Im ersten Artikel haben wir uns der Frage gestellt, wie man sich auf die Zusammenarbeit mit dem Finanzberater vorbereiten sollte. Diesmal soll es darum gehen, wie man einen guten Berater finden kann.

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In den Medien wird dieser Berufsstand regelmäßig gescholten, doch häufig ist der Fehler auf beiden Seiten zu suchen. Dennoch gibt es natürlich auch in dieser Branche schwarze Schafe. Um nicht in ihre Fallen zu tappen, benötigt man vor allem entsprechendes Fachwissen zum Thema. Denn Finanzberater sind keine Lehrer.

Vertrauenswürdige Herkunft

In Deutschland gibt es verschiedene Verbände, in denen zuverlässige Finanzberater zusammengeschlossen sind. Ernsthafte und seriöse Berater, die sich langfristig um ihre Kunden bemühen, sind normalerweise einem dieser Verbände angehörig — allein um regelmäßig Erfahrungen und Wissen auszutauschen. Bekannte Verbände in Deutschland sind:

Auch in der Schweiz und in Österreich gibt es ähnliche Verbände. Beispielhaft seien hier der Schweizerische Versicherungsverband, der Finanzplanerverband oder der schweizerische Finanzberaterverband genannt. In Österreichh gibt es den Verband Österreichischer Versicherungsmakler, den Versicherungsverband Österreich, den Österreichischen Verband Financial Planner oder die Wirtschaftskammer Österreich.

Zusätzlich sind Berater stets in Register eingetragen, in denen ihr Status und ihre Ausbildung hinterlegt ist. In Deutschland handelt es sich dabei um das Vermittlerregister, in der Schweiz um die Vermittleraufsicht.

Honorarberater, Makler oder Vermittler?

Ein Berater kann verschiedene Titel haben, die auf den ersten Blick ähnlich klingen. Im Detail beschreiben sie aber die Abhängigkeiten des Beraters — sprich: Wer bezahlt die Beratungsleistung und in welcher Form?

Beim klassischen Vermittler handelt es sich häufig um Angestellte eines Unternehmens, die auch nur Produkte dieses Unternehmens verkaufen, für das er arbeitet. Der Arbeitgeber kann hier sowohl eine Versicherung oder Bank, aber auch ein sogenannter Allfinanzvertrieb sein, der Provisionsverträge mit mehreren Versicherungen abgeschlossen hat und eigene Vermittler beschäftigt.

Geld zur Hand
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Ein Makler arbeitet grundsätzlich selbständig und wählt unter allen am Markt verfügbaren Produkten unabhängig vom Unternehmen. Bezahlt wird er allerdings auf Basis von Provisionen, die er vom jeweiligen Unternehmen für die Vermittlung seines Produktes erhält. Wenn er kein Produkt vermittelt, geht er leer aus.

Das scheinbar beste Konzept ist der Honorarberater. Er wird direkt vom Kunden pauschal oder auf Stundenbasis bezahlt und ist damit überhaupt nicht von Zahlungen der Finanzbranche abhängig. Allerdings hat der Ratsuchende hier das Problem, dass er vorab häufig nur schwer den Wert der Beratungsleistung einschätzen kann.

Alle Angehörigen ihrer Klasse versprechen stets eine Beratung im Sinne des Kunden. Dennoch kann sich dieser eher ein Bild von der Qualität des Ratschlages machen, wenn er weiß, wer seine Brötchen bezahlt. So geht die schweizer BZ Berater Zentrum AG auf die Vorstellungen der Kunden ein und wirbt mit Unabhängigkeit und langfristigen Kundenbeziehungen. In Deutschland versprechen DVAG, MLP oder OVB ähnliches. Dabei hat die Finanztest in einem aktuellen Test für deutsche Finanzberater gerade erst festgestellt, dass die Qualität dieser Unternehmen durchaus anständig sein kann. Wie so oft hängt es letztendlich am Einzelfall.

Wie erkennt man einen guten Berater?

Einen guten Berater erkennt man zuallererst daran, dass er sich ein umfassendes Bild über die Situation des Kunden macht. Vorsichtig gilt, wenn innerhalb von wenigen Minuten und mit einem kurzen Standard-Fragenkatalog „das perfekte Ergebnis“ hervorgezaubert wird. Seriöse Beratung ist ein Prozess. Ein guter Berater begleitet seinen Kunden durch das Leben und steht ihm bei Fragen mit Rat und Tat zur Seite. Dazu gehört natürlich, dass er seine Erfahrungen zum Wohle des Kunden einsetzt.

Alarmsignale sind immer, wenn vorhandene Verträge schlagartig gekündigt werden sollen, um gleichzeitig viel bessere Produkte abzuschließen. Hier könnte die fixe Abschlussprovision für den Berater doch die Sicht auf den Kundennutzen vernebelt haben.

