Finanzielle Unabhängigkeit. Passives Einkommen. Sorgenfreies Leben ohne über Geld nachdenken zu müssen! Träumst du davon genauso wie ich? Ich bin von dieser Idee gerade zu besessen! Ich kann mir derzeit nichts Besseres vorstellen, als auf einem minimalen Level zu leben und jeden freien Cent zu sparen. ich bin regelrecht süchtig danach und frage mich vor jeder noch so kleinen Ausgabe, ob sie denn nun wirklich unbedingt sein muss?

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Was mich allerdings immer wieder beschäftigt, ist die Frage, wie die Ersparnisse angelegt werden sollen. Denn gerade hier gehen die Meinungen weit auseinander. Zu meiner Überraschung zeigt sich ausgerechnet die offensichtlich schlechteste Methode zum Sparen als beliebteste! Der Grund ist, dass „von Dividenden leben“ mit „durch Dividenden ein Vermögen aufbauen“ verwechselt wird. Damit sind wir beim Thema: Die Dividenden-Strategie.

Zugegeben, auch ich habe bisher geglaubt, dass man mit einer Strategie, die darauf aufbaut, Aktien zu erwerben, die langfristig hohe Dividenden zahlen, schnell finanziell unabhängig werden kann. Die immer wieder gemachten Rechnungen waren faszinierend! Wenn sich die Dividende eines Unternehmens jedes Jahr um 10 % erhöht, kann man in 10 Jahren auf die eingezahlte Summe die Dividende von anfänglich 3 % auf 7,8 % steigern! Nach 20 Jahren wären es gar über 20 %!

Was ist überhaupt die Dividenden-Strategie?

Im Grund geht es darum, dass man regelmäßig spart und sein Vermögen in Aktien investiert. Allerdings besteht der Sinn diese Strategie darin, nicht irgendwelche Aktien zu wählen, sondern den Fokus auf Unternehmen zu legen, die langfristig mit hoher Wahrscheinlichkeit die Auszahlung einer hohen Dividende garantieren.

Die liebsten Beispiele sind hier Aktien wie McDonalds oder Coca Cola, die ihre Dividenden seit Jahrzehnten permanent steigern. Stärker wird der Effekt, wenn man über diese Zeit permanent weiter spart. Dabei werden die regelmäßigen Auszahlungen der Unternehmen gesammelt und erneut reinvestiert, um dadurch vom Zinseszins zu profitieren. Das Ziel ist, die Summe der Dividenden durch dieses Vorgehen jedes Jahr durch Sparen und Reinvestition zu steigern.

Kritik an der Dividenden-Strategie

Doch was gefiel mir an dieser Strategie nicht? Ehrlicherweise sehe ich zwei wesentliche Kritikpunkte:

  1. Erstens werden die Steuern vernachlässigt, die auch auf Dividenden anfallen. Alle Rechnungen, die ich bisher gesehen habe, waren immer ohne Steuern gemacht. In der Realität beträgt diese aber meistens 20-40 % auf die Ausschüttungen! Was bleibt also von den 8 % Dividende in 20 Jahren noch übrig? Magere 4 %!!
  2. Zweiten werden die Transaktionskosten vernachlässigt. Die Dividenden-Strategie basiert darauf, dass die ausgeschütteten Dividenden regelmäßig reinvestiert werden. Dabei fallen aber jedes mal Gebühren an!

Nun bin ich freilich kein Freund, der seine Anlageentscheidung von Steuern abhängig macht, zumal man diesen Faktor weder beeinflussen noch vermeiden kann. Doch gerade in diesem Fall wirken sich die Steuern und die Transaktionskosten besonders negativ auf die gesamte Strategie aus!!! Dazu möchte ich kurz zwei Beispiele erläutern:

Eine Beispielrechnung

Wir gehen dabei davon aus, dass wir 50 Prozent Steuern auf den Kapitalertrag zahlen müssen. Freilich wirst du bemerkt haben, dass du auch auf Kursgewinne eine Steuer zahlen musst. Doch fällt diese Steuer erst beim Verkauf des Wertpapieres an — ein kleiner, aber feiner Unterschied!

Wir vergleichen zwei Ausgangslagen:

  • Anlage in eine Aktie A ohne Dividendenausschüttung, die ihren Kurs über 5 Jahre verdoppelt.
  • Anlage in eine Aktie B mit Vollausschüttung (Dividendenrendite 50 %), die sich ebenfalls jedes Jahr verdoppelt.

Starten beide Werte mit einem Kurs von 100 Euro, sind beide Aktien nach einem Jahr 200 Euro wert. Aktie B schüttet jedoch die 100 Euro vollständig an den Anleger aus und ist anschließend wieder bei einem Kurswert von 100 Euro, während Aktie A ihren Wert behält. Den Verlauf über die Entwicklung der Dividenden-Strategie zeigt die folgende Tabelle:

Depotentwicklung für Aktie B m Falle der Dividenden-Strategie unter Berücksichtigung von Steuern

Was passiert nun? Der Aktionär von „A“ tut erst einmal gar nichts. Er hält sein Wertpapier einfach weiterhin und beobachtet in Ruhe den Markt.

