Was ist der Unterschied zwischen Optionen und Optionsscheinen? Beide Begriffe tauchen immer wieder auf, doch nur selten ist klar, was sie unterscheiden. Doch dieses Wissen ist enorm wichtig für deinen Anlageerfolg! Denn nur, wer die Risiken von Finanzinstrumenten kennt, kann sie auch zielführend einsetzen! Nachfolgend erfährst du das wesentliche Funktionsprinzip beider Derivate und ihre wichtigsten Unterschiede. Zum Schluss wirst du auch verstehen, warum du in den meisten Fällen besser die Finger von Optionsscheinen lassen solltest.

(Hinweis: Dieser Artikel erschien erstmals 2014. Er wurde grundlegend überarbeitet und soweit erforderlich an aktuelle Gegebenheiten angepasst.)

Was sind Optionen bzw. Optionsscheine?

Beides sind Derivate, die auf einem Wertpapier wie zum Beispiel einer Aktie (Underlying bzw. Basiswert) aufbauen. Das heißt, sie stellen selbst keinen eigenen Wert dar, sondern beziehen sich lediglich auf diesen! So existieren sowohl Optionsscheine als auch Optionen auf beliebige Sachwerte — nicht nur für Aktien sondern auch für Rohstoffe oder Währungen. Bezogen auf diesen Wert verbriefen sie ein einfaches Recht: Zu einem bestimmten Termin einen festgelegten Sachwert zu einem festgelegten Preis kaufen (Call) oder verkaufen (Put) zu können.

Dieses Recht ist allerdings nur für eine bestimmte Zeit (Fälligkeit) gültig. Wenn bis dahin die Option nicht ausgeübt wurde, verfällt sie. Der Käufer hat die Option, von seinem Recht gebrauch zu machen, während der Verkäufer dieses Recht auf Verlangen erfüllen muss. Dafür erhält er allerdings vom Käufer eine Optionsprämie als Vergütung.

Wie unterscheiden sich Optionen und Optionsscheine?

In der rechtlichen Gestaltung sind beide Derivate scheinbar identisch. Der Verkäufer ist jeweils verpflichtet, dem Käufer auf Verlangen die Aktie zum festgelegten Preis zu verkaufen bzw. abzukaufen.

Die 4 Handlungsmöglichkeiten von Optionen:

    •  
    • Long (Käufer)
    • Short (Verkäufer)
  •  
    Call-Option
    Long (Käufer)
    Recht auf den Kauf einer Aktie
    Short (Verkäufer)
    Pflicht zum Verkauf einer Aktie
  •  
    Put-Option
    Long (Käufer)
    Recht auf den Verkauf einer Aktie
    Short (Verkäufer)
    Pflicht zum Kauf einer Aktie

Optionsscheine sind eine abgeschwächte Variante von Optionen, weil sie nur das Einnehmen der Long-Seite gestatten. Die Short-Position wird immer vom Emittenten des Optionsscheines eingenommen — das heißt von der Bank.

Bei Optionen gibt es keine Bank sondern nur eine Optionsbörse. Diese vermittelt zwischen den Optionshändlern, die sowohl Optionen verkaufen als auch kaufen dürfen.

Kursstellung

Hinzu kommt, dass bei Optionen täglich mindestens ein Kurs vom Market-Maker an der Optionsbörse wie der EUREX gestellt werden muss. Bei vielen Optionsscheinen werden hingegen deutlich seltener Kurse gestellt. Der Käufer wird es hier also schwer haben, den aktuellen Wert korrekt zu erfassen, sofern er nicht selbst nachrechnet.

Weiterhin werden die Kurse bei Optionsscheinen von der Bank — also dem Emittenten — bereitgestellt. Eine Preisbildung über den Markt ist dadurch nur schwer möglich.

Sicherheit und Emissionsrisiko

Optionen werden in Kontrakten gehandelt. Diese beschreiben alle wesentliche Bestandteile wie Laufzeit, Ausübungskurs, Art der Ausübung als Barausgleich oder durch Lieferung des Basiswertes. Dadurch sind Optionen standardisiert und sehr einfach miteinander vergleichbar.

Bei Optionsscheinen legen die Banken die Vertragsbestandteile fest. So kann es sein, dass ein Optionsschein von zwei Banken herausgegeben wird und die Laufzeit sich nur um ein oder zwei Tage unterscheidet. Dies kann im Zweifel entscheidend sein, wenn es um das Ausübungsrisiko des Derivates geht.

Zu guter letzt bleibt die Haftungsfrage: Denn wer eine Put-Option kauft, will ja auch sicher gehen, dass der Vertragspartner bei Bedarf auch in der Lage ist seine Pflicht zu erfüllen.