Ansonsten bleibt als Faustregel: Finanzberatung und Versicherungen sind kein Tagesgeschäft. Es gibt kein Angebot, das nicht auch noch im nächsten Monat abgeschlossen werden könnte. Man sollte sich also immer die Zeit nehmen, sich die Verträge vor dem Abschluss in Ruhe anzuschauen, Fragen zu klären und Alternativen zu prüfen. Auch sollte man stets im Kopf haben, dass ein guter Versicherungsberater sich nicht zwangsläufig auch mit Immobilienfinanzierung auskennen muss. Die BZ Berater Zentrum AG bietet eine Finanzberatung in der Schweiz, Progress Dresden bietet durch ihr Konzept hingegen eine weitgehend allumfassende Beratung vor allem für Studenten und Menschen beim Start ins Arbeitsleben im sächsischen Raum. Versicherungsvermittler sind in Fragen der Vermögensbildung hingegen eher nicht die erste Wahl, können aber fachlich bei der Wahl des passenden Versicherungsschutzes helfen. Auch hier zeigt sich: Es gibt für alles und jede Region einen Spezialisten.

Grundsätzlich sollte man nur das Unterschreiben, was man auch versteht. Folglich limitiert auch die eigene Bildung den möglichen Spielraum des Beraters. Man sollte sich also auch selbst genauer mit dem Thema beschäftigen und nicht erwarten, dass Berater sich die Mühe machen, beim Urschleim zu beginnen. Vom Autoverkäufer verlangt schließlich auch niemand, dass er dir die Verkehrregeln beibringt. 🙂

9 KOMMENTARE

  1. Hallo Rico,

    toller Artikel. Bin erst kürzlich wieder einem nicht ganz so seriösen Finanzberater über den Weg gelaufen, leider. Von daher weiß ich, wie wichtig es ist, einen guten Berater zu finden.

    Ich finde, Sympathie sollte auf beiden Seiten vorhanden sein. Wenn ich meinen Berater nicht leiden kann – warum auch immer – dann ist er definitiv nicht der Richtige.

    Außerdem muss ein Finanzberater meiner Meinung nach sehr geduldig sein. Es darf ihn nicht stören, wenn ich etwas 5 mal oder mehr hinterfrage. Gibt es beim 5ten Mal eine patzige Antwort, wäre ich auch vorsichtig. Immerhin sollte der Finanzberater wissen, dass nicht jeder so tief im Thema steckt wie er. Dafür ist er ja auch schließlich der Profi.

    LG Caro

    • Das stimmt, Caro. Dennoch muss auch ein Finanzberater davon ausgehen können, dass sich Kunden proaktiv informieren. Viele verwechseln sie eben immer noch mit Lehrern und Coaches.

    • Das hängt von der Gebührenstruktur des Beraters ab. Wenn diese Abhängig vom Anlagevolumen ist, dann wird dir dein Berater das Limit sagen. Vorher kann man sich ja immer erstmal vertrauensvoll unterhalten. Das ist von Berater zu Berater unterschiedlich.

  2. Hallo Rico,
    Finanzberater helfen einem nur, bestehendes Vermögen zu verteilen und nicht, Vermögen zu bilden, weil man noch keines hat. Das sind zwei vollkommen verschiedene Investmentmethoden. Bestätigt wird das auch noch von smartinnet.

    • Das ist ein sehr guter Punkt. Zwischen Vermögensbildung und Verteilung muss man auf jeden Fall unterscheiden. Es gibt aber durchaus Finanzberater, die auch bei Vermögensbildung helfen. Dazu müssten sie aber zuerst erstmal selbst diesen Unterschied begriffen haben. 🙂

  3. Hallo Rico,
    was macht man deiner Meinung nach mit einem Verlusttopf (Aktien) von 90.000 EUR, ist kein Schreibfehler.
    Diese wurden nicht in den vergangenen 10 Jahren angehäuft, sondern sind erst ab Februar 2013 entstanden.
    Ich bin ziemlich am Ende, weil ich so leichtsinnig mit Geld umgegangen bin.
    Aktienverluste können ja nur mit Aktiengewinnen ausgeglichen werden!
    Wenn man aber kein Geld mehr hat, kann wohl diese Summe als Verlust verbuchen?

    • Das hängt von deinem Depot ab. So allgemein kann man da leider nichts dazu sagen. In jedem Fall gilt: Nerven behalten und in Ruhe überlegen. Wenn du genauer diskutieren willst, melde dich einfach hier oder per Mail 🙂

  4. Nicht zuletzt liegt die beste Absicherung vor inkompetenten Finanzberatern darin, sich selbst im Vorfeld über Geschäft A, Aktie B oder Vertrag C schlau zu machen. Das Internet bietet heute genügend Möglichkeiten und im Zweifelsfall kann man auch in einschlägigen Internetforen nach Meinungen fragen. 🙂

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