Auswirkungen der Optionsstrategie an einem Praxis-Beispiel

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Optionsstrategie am Beispiel R.R. Donelley & Sons
Optionsstrategie am Beispiel R.R. Donelley & Sons

Zum Verfallstag im März wurde meine Position von R.R. Donnelley & Sons aus dem Depot ausgebucht. Ich halte die Aktien des Unternehmens bereits seit einigen Monaten und habe über die Zeit erfolgreich Optionen dagegen verkaufen können. Insgesamt konnte ich mit der Strategie einen Gewinn von 2,44 US-Dollar erzielen. Bei einem Einstiegskurs von 17 US-Dollar entspricht das einer Rendite von fast 14 Prozent in 4 Monaten. Nachfolgend beschreibe ich einmal ausführlich den Verlauf über die Zeit mit allen Handlungen.

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1. Phase: Positionseröffnung über den Verkauf von Put-Optionen

Am 18. November habe ich die Strategie gestartet. Dafür habe ich 100 Put-Optionen zum Preis von 0,50 US-Dollar verkauft. Sie bilden gemeinsam ein Kontrakt und damit die Mindestgröße, die im Optionshandel zulässig ist. Der Strike für die Optionen lag bei 17 US-Dollar, während die Aktien um 16,90 US-Dollar notierten. Die Annahme war, dass RRD weiter steigen würde oder sich zumindest stabil in einem Seitwärtstrend bewegen würde. Insgesamt wurden an diesem Tage 47 US-Dollar eingenommen (abzüglich 3,5 USD Transaktionskosten).

Der Verfall der Optionen war zum Freitag der dritten Dezember-Woche. Würde RRD zu diesem Zeitpunkt über 17 US-Dollar notieren. würde die Option wertlos verfallen und ich könnte die 47 US-Dollar als Gewinn verbuchen.

Während der Laufzeit verlief die Entwicklung jedoch alles andere als ruhig. Der Kurs sank zwischenzeitlich bis auf 15 US-Dollar, sodass der Optionskontrakt zeitweise fast 200 Dollar im Minus notierte. Meine Pflicht war es ja weiterhin, die Aktien im Dezember für 17 US-Dollar zu kaufen.

Erst in der letzten Woche vor dem Optionsverfall erholte sich der Kurs wieder und schafft sogar fast wieder an die 17 US-Dollar heran.

Letztendlich blieb RRD aber unter dem Strike-Preis, sodass mir über das Wochenende die 100 Put-Optionen in 100 Aktien von RRD eingetauscht wurden. Gleichzeitig reduzierte sich mein Cash-Bestand natürlich um die 1.700 US-Dollar und ich saß auf einem leichten Verlust.

Mein effektiver Kaufpreis für RRD beträgt durch die Prämien-Einnahme nun 16,53 US-Dollar.

2. Phase: Verkauf von Call-Optionen

Nachdem die Aktien eingebucht wurden und recht Nahe bei 17 US-Dollar notierten, habe ich versucht Call-Optionen zum gleichen Strike zu verkaufen, die ebenfalls eine Laufzeit von einem Monat haben und am Freitag der dritten Januar-Woche verfallen. Sie bewirken, dass ich mich verpflichte, die Aktien zum Kurs von 17 US-Dollar wieder zu verkaufen — was mir nicht schwer fallen würde, denn das war ja auch mein Einkaufspreis.

Für die Call-Option konnte ich eine Prämie von 0,38 US-Dollar einnehmen, was für 100 Stück abzüglich 3,50 Dollar Transaktionskosten Einnahmen von 35 US-Dollar entspricht.

Anschließend berappelte sich der Kurs jedoch deutlich und schoss Zeitweise deutlich über die 17 US-Dollar hinaus. Hätte ich mit dem Call-Verkauf doch noch warten sollen? Doch schon wenig später folgte der nächste Absturz. Die Aktien tauchten wieder unter 16 US-Dollar ab und meine Position färbte sich wieder einmal rot. Zum Verfallstag am 16. Januar notierte RRD nur um die 16 US-Dollar. Die Aktien verblieben also weiterhin in meinem Depot.

Durch die weitere Prämie konnte ich meinen Einstandskurs weiter auf nur noch 16,18 US-Dollar reduzieren. Der Kursrückgang war also letztendlich gar nicht so dramatisch zu spüren.

3. Phase: Prüfung des Verkaufs weiterer Call-Optionen

Anfang Februar steht bei RRD der nächste Ex-Dividenden-Termin an, bei dem Brutto 0,26 US-Dollar je Aktie ausgezahlt würden. Da die Aktien derzeit nur um 16 US-Dollar notierten und ich allein durch halten der Position eine järhliche Dividendenrendite von fast 6,5 Prozent erzielen konnte (4 * 0,26 / 16 = 6,5 %), entschied ich mich, zunächst mit dem Verkauf weiterer Calls abzuwarten.

Warum? Weil derzeit nur ein effektiver Verkauf zum Strike bei 16 US-Dollar möglich gewesen wäre. Für 17 US-Dollar wäre die Optionsprämie nicht besonders hoch ausgefallen. Da der Kurs aber schon bei 16 US-Dollar notiert, besteht die Gefahr des „Early Assignment“. Das heißt, derjenige, der die Call-Optionen gekauft hat, entscheidet sich noch vor dem Ex-Dividenden-Tag, sein Recht auszuüben und sich die Aktien von mir liefern zu lassen. Dadurch kann er von der Dividende profitieren — anstelle von mir. Da die Optionsprämie kaum höher als die Dividende war und ich nicht mit weiteren Kursrückgängen gerechnet habe, entschied ich mich deshalb bis nach den Ex-Dividenden-Termin abzuwarten.