Optionen werden durch die Optionsbörse besichert, die sich ihrerseits wiederrum durch eine Sicherheitseinlage des Verkäufers absichert. Das heißt, jeder Käufer und Verkäufer muss bevor er den eine Option handelt nachweisen, dass er über genügend Kapital verfügt, um seiner Verpflichtung nachzukommen. Dadurch ist immer gesichert, dass jeder Marktteilnehmer seiner Verpflichtung auch nachkommen kann.

Optionsscheine sind Schuldverschreibungen der emittierenden Bank. Sie stellt damit auch die Sicherheitsleistung und garantiert, dass alle Rechte der Optionsscheinkäufer gewahrt werden. Es gibt aber keinen neutralen Vermittler, der gewährleistet, dass die Bank auch über ausreichend Sicherheiten verfügt.

Geht die Bank bankrott, verfällt auch der Optionsschein — egal ob der Käufer sein Recht ausüben möchte oder nicht.

Beispiel Adidas: Put-Optionen oder Put-Optionsscheine?

Optionen vs. Optionsscheine vs. Aktien

Aktien kann man besitzen oder nicht besitzen. Bei Optionen gibt es dagegen deutlich mehr Möglichkeiten, weil sie einem Vertrag entsprechen, der das Recht für den Kauf und Verkauf von Aktien definiert.

Bei Aktien ist die Gegenseite für einen Kauf immer ein Verkäufer. Ebenso steht jedem Verkauf ein Käufer gegenüber. Dies ist auch bei Optionen der Fall. Zu jedem Käufer gibt es einen Verkäufer (Stillhalter), dessen Bonität von der Börse garantiert wird.

Optionsscheine werden hingegen bei einer Zertifikatebörse oder direkt über den Emittenten gehandelt. Ob hier ein fairer Handel möglich ist, bleibt fraglich.

Ein Vorteil von Optionsscheinen ist, dass sie bei den meisten deutschen Brokern leicht gehandelt werden können. Optionen können hingegen nur an Optionsbörsen wie der EUREX gehandelt werden, für die nur wenige Broker einen Zugang anbieten. Eine Übersicht zu Brokern, die einen Zugang zu Terminbörsen wie der EUREX anbieten, findest du in diesem Artikel.

Von 100 Optionen werden 80 nicht ausgeübt und verfallen wertlos — also erhält der Stillhalter seine Prämie, ohne dass er in die Pflicht genommen wird. Damit eröffnet sich für die Emittenten von Optionsscheinen, die immer Stillhalter sind, eine gute Geschäftsmöglichkeit. Zudem können sie die Bedingungen und Konditionen selbst festlegen und damit ihre Gewinnchancen zusätzlich erhöhen. Aufgrund dieser Intransparenz sind Optionsscheine in den USA zum Beispiel ganz verboten. Optionen sind hingegen standardisierte Kontrakte, bei denen die Konditionen für alle Marktteilnehmer zu jedem Zeitpunkt transparent geregelt sind.

Optionen verkaufen

Grundsätzlich steht es jeden Marktteilnehmer frei, ob er eine Option kaufen oder verkaufen möchte. Ein Verkäufer kann sich die Optionsprämie sichern, während der Käufer diese bezahlen muss. Gegen eine Sicherheitseinlage (Margin) kann jeder über seinen Broker an Optionsbörsen wie der EUREX auch Optionen verkaufen.

Wenn man zum Beispiel Coca Cola für 38 US-Dollar kaufen möchte, kann man eine Put-Option mit dem Ausübungspreis 38 verkaufen (Short Put). Dafür erhält der Verkäufer oder Stillhalter sofort die Optionsprämie. Fällt die Aktie bis zum Fälligkeitstag unter 38 US-Dollar, wird die Option ausgeübt und der Verkäufer erhält für 38 US-Dollar 100 Aktien von Coca Cola. Berücksichtigt man die Prämie, liegt der effektive Kurs für die Aktien sogar darunter.

Fällt Coca Cola jedoch nicht unter 38 US-Dollar, verfällt die Put-Option wertlos. Der Verkäufer kann die Prämie dennoch als kleinen Gewinn behalten.

Ausführlicher wird der Handel als Stillhalter im Buch von Jens Rabe „Optionsstrategien für die Praxis: So sichern Sie sich an der Börse ein regelmäßiges Einkommen“ erklärt. Dort wird das Geschäft als Verkäufer von allen Seiten ausführlich beleuchtet und dürfte insbesondere für Leser mit Interesse für passive Einkommensströme sehr interessant sein.

