Optionsstrategie: Ergebnisse und Einnahmen im September

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Auswertung Optionsstrategie
Auswertung Optionsstrategie

Heute möchte ich den vorerst letzten Report zur laufenden Optionsstrategie präsentieren und ein Fazit ziehen. Im September konnte ich insgesamt Einnahmen von 486 USD aus Optionsprämien und Dividenden generieren. Denoch weißt das Depot derzeit einen Verlust von über 1.400 USD aus, fast 15 Prozent seit Beginn der Strategie Anfang des Jahres. Doch wie muss man dieses Ergebnis interpretieren?

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Zwischenfazit

Gleich zu Beginn möchte ich ein Zwischenfazit ziehen. Die Bewertung der erzielten Rendite hängt vom Vergleichsmaßstab ab. Minus 15 Prozent seit Jahresanfang mag für den einen sehr schlecht klingen, für die anderen hingegen recht angenehm.

Optionsstrategie: Depotübersicht 30. September 2015
Optionsstrategie: Depotübersicht 30. September 2015

Was ist denn seitdem am Markt passiert? Der S&P 500 hat seit Anfang des Jahres 3,75 Prozent verloren, der EuroStoxx 50 hat seit Jahresanfang knapp 2 Prozent gewonnen. Der MSCI World hat hingegen fast 6 Prozent abgegeben.

Betrachtet man die einzelnen Werte im Depot ergibt sich ein anderes Bild: BP fast 10 Prozent abwärts, Deutsche Post über 20 Prozent runter, General Electric fast 3,5 Prozent rauf, HSBC 13,8 Prozent runter, Microsoft unverändert, Oracle fast 17 Prozent runter, RR Donnelley fast 9 Prozent runter, RWE über 60 Prozent runter, AT & T über 1 Prozent rauf, Altria 15 Prozent rauf, GlaxoSmithKline fast 4 Prozent runter.

Eine direkte Investition in alle Werte zu jeweils gleichen Teilen hätte ein Ergebnis von etwa Minus 11 Prozent bewirkt.

Doch was sagt die Realität? Ich hatte RWE deutlich übergewichtet, ich hatte BP deutlich übergewichtet, ich hatte HSBC deutlich übergewichtet und ich hatte RRD deutlich höher Gewichtet. Nur diese Werte hätten die Performance auf einen Verlust von 25 Prozent gedrückt.

Fazit: Am Ende fällt ein Vergleich schwer. Betrachten wir uns aber die Verluste aus Aktiengeschäften von rund 3.200 USD und die Einnahmen aus Optionsprämien von rund 1.500 USD müssen wir zumindest anerkennen, dass die Prämien fast die Hälfte der Verluste ausgeglichen haben.

Vorteile der Strategie

Prinzipiell bestand die Strategie aus 2 relativ einfachen Schritten:

  1. Verkauf von Put-Optionen beim aktuellen Aktienkurs mit einer Laufzeit von einem Monat bis die Aktie unter den Strike fällt und im Depot eingebucht wird.
  2. Verkauf von Call-Optionen beim aktuellen Aktienkurs mit einer Laufzeit von einem Monat bis die Aktie über den Strike steigt und aus dem Depot ausgebucht wird.

Dadurch können regelmäßig Optionsprämien eingenommen werden. So werden die Aktien effektiv zu günstigen Kursen erworben. Auch der Call-Verkauf beschert ein regelmäßiges Einkommen bis die Aktie wieder ausgebucht wird. Man ist nicht auf die Dividendenpolitik der Unternehmen angewiesen.

Theoretisch sind bei Laufzeiten von einem Monat für Optionen beim aktuellen Kurs Prämien von 1 bis 3 Prozent möglich. Aufs Jahr gerechnet wären damit Renditen von über 40 Prozent umsetzbar. Gemessen am Marktdurchschnitt wäre eine Überperformance also recht wahrscheinlich.

Nachteile der Strategie

Nun zeigt der Blick auf die Performance aber ein vollkommen anderes Bild: Von 40 Prozent Rendite sind wir weit entfernt. Tatsächlich sitzen wir auf Verlusten, die kaum von der Marktentwicklung abweichen.

Woran liegt das?

Einmal hat die Strategie den Nachteil, dass Kurszuwächse von Aktien gekappt werden. Es ist immer nur die Einnahme der Optionsprämie möglich, aber nicht mehr. Gleichzeitig nehmen wir aber die Verluste der Aktien vollständig mit. Hier kann die eingenommene Prämie nur sehr beschränkt dämpfen, wenn der Kurs in einem Monat um 5 Prozent oder sogar deutlich mehr fällt.

Aus dieser Beziehung ergibt sich eine negative Verschiebung zum Nachteil des Optionsverkäufers, die sich in einem fallenden Markt recht negativ auf die Performance auswirkt, wenn die Regeln zur Verlustbegrenzung sehr weich sind.

