Wenn man sich in der Welt der Finanzblogs so umsieht, dann gibt es eine Erkenntnis, die sich überall wiederholt: Vermögensaufbau kann nur langfristig erfolgen. Dann findet man die klassische Diskussion zum Zinseszins: Wer monatlich 100 Euro spart kann in 30 Jahren ganz einfach und nebenbei auf ein Vermögen von 100.000 Euro blicken (setze hier jede beliebige Zahl an — je nachdem, welcher Zins dir realistisch erscheint). Aber aufgepasst, jetzt kommt das Highlight: Denn um in 30 Jahren reich zu werden (wenn man sich mit 100.000 Euro wirklich so bezeichnen möchte) brauchst du überhaupt nichts zu tun! Ich frage: Glaubt du das wirklich?
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Die Antwort kommt direkt im gleichen Atemzug: Du solltest nämlich doch etwas tun — und das regelmäßig. Die Rede ist vom Sparen und Investieren. An diesem Punkt kann ich nicht widersprechen. Sparen ist die Grundlage für die Zukunft — doch ob Sparen auch zum Erfolg führt, hängt davon ab, was du mit den Ersparnissen anstellst.
Die wunderbare Welt der Finanzproduktverkäufer
Damit Vermögensaufbau nicht zu kompliziert wird, verbreitet die gesamte Finanzwelt und leider auch die gesamte Finanzblogger-Szene die neueste Erkenntnis der Finanzindustrie: Kaufe einfach alles! Natürlich sagt das niemand so. Stattdessen spricht man lieber vom „breit streuen“ oder vom „diversifzieren“ oder vom „nicht alle Eier in einen Korb legen“. Am besten geht das mit tollen ETFs wie dem MSCI World. Damit holst du dir auf einen Schlag die gesamte Weltwirtschaft in dein Depot und nimmst garantiert am wirtschaftlichen Aufschwung der nächsten 30 Jahre teil. Oder?
Hier kommt schon der erste Knackpunkt: Entwicklungsländer sind in diesem Index mit über 1.500 Aktien noch gar nicht enthalten. Dort finden sich im Wesentlichen nur Industriestaaten. Dafür braucht man den MSCI Emerging Market Index („Entwicklungsländer-Index“). Der enthält mit knapp 900 Aktien verschiedene Werte aus Südamerika, Asien und der Region EMEA (Europe, Middle East, Afrika).
Jetzt können wir also mit zwei ETFs die Welt abbilden, jeden Monat 100 Euro sparen und uns in der Rente auf ein kleines oder etwas größeres Vermögen freuen. Der Witz: Ob du dich für einen dieser Indizes entscheidest, für einen ganz anderen oder für beide — über einen Zeitraum von 30 Jahren werden die Unterschiede wahrscheinlich nicht zu groß werden. In einer Phase laufen die entwickelten Märkte besser und in einer anderen die Entwicklungsmärkte. Da die Finanzindustrie immer stärker vernetzt ist und immer schneller reagiert, gleichen sich auch Rendite-Unterschiede immer stärker an. Man sollte es sich mit der ETF-Auswahl also nicht zu schwer machen.
Wer sich etwas mehr Arbeit machen möchte, kann sich auch Dividenden-Aktien in sein Depot legen und sich damit ganz nebenbei ein passives Einkommen aufbauen. Alles was du dafür tun musst: Regelmäßig die stärksten Dividenden-Aktien zu kaufen. Also Aktien, die seit vielen Jahren eine beständige Dividende zahlen und regelmäßig Gewinne erwirtschaften. Von Unternehmen, die seit über 25 Jahren regelmäßig eine steigende Dividende ausschütten gibt es derzeit etwa 50 Stück. Jedoch solltest du dir über ihre Vorteile und Nachteile im Klaren sein.
Doch wie können wir mit 100 Euro Sparrate im Monat regelmäßig diese Aktien kaufen? Da bleibt nur eine Auswahl zu treffen — doch wie wählen wir am Besten aus? Was machen wir mit dem Fünftel der Unternehmen, die wieder aus der Liste herausfallen werden (In diesem Artikel wurden die Hintergründe sehr umfassend dargelegt.)?
Natürlich gibt es auch für diese Aufgabe Indizes — Dividenden-ETFs, die ausschließlich Aktien enthalten, die langfristig stabile Dividenden ausschütten.