Am 12. Februar erfolgte schließlich der Dividenden-Abschlag. Es wandern also zum Zahltag im März weitere 0,22 US-Dollar je Aktie in mein Depot. Der Kurs notierte weiterhin unter 17 US-Dollar, hat sich aber wieder einmal erholt.

Der effektive Kurs nach Dividende beträgt nun 15,92 US-Dollar. Da RRD fast wieder bei 17 US-Dollar notiert, befindet sich meine Position nun bereits im Plus.

4. Phase: Verkauf weiterer Calls und Schließen der Positionen

Ende Februar schoss der Kurs schließlich weiter nach oben und notierte schnell bei nahezu 18 US-Dollar. Einmale mehr wurde es Zeit, Call-Optionen zu veräußern — diesmal sogar zum Strike von 18 US-Dollar. Niemand weiß schließlich, ob der Kurs nicht doch wieder zurück kommt.

Die Einnahmen für die Call-Optionen mit Verfall im März betrugen 0,40 US-Dollar nach Kosten.

Allerdings musste ich anschließend erkennen, dass der Kurs von RRD weiter anstieg und in der Spitze bis auf 20 US-Dollar notierte. Durch meine verkauften Optionen beschnitt ich mir hier jeglichen Gewinn und konnte mich nur an meiner vergleichsweise kleine Prämie festhalten. Relativ schnell wurde klar, dass die Aktien zum März wohl nach 4 Monaten Haltedauer aus dem Depot wandern würden.

Zwischenzeitlich kam der Kurs wieder nah an die 18 US-Dollar heran. Letztendlich blieb es aber dabei: Der Trade war nun erst einmal abgeschlossen.

Fazit: Gewinn- und Verlustbetrachtung und Neustart

Der Effektive Kaufkurs für RRD war bis auf 15,52 US-Dollar gesunken. Zum Verfallstag konnte ich also einen Gesamtgewinn von 2,44 US-Dollar unter Berücksichtigung der Dividende verbuchen.

Da die Aktien im Dezember eingebucht wurde, beschränkte sich die gesamte Haltedauer auf 3 Monate. Berücksichtigt man den vorangestellten Naked-Put-Verkauf, konnte der Gewinn in 4 Monaten realisiert werden. Aufs Jahr betrachtet käme damit eine stattliche Rendite von 50,5 Prozent zustande.

Call Put Div. Aktie Summe
Mrz 2015 40 22 1.800 1.862
Jan 2015 35 35
Dez 2014 47 -1.700 -1.653
Summe 75 47 22 100 244

Wichtig ist, dass durch die Einnahme der Prämien regelmäßige Geldflüsse realisiert werden können, die weitgehend unabhängig vom Kurs der Aktie sind. Dadurch wird es möglich, auch dann einen Gewinn zu realisieren, wenn der Kurs nur seitwärts läuft oder sogar leicht fällt.

Wer eine Optionsstrategie handelt, darf auf keinen Fall den Fehler machen und nur einen Monat betrachten. Hier gilt die langfristige Strategie, die darauf ausgerichtet ist, Einnahmen durch die Optionsprämie zu generieren. Die positive Kursentwicklung selbst ist nur ein nettes Zubrot.

Wichtig ist allerdings, dass man nicht in Panik verfällt, wenn die Kurse sich nicht wie erwartet entwickeln. Auch Optionsstrategien können die Aktienbewegungen nicht vollständig ausblenden. Umso wichtiger ist es, dass man nur Optionen für Aktien handelt, die man auch gern kaufen würde.

Die gesamten Ergebnisse der Optionsstrategie sammle ich in dieser Übersicht.

Abwandlung der Strategie und Alternativen

Das schöne an Optionsstrategien ist, dass sie stets Flexibilität zulassen. So hätte ich die Aktien von RRD nicht ausbuchen lassen müssen. Alternativ wäre es ebenfalls möglich gewesen, die Calls wieder zurückzukaufen und dadurch einen Verlust in Kauf zu nehmen. So wäre gesichert, dass die Aktien weiterhin im Depot verbleiben. Anschließend könnten erneut Call-Optionen für einen neuen Strike mit späterem Verfallstermin verkauft werden.

Erkennbar ist auch, dass durch die kurz laufenden Optionen relativ viel Handlungsbedarf notwendig ist. Wer etwas mehr Ruhe ins Depot bringen möchte, kann daher auch länger laufende Optionen handeln. Dadurch verzichtet man zwar auf den nützlichen Preisvorteil durch den Zeitwert-Verfall, der sich besonders im letzten Monat auswirkt. Folglich sinken auch die Renditen wieder etwas, aber man erreicht höhere absolute Optionsprämien und senkt seine Transaktionskosten deutlich.

Ist dieses Beispiel repräsentativ? Ich denke: ja. Es sind alle Elemente vorhanden, welche die Optionsstrategie ausmachen. Zusätzlich zeigt es, welche Rolle die Prämien spielen und wie wichtig der Blick auf die Strategie und nicht nur auf den einzelnen Trade ist.

Bei RRD ließe sich nun der Prozess erneut wiederholen, indem wieder Put-Optionen verkauft werden, bis die Aktie schließlich eingebucht wird. Anschließend werden wieder Calls bis zur Ausübung verkauft.

Genau dieses Konzept ist auch die Grundlage für mein voriges Praxis-Beispiel zum Covered-Call-Verkauf.