In jedem Fall bleibt die Erkenntnis, dass auch in der Welt der Optionen neben vielen Chance auch Risiken bestehen. Was den Reiz jedoch ausmacht, ist die Möglichkeit, das Verhältnis zwischen Chance und Risiko vollständig frei zu wählen.

Bei keiner anderen Strategie lassen sich diese Punkte so spezifisch definieren und festlegen.

Positionsübersicht

Wenn wir einen Blick auf einzelne Positionen werfen, lassen sich die genannten Vorteile und Nachteile ablesen. Zum Beispiel habe ich BP erstmals zum Kurs über 40 Dollar im Rahmen der Strategie gekauft. Mittlerweile wurden die Aktien zweitweise unter 30 Dollar gehandelt, was einem Verlust von fast 25 Prozent entspricht. Im Rahmen der Strategie beträgt der realisierte Verlust aber nicht über 1.000 USD sondern nur 375 USD, was zum großen Teil den Prämien und Dividenden zuzuschreiben ist.

Optionsstrategie: Positionsübersicht 30. September 2015
Optionsstrategie: Positionsübersicht 30. September 2015

Blicken wir auf AT&T handelten die Aktien zur Eröffnung der Strategie Ende 2014 um 34 USD und sind derzeit mit rund 32 USD leicht im Kurs gefallen. Dennoch konnte ich in diesem Jahr einen Gewinn von 562 USD realisieren.

Bei HSBC haben sich die Prämien zwiespältig ausgewirkt — dort ist der Kurs von 45 USD auf fast 50 USD gestiegen, bevor er auf weniger als 38 USD abgesackt ist. Durch Call-Verkäufe hatte ich im April in der aufwärtsbewegung einen Verlust von 379 USD realisiert. Dadurch hat sich der Einstandskurs nachteilig verschoben, was sich in der anschließenden negativen Trendphase deutlich ausgewirkt hat. Ich habe die Position nun mit einem Verlust von 549 USD geschlossen — was fast dem realen Kursverlust entspricht.

Bei RWE hat die fehlende Verlustbegrenzung am meisten Zugeschlagen. Verkauft hatte ich erste Put-Optionen für 28 EUR verkauft, als der kurs noch über 30 EUR stand. Mittlerweile steht der Kurs bei 10 EUR. Ich hatte bei 18 EUR schließlich die Notbremse gezogen und damit 1.126 EUR Verlust realisiert. Auch hier haben die Prämien kaum geholfen. Bei so starken Verlusten darf man nicht zu lange zuschauen.

Letztendlich ließ sich das Ergebnis bequem um 1.000 EUR verlust reduzieren, wenn man eher die Notbremse gezogen hätte — allein mit RWE. Im Nachhinein ist diese Aussage jedoch immer einfach, weshalb ich mich darauf auch nicht berufen möchte.

Fazit zur Optionsstrategie

Nach einem Jahr praktischer Handelserfahrung möchte ich die beschriebene Optionsstrategie erst einmal zu den Akten legen. Der wohl größte Grund besteht aber in meiner Gesamtperformance, die im August einen gehörigen Dämpfer bekommen hat. Ich möchte daher freies Kapital erst einmal chancenreicheren Strategien zuführen.

Zum Zweiten muss ich erkennen, dass der Verkauf von Optionen am Geld nicht in jeder Phase sinnvoll ist. Aus diesem Grund war ich zur Jahresmitte ja schon auf langlaufende Optionen umgestiegen, die erst im Januar 2016 verfallen. Genau genommen entsprechen sie aber nicht mehr der Ausgangsstrategie.

Ich möchte hier also die Strategie nicht verfälschen und ziehe folglich einen Schlussstrich. Es fehlen:

  • Klare Regeln zur Verlustbegrenzung,
  • Regeln, wann die Strategie überhaupt angewandt werden darf und
  • Regeln, wann die Optionen nun tatsächlich verkauft werden sollen bzw.
  • ob und wann die Einbuchung von Aktien sinnvoll ist.

All diese Punkte hatte ich bisher nur mit Bauchgefühl reagiert, was natürlich langfristig kein sauberer Ansatz ist.

Ich gehe also zurück ans Reißbrett und überarbeite die Strategie für die Phase 2 mit genaueren Handlungsvorgaben und weniger Interpretationsfreiraum.

Optionen und Stillhalter

Dennoch erhoffe ich mir, dass ich mit der Dokumentation das Interesse für Stillhaltergeschäfte und Optionen wecken konnte. Ich habe dazu kürzlich eine kleine Artikelserie gestartet, die ich allen Interessierten ans Herz legen möchte.

In jedem Fall bleibt natürlich die Erkenntnis, dass auch in der Welt der Optionen neben vielen Chance auch Risiken bestehen. Was den Reiz jedoch ausmacht, ist die Möglichkeit, das Verhältnis zwischen Chance und Risiko vollständig frei zu wählen.

Bei keiner anderen Strategie lassen sich diese Punkte so spezifisch definieren und festlegen.