Ein ETF (Exchange Traded Fund) löst offensichtlich wie durch Zauberhand all deine Probleme: Er wählt die passenden Aktien aus, er schmeisst die falschen Aktien heraus und er kostet fast nichts! — Jedenfalls die meisten ETFs, denn zwischen den ETFs gibt es ganz ordentliche Unterschiede in den Verwaltungskosten zwischen 0,1 Prozent und 1 Prozent pro Jahr. Sie werden im Laufe eines Jahres vom investieren Vermögen entnommen. Tatsächlich sprechen wir hier von einem Unterschied mit Faktor 10. Wer in 30 Jahren also 100.000 Euro investiert hat, zahlt entweder 100 Euro Verwaltungsgebühren im Jahr oder 1.000 Euro. Also aufpassen und gut vergleichen. — Schon wieder Arbeit. 😉
Nun soll das hier aber keine Diskussion um ETFs werden, die führen andere viel besser als ich. Auch den Einstieg in die Produktwelt der ETFs erleichtern dir Seiten wie der ETF-Blog auf sehr angenehme Weise — damit du dir dein Vermögen doch nebenbei aufbauen kannst.
In jedem Fall ist ein ETF ein Finanzprodukt, das wie damals die Kapitallebensversicherung einen Trend erfährt, dem unglaublich viele Leute hinterher laufen. Wie bei der Lebensversicherung scheint das Angebot gut zu sein, aber bitte vergiss niemals, wer dir das Produkt verkaufen möchte!
Investieren oder investieren lassen?
Auch wenn es niemand so sagt: Vermögen aufbauen ist harte Arbeit! Finanzmärkte bleiben nicht gleich. Chancen kommen und gehen. Vermögen aufbauen heißt, dass man von diesen Chancen profitiert. Vermögen aufbauen erfordert aktives investieren. Aber: Die besten Ergebnisse erzielt derjenige, der am Besten investiert.
Wenn du nebenbei Vermögen aufbaust, dann investierst du aber nicht, sondern du lässt investieren. Von daher kommt auch der Ausdruck von passivem Investieren. Tatsächlich gibt es das aber nicht. Oder kannst du passiv Auto fahren? Entweder du fährst das Auto oder du lässt es von jemandem Fahren. Wenn andere für dich investieren, heißt das aber auch, dass andere vor dir die Chancen nutzen werden, die sich bieten. Du trägst dann das volle Risiko mit deinem Kapital, aber die großen Früchte ernten andere.
Wer erntet wirklich die Früchte?
Frage dich doch einmal folgendes: Was hat ein ETF-Anbieter wie Blackrock mit den iShares-ETFs davon, wenn er dir einen Index-Fonds zum investieren anbietet? Die Verwaltungsgebühr!
Nun magst du zwar mit Recht einwenden, dass 0,1 Prozent ja eigentlich nicht viel ist. Doch die 0,1 Prozent zahlst du von deinem Geld, damit jemand anderes mit deinem Geld investiert. Wenn die Investition keinen Erfolg gebracht hat, trägst aber du allein die Verluste. Ganz im Gegenteil, die Verwaltungsgebühr wird trotzdem weiter erhoben.
Während aktive Fonds sich aber früher für ihre schlechte Performance noch rechtfertigen mussten, können ETF-Anbieter die Verantwortung nun vollständig von sich weisen. Wie der Index zusammengestellt wird, entscheidet nicht der ETF-Anbieter sondern eine andere Stelle.
Die Frage nach dem Warum
Als Investor stellen sich für dich immer die gleichen Fragen:
- In was wird investiert?
- Welche Rendite erzielst du mit dem Investment?
- Wer trägt die Risiken der Investition?
- Wer entscheidet über das Investment?
- Wie sehr stehst du hinter der Entscheidung?
An diesen Fragen werden zwei wesentliche Knackpunkte klar: Wenn du investieren lässt — sei es über einen Aktienfonds oder einen ETF –, dann entscheidest du nicht mehr direkt über die Investition. Stattdessen trifft jemand anderes eine Auswahl für dich. Jemand anderes entscheidet, wann gekauft wird und wann verkauft wird. Jemand, der überhaupt kein Risiko trägt, wenn die Entscheidung falsch war.
Wie sehr vertraust du diesem Entscheider und seinem Wissen? Bei der Diskussion um aktive Fonds haben viele schon erkannt, dass die Fondsmanager auch bloß nicht in die Zukunft schauen können. Warum denkst du, das wird besser, nur weil diese Finanzprofis ihre Kauf- und Verkaufsentscheidungen schon heute in einem Regelwerk erfasst haben? Nichts anderes ist ein Index — ein Regelwerk aus Kriterien, nach denen Aktien gekauft und verkauft werden.
Nehmen wir nun an, wir durchlaufen einen echten Crash wie zur Jahrtausendwende. Nur dass du bereits seit 15 Jahren fleißig jeden Monat in deine Lieblings-Fonds wie den EuroStoxx 50 investiert hast — ein Index, der die 50 größten Unternehmen Europas enthält. Der Index stand bei 5.500 Punkten und hat sich in den letzten 10 Jahren verfünffacht. Und dann beginnt er kontinuierlich innerhalb von 2 Jahren auf 1.900 Punkte zu sinken. Zwei Jahre lange schaust du jeden Monat zu, wie dein Vermögen jeden Monat stärker zusammen schmilzt, als du Geld einzahlen kannst. Am Ende bist du nach 15 Jahren kaum weiter als zuvor.
