenden Zeilen werden dir eine ganz andere Wahrheit offenbaren.

Was ist überhaupt „der Markt“?

Fragen wir uns zuerst einmal, was „der Markt“ eigentlich ist? Der Markt ist auch bekannt als Aktienmarkt oder Finanzmarkt und beschreibt die Menge aller Teilnehmer, die auf diesem Markt Aktien kaufen oder verkaufen. Rein logisch lässt sich dieser Markt also schon mal gar nicht schlagen.

Andere Aussagen meinen etwas konkreter aber einen Markt-Index oder auch einen Benchmark. Damit wird ein Warenkorb gemeint, der alle Aktien des Marktes enthält und diese nach bestimmten Kriterien gewichtet. Die Theorie sagt, dass man am besten abschneidet, wenn man einfach „alle Früchte“ in seinen Obstkorb legt. Da wird man sicher ein paar faule Äpfel dabei haben, im durchschnitt sollte der Korb aber eine sehr gute Qualität erreichen.

Übertragen auf Aktienindizes, die den Markt abbilden, heißt das: Wer einfach alle Aktien kauft, hat automatisch auch die Gewinner im Depot.

Da Aktien sich nun beliebig vervielfachen können, aber nur maximal wertlos werden können, ergibt sich zwangsläufig das Bild, dass die Gewinner die Verluste der schlechten Unternehmen ausgleichen.

Tatsächlich gibt es „den Markt“ aber gar nicht. Wer sich genauer umschaut, wird erkennen, dass es ganz schön viele Indizes gibt, die einen ganz bestimmten Markt abbilden, aber nicht den Markt! Typische Indizes sind der S&P 500, der die 500 größten amerikanischen Unternehmen enthält, oder der MSCI World, der die größten Unternehmen der Welt in einem Korb vereinigt. Zusätzlich gibt es noch Indizes für die größten asiatischen Unternehmen, die besten Dividenden-Zahler, die „nettesten“ Unternehmen oder die „ältesten“ Unternehmen und viele mehr.

Welcher „Markt“ soll also überhaupt geschlagen werden?

3 unfaire Vorteile der Indizes

Unabhängig von der Frage, welcher Markt abgebildet wird, haben Indizes durch ihre Konstruktion drei weitere entscheidende Vorteile. Das Problem: Du wirst von ihnen praktisch nicht profitieren können. Wer diese Vorteile versteht, dem wird auch einleuchten, warum man einen Marktindex nur schwer schlagen kann.

Transaktionskosten und Gebühren

In einem Index fallen erst einmal keine Transaktionskosten für den Kauf oder Verkauf von Wertpapieren an. Wer in der Realität diesen Index abbilden will, muss auch Wertpapiere handeln und hat damit kosten, die sich negativ auf die Performance auswirken. Man ist also zwangsläufig um die Transaktionskosten im Nachteil.

Fondsanbieter zweigen von ihren Index-Fonds zudem laufende Gebühren ab, selbst wenn sie noch so klein sind. Dadurch kann ein Anleger auch in diesem Fall keine bessere Rendite erreichen.

Steuern

In einem Index werden keine Steuern erfasst. Da viele Aktien aber Dividenden ausschütten, fallen schon an in diesem Punkt Steuern an, die ein Performance-Index nicht hat. Ein Kursindex berücksichtigt Dividenden hingegen nicht, sodass hier dieser Unterschied nicht zum Tragen kommt. So ist der Dow Jones zum Beispiel ein Kursindex, während der DAX ein Performance-Index darstellt.

Auswahlkriterien der Unternehmen

Tatsächlich gibt es keinen Index, der alle Unternehmen erfasst. Stattdessen sind Indizes immer eine Aktienauswahl nach bestimmten Kriterien (zum Beispiel Marktkapitalisierung oder Region). Diese Kriterien sind aber vollkommen beliebig!

Warum sollte sich also gerade dein Depot mit einer beliebigen Aktienauswahl messen müssen? Sind die Auswahlkriterien überhaupt relevant für deine Anlageziele? Viele Indizes haben als Ziel die Vermögensverteilung und nicht die Vermögensbildung.

