Wenn du eine Familie hast, dann wirst du manche Entscheidungen anders treffen als ein klassischer Einzelkämpfer. Ist man allein, dann muss man alle Entscheidungen nur vor sich selbst rechtfertigen. Mit Familie sind unmittelbar wichtige Menschen von deinem Handeln und ihren Folgen betroffen. Diese Umstellung spüre ich seit meiner Hochzeit selbst hautnah. Deshalb sollen die Liebsten natürlich auch für große Risiken abgesichert sein. Ein klassisches Instrument ist die Lebensversicherung bzw. Todesfallversicherung – doch macht diese Versicherung tatsächlich Sinn?

Dies ist ein Artikel von Erfolgreich -Sparen.com. Alle Texte sind urheberrechtlich geschützt. Mehr Informationen finden Sie auf www erfolgreich-sparen com.

Ein typischer Fall besteht dann, wenn es einen Hauptverdiener in der Familie gibt. Fällt er durch einen Todesfall oder Unfall aus, dann hat die ganze Familie kein Einkommen mehr, weil das aktive Arbeitseinkommen wegfällt. Bestehen bleibt lediglich das passive Einkommen, dass etwa durch die Investition in Dividenden-Aktien oder Immobilien aufgebaut werden kann.

Der Staat unterstützt zwar im Notfall mit Witwen- oder Waisenrenten die Hinterbliebenen, doch häufig ist die Lücke zum vorigen Einkommen zu groß.

Um diese Lücke zu schließen, springt eine Versicherung ein, die im Todesfall des Versicherten bezahlt. Das kann entweder eine Risikolebenensversicherung (RLV) oder eine Kapitallebensversicherung (KLV) sein. Doch wann schließt man besser eine Kapitallebensversicherung oder eine Risikolebensversicherung ab?

Risikolebensversicherungen zahlen eine hohe Prämie im Fall des Todes der versicherten Person. Sie kommen besonders dann zum Einsatz, wenn Familie oder Verwandte für den Todesfall abgesichert werden sollen. Klassischer Fall ist, wenn der Hauptverdiener stirbt: Dann würde die ganze Familie plötzlich nur noch mit einem Bruchteil des Einkommens dastehen. („Auszahlung, wenn Tod“)

Kapitallebensversicherungen entsprechen im wesentlichen der Risikolebensversicherung, zahlen den Versicherungsbetrag aber auch dann aus, wenn die versicherte Person zum Ablauf der Versicherung noch lebt. Die eingezahlten Beträge sind also nicht „verloren“. Im Gegenteil, sie werden für den Versicherten sogar angelegt und verzinst. („Auszahlung, wenn Tod, oder zum Tag X.“)

Das Problem: Im zweiten Fall treffen zwei konträre Systeme aufeinander. Die Risikolebensversicherung sichert nur den Todesfall ab, doch durch die Auszahlung des Kapitals am Ende der Laufzeit trägt die Versicherung zusätzlich das Risiko, einen bestimmten Betrag auszahlen zu müssen. Folglich erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, der Auszahlung auf nahezu 100 %. Entweder der Versicherte stirbt vorher und es muss an die Angehörigen gezahlt werden, oder er überlebt und das angesparte Kapital muss ausgezahlt werden.

Deshalb wird der Beitrag in einen Risiko-Anteil und einen Spar-Anteil aufgeteilt. Was ist das Ergebnis? Die Versicherung muss teurer werden! Schließlich werden auch zwei Leistungen erbracht.

Frage: Macht es Sinn, für eine Versicherung mehr Geld zu bezahlen, nur um das Geld wiederzubekommen, falls der Schaden nicht eintritt?

Antwort: Normalerweise nein, denn in diesem Fall könnten die zusätzlichen Prämien auch separat angelegt werden. Vorteil: Die Last der Versicherungsprämie ist geringer und das separat angelegte Kapital ist unabhängig von der Versicherung frei verfügbar.

Wann sollte man eine Kapitallebensversicherung abschließen?

In den 90er Jahren waren KLVs noch relativ attraktiv. Der Grund ist, dass damals der Sparanteil recht gut verzinst wurde und dadurch gut Vermögen bilden ließ. Zudem fördert der Staat die Versicherungsstruktur mit Steuervorteilen. Zur aktuellen Zeit gibt es für neu abgeschlossene Versicherungen kaum noch Zinsen. Sie sind also keine gute Geldanlage, wenn es darum geht, Vermögen zu bilden.

