In Zeiten niedriger Zinsen sind Dividenden-Strategien häufig die erste Wahl für bessere Renditen. Allerdings haben diese Strategien zwei entscheidende Nachteile: Nicht alle Unternehmen zahlen überhaupt eine Dividende und häufig wird die Dividende nur quartalsweise oder für deutsche Aktien sogar nur jährlich ausgeschüttet. Wer sich also sein passives Einkommen aus Dividenden aufbauen will, hat erstens nur eine beschränkte Wahl an Unternehmen zur Verfügung und gibt gleichzeitig die Kontrolle über sein Einkommen aus der Hand. Ich habe für mich eine bessere Alternative entdeckt, mit der man Einkommen aus beliebigen Aktien generieren kann.
Dies ist ein Artikel von Erfolgreich -Sparen.com. Alle Texte sind urheberrechtlich geschützt. Mehr Informationen finden Sie auf www erfolgreich-sparen com.
Die Basis ist der systematische Einsatz von Derivaten — konkreter: Optionen. Man kann diese nämlich nicht nur für hochspekulative Wetten einsetzen, sondern auch, um sehr konservative Strategien umzusetzen. Doch keine Angst: Es ist alles sehr einfach!
Nachfolgend werde ich kurz allgemein die Funktionsweise von Call-Optionen erklären, bevor ich detailierter auf die Covered-Call-Strategie eingehe. Zum Schluss folgt ein Blick auf reale Zahlen am Beispiel McDonalds.
Was sind Call-Optionen?
Call-Optionen (kurz „Calls“) sind Derivate auf Aktien, die es dem Käufer erlauben, Aktien in einem definierten Zeitraum bis zum Verfallsdatum zu einem bestimmten Kurs (Strike) zu erwerben. Call-Optionen funktionieren also wie Optionsscheine.
Im Gegensatz zu Optionsscheinen können Optionen aber auch verkauft werden (siehe Unterschied zwischen Optionen und Optionsscheinen). Verkäufer von Calls haben hingegen die vertragliche Pflicht, Aktien zu einem bestimmten kurz zu verkaufen. Dafür erhalten sie beim Verkauf eine Optionsprämie.
Verkäufer oder Stillhalter sind jedoch nicht zwangsläufig dazu verpflichtet, die Aktien auch zu besitzen, wenn sie die Option verkaufen. Wir konzentrieren uns im Folgenden auf den Fall, wenn man die Aktien ebenfalls besitzt. Dann sprechen wir von „gedeckten Calls“ oder „Covered Calls“. Sie haben den Vorteil, über ein sehr günstiges Risiko-Profil zu verfügen.
Durch den Verkauf der Call-Optionen lässt sich ein zusätzlicher Gewinn durch die Einnahme der Optionsprämie realisieren. Dieser Gewinn hilft, den Einstandspreis zu reduzieren. Folglich kann auch dann eine positive Rendite erzielt werden, wenn der Aktienkurs nur seitwärts verläuft.
Wie groß die Optionsprämie ist, hängt von zwei Faktoren ab:
- Dem Verfallsdatum, wann die Option spätestens ungültig verfällt.
- Dem Abstand des Strike vom aktuellen Kurs der Aktie
Grundsätzlich kann man sagen: Je länger die Laufzeit, desto höher die Prämie und je näher der Strike am Kurs ist („at the money“), desto höher die Prämie. Ist der Kurs höher als der Strike (die Option ist also im Geld) oder ist der Kurs geringer als der Strike (die Call-Option ist aus dem Geld), sinken die Optionsprämien entsprechend.
Die Covered-Call-Strategie
Die Covered-Call-Strategie basiert darauf, dass für die vorhandenen Aktien im Depot regelmäßig Call-Optionen verkauft werden, die leicht aus dem Geld sind. Bleibt der Aktienkurs zum Verfallsdatum unter dem Strike, verfällt die Option wertlos. Die vereinnahmte Prämie können wir aber in jedem Fall behalten.
Wenn die Option wertlos verfällt kann man zudem auf die gleichen Aktien immer wieder neue Optionen verkaufen. Dadurch lässt sich mit der Optionsprämie ein zusätzlicher Cash Flow generieren, der häufig sogar die Höhe der Dividende übersteigt.
