Einführung Optionen: Was ist die Nachschusspflicht?

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Um das Risiko von Optionen einschätzen zu können, musst du die Nachschusspflicht verstehen. Denn wer schon von Optionen gehört hat, weiß meist auch, dass der Handel damit sehr riskant sein kann. Dies ergibt sich vor allem dadurch, dass man theoretisch mehr verlieren kann, als man investiert hat. Abstrakt erklärt sich das durch ebendiese Nachschusspflicht. Doch was heißt das? Hat man diese Pflicht immer bei Optionen?

Zunächst muss man wissen, dass es bei Optionen Käufer und Verkäufer (sogenannte Stillhalter) gibt. Auf diesen Umstand habe ich bereits als wesentlichen Unterschied zwischen Optionen und Optionsscheinen hingewiesen. Die Nachschusspflicht betrifft ausschließlich die Stillhalter — also die Verkäufer von Optionen. Sie erwirtschaften ihren Ertrag durch die Einnahme der Optionsprämie, während die Käufer einer Option diese Prämie beim Kauf mitbezahlen.

Defacto bedeutet dies, dass ein Optionskäufer (Long-Position) immer nur so viel verlieren kann, wie er beim Kauf bezahlt hat. Sein Risiko ist damit auf den Kaufpreis beschränkt. Darauf basiert auch die Strategie mit Call-Optionsscheinen, die sich mit Call-Optionen sogar noch günstiger durchführen lässt. Verkäufer (Short-Position) können hingegen ein theoretisch unbegrenztes Risiko eingehen.

Das Auszahlungsprofil für Call-Optionen und Put-Optionen

Verdeutlicht wird dieses Ergebnis in nachfolgendem Auszahlungsprofil für eine Call-Option (Quelle Wikipedia). Angenommen ist, dass die Option mit Ausübungspreis 100 einen Wert von 10 besitzt und bis zum Verfallstermin gehalten wird. Horizontal findet sich der Kurs der der Aktie und vertikal ist der mögliche Gewinn dargestellt. Gestrichelt ist das Profil des Käufers (Long-Position) zu erkennen, während die schwarze Linie das Auszahlungsprofil des Stillhalters (Short-Position) beschreibt.

Auszahlungprofil Call-Option
Auszahlungprofil Call-Option

Nimmt man nun an, dass der Wert der Aktie zum Verfallstag genau 100 beträgt, dann erhält der Käufer die Aktien für diesen Preis, macht aber 10 Euro Verlust, die er zuvor als Prämie beim Kauf für die Option bezahlt hat. Erst bei einem Preis von 110 Euro macht der Optionskäufer keinen Verlust mehr. Bei Preisen unter 100 Euro wird er die Option nicht ausüben, weil er die Aktie am Markt günstiger kaufen kann. Die Optionsprämie ist dennoch verloren.

Für den Verkäufer ist das Ergebnis entgegengesetzt. Beim Aktienwert von 100 Euro wird er die Aktien ausliefern, macht aber 10 Euro Gewinn, den er beim Verkauf durch die Optionsprämie eingenommen hat. Liegt der Aktienpreis höher als 100 schmilzt dieser Gewinn dahin. Bei 110 Euro ist der Puffer durch die Optionsprämie aufgebraucht und der Stillhalter macht Verlust. Liegt der Aktienpreis jedoch unter 100 Euro, wird der Käufer nicht ausüben. Die Option verfällt der wertlos und der Stillhalter kann die Optionsprämie einstreichen.

Dieses Szenario beschreibt die sogenannte „Covered Call“-Optionsstrategie, bei der der Stillhalter die Aktien tatsächlich besitzt. Der Extremfall tritt ein, wenn er Call-Optionen verkauft ohne die Aktien zu besitzen. Fällt der Aktienkurs, passiert gar nichts. Schießt der Kurs von VW aber plötzlich von 100 auf 500 Euro in die Höhe, muss er im schlimmsten Fall VW-Aktien für 500 Euro kaufen und sie für 100 Euro an den Käufer verkaufen.