Schon damals war aber das Problem, dass die Versicherungen über einen sehr langen Zeitraum bespart werden mussten — doch finanzielle Engpässe haben häufig dazu geführt, dass die Kapitallebensversicherung vorzeitig mit Verlust aufgelöst wurde um an das Ersparte zu kommen.

Ein weiteres Problem ist, dass die Versicherungen zeitlich unflexibel sind. Der angesparte Betrag ist nur schwer zu
abrufbar, obgleich er manchmal als Sicherheit zum Beispiel für Kredite akzeptiert wird. Doch warum soll man einen teuren Kredit aufnehmen, wenn das Geld eigentlich auch so vorhanden ist?

Ich würde daher niemandem mehr empfehlen, eine KLV abzuschließen. Es ist besser, das Geld so zu sparen und in Aktien oder Immobilien zu investieren.

Was spricht für eine Risikolebensversicherung

RLVs haben den Vorteil, dass sie deutlich günstiger sind als KLVs. Dadurch ist es einfacher, sie über die gesamte Laufzeit zu finanzieren. Gleichzeitig bleibt Geld übrig, das gespart und für den Vermögensaufbau investiert werden kann. Dennoch ist die Familie im Todesfall abgesichert. Das ist besonders dann wichtig, wenn das passive Einkommen noch nicht in ausreichender Höhe aufgebaut ist.

Bei zwei Hauptverdienern lohnt es sich, für jeden Partner eine RLV abzuschließen, sodass der Partner jeweils durch die Todesfallprämie abgesichert ist.

Insgesamt handelt es sich bei einer RLV um eine günstige Form, sich gegen den Ernstfall abzusichern. Dennoch sollte man den bezahlten Beiträgen keine Träne nachweinen — denn: Es ist immer besser, wenn man eine Versicherung gar nicht erst benötigt.

Quelle Titelbild: Morguefile.com

5 KOMMENTARE

    • Der Artikel ist auch sehr interessant. Provisionen sind hier tatsächlich ein wesentlicher Punkt, wenn es darum geht, was die Verkäufer empfehlen.

  1. Für Kapitallebensversicherungen spricht gar nichts. Die Konstruktion dient eigentlich nur dazu, Intransparenz zu schaffen und Leute bei der Stange zu halten. Außerdem kann es passieren, dass eine Lebensversicherung unsinnig wird. Man stelle sich vor, man erbt 2 Millionen € und hätte ausgesorgt. Braucht man dann noch eine Lebensversicherung? Die Risikolebensversicherung würde man dann kündigen und fertig. Die Kapitallebensversicherung würden die meisten weiterführen, um nicht die Zinsen zu verlieren.

    Risikolebensversicherung ist das Produkt der ersten Wahl. Ich würde eine Risikolebensversicherung in jedem Falle degressiv gestalten, d.h. mit der Zeit sinkt die Todesfallsumme, aber es sinken auch die jährlichen Beiträge. Das schafft zusätzlichen Spielraum fürs Sparen. Wenn die Kinder schon auf eigenen Beinen stehen, braucht man doch nicht so viel Geld, um den Todesfall abzusichern.

  2. Hallo Rico,

    früher hätte ich wahrscheinlich gesagt, dass eine KLV besser ist. Meine Eltern hatten sie und ich stand vor kurzem auch vor der Frage, ob ich eine solche abschließen sollte.

    Wirklich rentabel ist sie nicht, dass stimmt. Andererseits kenn ich mich. Wenn ich eine Risikolebensversicherung abschließe, dann weiß ich, dass meine Liebsten abgesichert sind. Doch werde ich das übrige Geld wirklich in eine andere Sparform investieren? Ich kenn mich, wenn ich nicht sofort bei Vertragsabschluss den Sparplan aktiviere, würde es Monate dauern, bevor ich an mein Altersvorsorge denke. Erstmal shoppen – eben typisch Frau – das würde bei mir im Vordergrund stehen.

    Was ich damit sagen will, man muss konsequent sein. Sonst ist man zwar im Todesfall abgesichert, aber nicht fürs Alter.

    • Man darf hier zwei Punkte nicht vermischen. Das eine ist das Todesfallrisiko, das man absichert. Das sollte man aber getrennt von der Vermögensbildung betrachten. eine KLV abzuschließen, um den Todesfall abzusichern, ist grober unfug. Die Frage, was man mit dem gesparten Geld anstellt, ist eine andere Baustelle. Dass man es für die Vermögensbildung nutzen könnte, ist aber ein sehr wichtiger Ansatz!

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here