Steigt die Aktie über den Strike, werden die Wertpapiere spätestens zum Verfallsdatum ausgebucht. Dafür wird der vereinbarte Gegenwert in bar auf das Konto gezahlt. Da der Strike stets höher liegen soll als der aktuelle Aktienkurs, haben wir also in diesem Fall zusätzlich zur Optionsprämie auch einen Kursgewinn realisiert.
Die Optionslaufzeit bestimmt zudem, wie häufig wir neue Optionen verkaufen können. Für viele Aktien gibt es Optionen mit wöchentlicher, monatlicher, Quartalsweiser und (mehr-)jähriger Laufzeit. Das heißt, im besten Fall kann man jede Woche eine Ausschüttung erzielen — ganz unabhängig von der Dividendenpolitik des Unternehmens.
Covered Calls am Beispiel McDonalds
Nach der Theorie folgt nun mit McDonalds ein Blick in die Praxis. Zum Aktienkurs 101,43 US-Dollar bot sich folgendes Preisbild für die Optionen mit Verfallsmonat Juni 2014. Da üblicherweise die Optionen zum Freitagabend verfallen, und es im Juni vier Freitage gibt, finden sich zu jedem Strike Optionen mit unterschiedlichen Verfallsterminen.
Der Verkaufskurs ist der Bid-Kurs. Da wir einen Kurs von 101 USD haben, ist der nächst höhere Strike bei 102 USD. Zu diesem Strike kann im Juni entweder eine Option mit Verfallstermin 06. Juni oder 13. Juni verkauft werden. Zum Zeitpunkt dieses Artikels ist die Laufzeit also knapp reichlich ein Monat.

McDonalds, Kurs 101,43 USD; Stand vom 02.05.2014, Übersicht Call-Optionen
Für diesen Monat kann eine Optionsprämie von entweder 1,22 USD oder 1,35 USD je Aktie vereinnahmt werden. Auf den aktuellen Aktienkurs ist das also eine zusätzliche Rendite von reichlich 1,2 Prozent, wenn sich der Kurs nicht bewegt. Steigt der Kurs über 102 USD, dann wird McDonalds zum Strike 102 USD verkauft. Inklusive Prämie erhalten wir dann einen tatsächlichen Verkaufswert von 103,22 USD oder einen Gewinn von 1,8 Prozent.
Gelingt es, jeden Monat eine Option mit ähnlichen Prämien zu verkaufen, lässt sich auf das Jahr gerechnet also eine Rendite von 15 Prozent erzielen, ohne dass sich der Aktienkurs von McDonalds erhöht.
Im Falle sinkender Kurse dämpfen die Prämien den Kursverlust. Kauft man McDonalds für 101 USD und verkauft die Call-Option für den 6. Juni zum Preis von 1,22 USD, so reduziert sich der effektive Kaufkurs sofort auf 101 – 1,22 = 99,78 USD.
Wir können also erkennen, dass der Verkauf von Call-Optionen viele Vorteile bietet.
Nachteile ergeben sich besonders dann, wenn die Aktie stark steigt. Denn durch den Verkauf von Call-Optionen wird der maximale Verkaufspreis schon vorab festgelegt. Steigt McDonalds also plötzlich auf 120 USD, so erhält man mit der Covered-Call-Strategie dennoch nur den geringeren Wert zum Strike.
Auch bei plötzlichen Kurseinbrüchen hilft die Optionsprämie nur wenig. Diesen Verlust müsste man aber auch hinnehmen, wenn man keine Calls verkauft hätte.
Mein persönliches Fazit
Covered Calls sind optimal, um den Einstandspreis für Aktien zu reduzieren, die langfristig im Depot verbleiben sollen.
Der Vorteil ist, dass man sich durch den Verkauf der Optionen schon vorab über seine Ziele klar werden muss. Zwar sind spätere Korrekturen noch möglich, aber sie wirken sich nicht zuletzt durch die Transaktionskosten dennoch negativ auf die Rendite aus. Zusätzlich erlaubt es der Verkauf von Call-Optionen, selbst Kontrolle über den Kapitalfluss zu erlangen. Die Abhängigkeit von der Dividenden-Politik des Unternehmens sinkt also deutlich.
Um die Covered-Call-Strategie überhaupt profitabel umsetzen zu können, benötigt man außerdem den passenden Broker. Bei der Consorsbank fallen beim Handel mit Optionen mindestens 17 Euro Gebühren an, bei Captrader sind es hingegen nur 2 Euro.