Wie stark bist du wirklich? Wie sehr vertraust du darauf, dass andere für dich die richtigen Unternehmen ausgewählt haben?
Nehmen wir weiter an, du hast diese Strecke überstanden. Du wartst bis 2007. Die Kurse im EuroStoxx haben immerhin wieder 4.500 Punkte erreicht. 20 Prozent unter dem Höchststand im Jahr 2000. Gleichzeitig siehst du, wie der DAX längst wieder die alten Höhen erreicht hat.
Worauf möchte ich hinaus?
Natürlich hat niemand vorher gewusst, welcher Index sich besser entwickeln wird. Niemand weiß das. Aber weißt du, warum du die Aktien im Index A gewählt hast? Hättest du die Entscheidung genauso getroffen? Bist du von den Werten genauso überzeugt?
An der Börse spricht jeder von langfristigem Investieren. Doch langfristig ist ein Marathon-Lauf. Dein Trainer kann neben dir stehen und dir zurufen, wie er will — wenn du selbst nicht daran glaubst, dass du es ins Ziel schaffst, wirst du nicht ankommen.
Ich habe 2005 Hyundai Motors gekauft und hatte dort mehr als die Hälfte meine verfügbaren Kapitals investiert. Im Anschluss durfte ich mit ansehen, wie der Wert von 28 Euro auf 4 Euro eingebrochen ist. Heute steht er bei über 40 Euro.
Hätte ich diese Achterbahnfahrt durchgehalten, wenn jemand anderes als ich selbst die Entscheidung zum Kauf getroffen hätte? Ich denke nicht!
Hätte ich die Zeit durchgehalten, wenn ich nicht verstanden hätte, dass Hyundai die ganze Zeit profitabel gearbeitet hat? Ich denke nicht!
Mir hätte jemand die Aktie vorschlagen können. Allein hätte ich sie vielleicht nie entdeckt, aber niemals hätte jemand anderes für mich entscheiden können, ob ich in den Wert investiere oder nicht! Schon gar nicht jemand, der nichts zu verlieren hat.
Die Frage ist nicht, welche Werte du kaufen solltest. Es ist auch nicht wichtig, ob deine Entscheidung richtig oder falsch war. Was wirklich wichtig ist, ist dein Grund für die Entscheidung. Und die Entscheidung anschließend zu halten oder zu verkaufen.
Doch diese Fragen kannst du nur beantworten, wenn du weißt, was du tust. Wenn du dir selbst vertraust. Wenn du davon überzeugt bist, dass deine Entscheidung für dich Sinn macht.
Vermögen schafft man nicht nebenbei
Ich bin der Meinung, dass man Vermögen nicht nebenbei aufbauen kann. Es heißt nicht ohne Grund Vermögensbildung oder Vermögensaufbau. Vermögen kommt von Bildung und von Aufbauen. Wenn du dir ein Vermögen aufbauen möchtest, wirst du also nicht umhin kommen, dir zuerst einmal Bildung anzueignen und mit dieser Bildung dann selbstverantwortlich auch am Aufbau deines Vermögens zu arbeiten.
Das heißt im umkehrschluss, dass du Zeit und Arbeit investieren musst, um zu verstehen, was du da tust. Selbst wenn du einen Partner findest, der dich beim Investieren unterstützt, kann er immer nur so viel tun, wie du selbst verstehst. Es gibt Lehrer und es gibt Berater (um Verkäufer machen mir sowieso einen Bogen). Dein eigenes Wissen definiert den Korb von Chancen, die du nutzen kannst. Wer sich mit Immobilien nicht auskennt, kann die Chancen am Immobilienmarkt nicht nutzen. Wer Optionen und Futures nicht kennt, kann die Chancen am Terminmarkt nicht nutzen. Egal wie gut dein Berater ist, dein eigenes Wissen definiert die Grenze.
Wie bei einem Unternehmen muss natürlich nicht der Chef die ganze Arbeit machen. Er sucht sich Helfer, die ihm einen Teil der Aufgaben abnehmen. Auch beim Hausbau würde niemand auf die Idee kommen, alles allein zu machen. Genauso funktioniert die Vermögensbildung. Du kannst dir Helfer suchen, die dich bei deinem Weg unterstützen. Aber du wirst immer derjenige sein, der die Richtung vorgibt — egal ob du in Aktien, Indexfonds oder Optionen investierst.