Wenn du aber — wie ich — dir ein passives Einkommen aufbauen möchtest und dafür sparen und investieren willst, dann hast du höchstwahrscheinlich noch kein ausreichendes Vermögen. Sonst wärst du schließlich nicht hier? Tatsächlich sind die Kriterien für Vermögensbilder vollkommen verschieden von denen für Vermögensverteiler. Letztere wollen ihre Kaufkraft erhalten, während wir möglichst schnell ein Vermögen aufbauen wollen.

Warum dir „der Markt“ egal sein kann

Ich habe bereits angedeutet, dass klassische Performance-Vergleiche und Indizes überhaupt nicht zielführend sind, weil sie auf die Vermögensverteilung ausgerichtet sind. Ihr Ziel ist es, für Fondsmanager ein Maß zu schaffen, an dem sie ihre Performance messen können. Warum wollen Sie das? Um ihre Gebühren rechtfertigen zu können!

Dass Fondsmanager nicht einmal ihren selbst gewählten Vergleichsindex schlagen können, wird nach diesem Beitrag hoffentlich klar. Wichtig ist hier die Sicht nach Kosten!

Wenn du nun ein eigenes Depot aufbaust mit eigenen Aktien aufbaust, warum solltest du dich an einem Index orientieren?

Bedenke, dass der Vergleich immer vergangenheitsbezogen ist und keine Rückschlüsse auf die zukünftige Performance zulässt. (Das sagen die Fondsverkäufer sogar selbst!) Wenn du im letzten Jahr schlechter als der Index warst, was nützt dir diese Erkenntnis heute?

Fazit

Konzentriere dich bei deinen Investitionsentscheidungen auf deine Ziele und nicht auf die Ziele anderer. Wenn du ein Vermögen aufbauen willst, dann überlege dir bei jeder Entscheidung, wie wahrscheinlich du dein Ziel damit erreichst.

Verinnerliche, dass Investitionen keine 100-Prozent-Richtig-Entscheidungen sein können. Es gibt keine garantierten Ergebnisse. Jede Aktienauswahl kann gut sein oder schlecht. Du kannst dich nur vorher genug informieren, um die Wahrscheinlichkeit für eine gute Auswahl zu erhöhen. Selbst dann kann es aber immer noch vorkommen, dass der Markt gegen dich läuft.

Vermögensaufbau ist kein Zustand sondern ein Prozess. Mit jeder Entscheidung, mit jedem Monat wirst du neues lernen, das deine Investment-Entscheidungen verbessert. Indizes verraten dir (vielleicht) etwas über die allgemeine Stimmung am Markt, aber sie verraten dir nicht, ob du „gut“ oder „schlecht“ bist. Das weißt du erst, wenn du dich selbst fragst, ob du deinem Ziel wieder ein Stück näher gekommen bist.

5 KOMMENTARE

  1. klasse Artikel. Ich vergleiche mein Aktiendepot zwar auch mit einigen Benchmarks, aber grundsätzlich ist das für mich eher zweitrangig. Außerdem sieht das Chartbild immer besser aus, je länger der Zeitraum ist! Aber wie bereits erwähnt:für mich ist es auch wichtiger Ein Ziel und eine Strategie zu haben, beides zu verfolgen und kontrollieren, ob man auf dem richtigem Weg ist.

  2. Hallo Rico, das mit den Fondsmanager Gebühren würde ich nicht so überbewerten, da man seit geraumer Zeit sich mindestens die Hälfte der Gebühren über die Kickbacks zurück holen kann. Die Streuung, die meine Fondsmanager mit meinen (mindestens fünf) Fonds erreichen können, sind mit einem selbst gemanagten Aktienfonds nicht zu bewerkstelligen, keine Chance bei so vielen Titeln. Andererseits ist ein Depot mit ausgesuchten selbst gemanagten Titeln auf jeden Fall zusätzlich zu empfehlen. Wer auf Index Tracker steht, kann das ja auch noch tun aber Vermögensbildung gelingt nur durch regelmäßiges Besparen der Depots sonst ist alles nur, wie du schon bemerktest, Vermögensverteilung (falls man überhaupt schon Vermögen besitzt, was die wenigsten behaupten können).

    • ich meine natürlich nicht „mit einem selbst gemanagten Aktienfonds“ sondern „mit einem selbst gemanagten Aktiendepot“

      • Also ich sehe den Vorteil nicht, so weit zu streuen. Damit reduzierst du zwar die Gefahr, dass ein Unternehmen pleite geht, aber die Auswirkung sind selbst bei 10 Aktien schon minimal.

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