Ähnlich lässt sich auch die Put-Option verstehen. Hier verpflichtet sich der Verkäufer, die Aktien zum Preis von 100 Euro zu kaufen. Damit sichert sich der Käufer einer Put-Option gegen fallende Kurse ab. Der Verkäufer muss dann 100 Euro für die Aktien bezahlen, selbst wenn sie theoretisch wertlos würden. Auch in diesem Fall spricht man von einem „unbegrenzten“ Risiko, obwohl der maximale Verlust des Stillhalters auf die Höhe des Ausübungspreises beschränkt ist.

Auszahlungprofil Put-Option
Auszahlungprofil Put-Option

Nachschusspflicht verstehen und damit umgehen

Wie eben gelernt, ist das Risiko auf der Long-Seite stehts auf die Höhe des Kaufpreises der Optionen beschränkt. Die Short-Seite, welche die Verkäufer einnehmen, kann im schlimmsten Fall durch eine nicht abgesicherte Position in den Ruin getrieben werden.

Wie wahrscheinlich ist aber so ein Fall? Nehmen wir an, dass wir eine Put-Option mit Basispreis 100 verkaufen. Dann erhalten wir 10 Euro Prämie. Fällt die Aktie zum Fälligkeitstermin auf 80 Euro, müssen wir der Long-Seite die Aktien für 100 Euro abkaufen. Tatsächlich sind sie am Markt aber nur 80 Euro wert. Das Geschäft führt also zu einem Buchverlust von 10 Euro.

100 Euro Basispreis - 80 Euro Kurswert + 10 Euro Prämie = 10 Euro Verlust

Diese Rechnung erklärt auch, wie sich die Sicherheitseinlage ergibt. Da Aktien nur selten innerhalb weniger Tage komplett wertlos werden oder ihren Kurs verdoppeln, müssen Stillhalter beim Verkauf einer Option nicht das gesamte Risiko absichern. Nimmt man also an, dass eine Aktie maximal um 30 Prozent einbrechen wird, dann ist der mögliche Verlust des Stillhalters auch geringer. Er braucht also nicht die gesamten 100 Euro zu hinterlegen, sondern nur den wahrscheinlichen Verlust, der sich aus der Differenz zwischen Basispreis und Aktienkurs ergibt — in diesem Beispiel also 30 Euro.

Hat der Stillhalter nicht genug Geld als Sicherheit hinterlegt oder der Kurs sinkt stärker als erwartet, erhält der Stillhalter einen Anruf von seinem Broker (Margin-Call). Dieser fordert ihn dann auf, schnellstmöglich seine Nachschusspflicht zu erfüllen und zusätzliches Geld bereitzustellen um alle möglichen Verluste abdecken zu können .

Wann tritt dieser Fall in der Realität auf?

Tatsächlich kann ein Margin-Call immer auftreten, wenn sich das Risiko von Positionen ändert. Denn dieses Risiko hängt an der Kursentwicklung der Basiswerte und ändert sich täglich. Wenn mit der Neubewertung nicht genug Geld bereit steht, beruft sich der Broker auf die Nachschusspflicht und verlangt zusätzliche Einlagen.

Normalerweise kann sich aber jeder Händler gegen das unbegrenzte Risiko absichern, sodass hier „offene Flanken“ stets wieder geschlossen werden können. Letztendlich liegt es damit an der Aggressivität des Stillhalters, wie nah er ans Limit geht und wann seine Absicherungen greifen.

Um diese Absicherungen jedoch einsetzen zu können, erfordert es entsprechendes Fachwissen über den Optionshandel und Optionsstrategien. Dann muss sich auch niemand auf überraschende Nachschusspflichten einstellen.

Im nächsten Artikel werde ich etwas genauer über Optionsstrategien sprechen. Besonders Augenmerk werde ich dabei auf die bereits erwähnte Covered Call Strategie legen, sodass du mit beliebigen Aktien ein regelmäßiges Einkommen erzielen kannst.

Wer selbst Optionen handeln möchte, kann das telefonisch bei der DAB Bank für europäische Werte an der EUREX tun. Günstiger und komfortabler ist es hingegen mit CapTrader* mit weltweiter Auswahl an Optionsbörsen.

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