Aktionär von „B“ hingegen erhält eine Ausschüttung von 100 Euro, die er als Kapitalertrag anrechnen muss. Davon gehen dann 50 Prozent Steuern ab, sodass er Netto nur noch über 50 Euro verfügt. Diese 50 Euro nimmt er, und reinvestiert sie in das Unternehmen. Dabei fallen nochmals 1 % Transaktionskosten an, sodass er effektiv nur noch 49,50 Euro wieder anlegen kann. Defacto hat Aktionär von „B“ also nach einem Jahr einen Steuer- und transaktionsbedingten Verlust von 50,50 Euro gegenüber dem Aktionär von „A“ hinnehmen müssen.

Aktueller Stand nach einem Jahr:

  • A verfügt über ein Vermögen von 200 Euro.
  • B verfügt über ein Vermögen von rund 150 Euro.

Das nächste Jahr geht um. Die Kurse verdoppeln sich wieder. Die Ausschüttung steht an. B erhält nun sogar 150 Euro Dividende, muss davon aber wieder 75 Euro als Steuern abgeben. A tut nichts.

Stand nach zwei Jahren:

  • A verfügt über ein Vermögen von 400 Euro.
  • B verfügt über ein Vermögen von 300 – 75 = 225 Euro.

Das Spiel setzt sich so fort bis ins 5. Jahr, an dem die beiden Sparer ihre wohlverdiente Pension genießen wollen.

Das Ergebnis: A verfügt nun über ein Brutto-Vermögen von 3200 Euro. Davon muss A auf den Kursgewinn von 3100 Euro 50 % Steuern zahlen, sodass netto 1650 Euro verbleiben. B verfügt nur über netto 759 Euro und hat offensichtlich deutlich mehr Steuern gezahlt als A, obwohl sich beide Papiere gleich entwickelt haben und die Transaktionsgebühren für B sogar vernachlässigt wurden.

Wie sich das Vermögen entwickelt, wenn keine Dividende ausgeschüttet wird, zeigt die nachfolgende Tabelle:

Depotentwicklung für Aktie A, wenn das Unternehmen die Dividenden nicht ausschüttet und selbst reinvestiert.

Was lernen wir daraus?

Obwohl Aktie B eine enorm hohe Dividende aufweist, ist das Ergebnis durch die jährlich anfallende Steuerlast und die Transaktionskosten deutlich schlechter als bei einer Investition in Aktie A. Das steuerlich ausgefallene Kapital fehlt und wird nicht mehr verzinst. Dieser negative Effekt wird bei den hohen Renditen wie in diesem Beispiel enorm deutlich. Wir müssen uns Fragen, ob Dividenden wirklich eine so wichtige Rolle spielen, wenn wir die Ausschüttungen sowieso nur reinvestieren.

Nach vielen Diskussionen mit Lesern möchte ich an dieser Stelle festhalten, dass es mir hier ausschließlich um den systematischen Nachteil der Dividendenzahlung an sich geht. Häufig werden Dividenden als Kriterium verwendet, um „gute“ Unternehmen zu identifizieren. Diese Möglichkeit möchte ich an dieser Stelle nicht in Frage stellen.

Es versteht sich von selbst, dass es nur Sinn macht, den Nutzen einer Dividende zu vergleichen, wenn alle anderen Faktoren vollkommen identisch sind. Wenn es ein gutes Unternehmen gibt, dass nun einmal Dividenden zahlt, würde ich davon nicht abraten. Man sollte sich nur davor hüten, Unternehmen ausschließlich wegen ihrer Dividende zu bevorzugen.

Aber auch hohe Dividenden sind pauschal nicht immer schlecht. Wer ein regelmäßiges Einkommen aus Aktienanlagen wünscht, kann mit Dividenden deutlich einfacher und bequemer lösen. Der Grund ist, dass die Ausschüttung für den Aktionär günstiger ist, als ein Verkauf von Aktienanteilen. In diesem Szenario würde in beiden Fällen die gleiche Steuer anfallen, nur dass die Dividende die Transaktionskosten mindert.

Fazit

Dividendenwerte lohne sich nur für Investoren, die einen Pensionsplan mit regelmäßigen Auszahlungen wünschen. Um ein Vermögen aufzubauen, sind Papiere, die ihre Gewinne nicht ausschütten deutlich lukrativer, da sowohl die Steuern das zu verzinsende Kapital nicht mindern und zusätzlich keine weiteren Transaktionsgebühren anfallen. Wer schließlich sein Zielvermögen erreicht hat, kann dann dieses Kapital in dividendenstarke Werte umschichten, um das regelmäßige Einkommen beziehen zu können.

Für meinen Fall werde ich mich also in Zukunft nicht mehr von Dividendenrenditen blenden lassen und nur noch nach der effektiven Performance entscheiden. Wie legst du denn dein Geld an? Siehst du einen Punkt, den ich bei der Dividenden-Strategie übersehen habe? Oder verfolgst du eine gänzlich andere Strategie zum Vermögensaufbau? Schreibe direkt einen Kommentar und erzähle von deinen Erfahrungen. Ich würde mich freuen!