Fazit

Optionen sind ein wirkungsvolles Werkzeug, um sich die Wartezeit für gute Kaufkurse bezahlen zu lassen. Zudem gestatten sie mit den richtigen Strategien, dass man zusätzlichen Cash Flow aus Aktien generieren kann, ohne von Käufen, Verkäufen oder Dividenden abhängig zu sein. Wer sich genauer damit beschäftigen will, möge zum Einstieg einen Blick in das erwähnte Buch von Jens Rabe werfen.

  • Optionen sind klar standardisiert und durch Sicherheiten abgesichert. Optionsscheine sind Bank-Abhängige Derivate mit beliebigen Parametern. Einzige Sicherheit ist die emittierende Bank.
  • Kurse von Optionen müssen täglich mindestens einmal gestellt werden — es herrscht damit gute Preistransparenz. Bei Optionsscheinen erfolgt die Kursstellung nach Bedarf der Bank bei einem Handel und damit manchmal nur einmal pro Woche oder seltener.
  • Optionen können auch verkauft werden, sodass Investoren von der Optionsprämie profitieren können. Optionsscheine lassen sich an der Börse nur kaufen.
  • Bei ausgeübten Optionen werden die Basiswerte auf Wunsch auch ausgeliefert. Bei Optionsscheinen wird die Differenz stets bar ausgezahlt.

Natürlich ist das Thema Optionen an dieser Stelle noch längst nicht ausgeschöpft. Dieser Artikel kann nur die wesentlichen Grundzüge darstellen, um dir den Unterschied zwischen Optionen und Optionsscheinen zu verdeutlichen.

In diesem Artikel lernst du eine Strategie, wie du neben Dividenden mit Hilfe von Optionen ein weiteres Einkommen an der Börse erzielen kannst.

Hast du schon Erfahrungen mit Optionen oder Optionsscheinen gesammelt? Was hälst du von diesen Derivaten?

16 KOMMENTARE

  1. Danke für den Artikel. Ich hatte tatäschlich Option = Optionsscheinen gesetzt. Die Möglichkeiten sind tatsächlich interessant. Und ich habe mir darüber auch schon einige Gedanken gemacht. Vielleicht können diese dem eine oder anderen helfen.

    Ich habe mich gegen short Puts und Calls zum Kaufen und Verkaufen von Aktien entschieden.
    Aus folgender Überlegung heraus. Aus Verständlichekeitsgründen nehmen wir mal die Short Put Seite, da sie etwas einfach als der Short Call ist:
    Ich habe im Jahr 10 Aktienideen, die ich Kaufen möchte.
    Ich wähle bei allen einen Short Put mit relativ kurzer Laufzeit um die Premien einzusammeln.
    Innerhalb der 10 Ideen gibt es ein schlechte und 9 gute. Die schlechte kenne ich noch nicht.

    Würde ich alle Aktien einfach kaufen, würden sich 90% meines Portfolios gut entwicklen.
    Mit einer Short Put Strategie habe ich, bei halbwegs effizienten Märkten, sicher die schlechte Idee eingesammlt, aber nur 9-x die guten, dass heisst meine Portfolioperformance wird langfristig schlechter ausfallen, trotz eingesammelter Prämie.
    Das heißt mit einer short Put Strategie, auch wenn es kurzfristig aufgrund der Premie gut aussieht, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit langfristig schelchter abzuschneiden.

    Das gleiche gilt für Short Calls. Ich hatte bisher in 7 Jahren Aktienerfahrungen 3 Übernahmen aus meine Portfolio. Alles bei Unternehmen, die auf meiner Verkaufsliste standen, da sie sich relativ gut entwickelt hatten. Hätte ich da immer short Calls dringehabt, wären mir 30+% Rendite entgangen. D.h. ich hätte meine besten Performer sicher verkauft, und meine schlechteren Performer zum Teil behalten. Die Wahrscheinlichkeit langfristig herausragende Renditen zu erzielen verschlechter sich also auch hier.

    Aus diesem Grund habe ich mich gegen den Kauf und Verkauf über Optionen entschieden. Auch wenn die kurzfristigen Profits sehr verlockend sind, langfristig erhöht sich aus meiner Sicht die Wahrscheinlichkeit schlechter abzuschneiden.

    • Hallo Till, die Theorie scheint Plausibel. Deswegen würde ich auch auf Aktien nie vollständig verzichten. Wenn wir dein Gedankenspiel aber weiterdenken, dann würde ich nicht sagen, dass es 9 gute Aktien gibt sondern maximal 2 gute, 6 bewegen sich nahezu seitwärts und 2 Verlierer. Wenn du die Seitwärtszeit mit berücksichtigst, wird der Vergleich schon schwerer.

      Mit Optionen hast du halt egal in welcher Phase immer einen kleinen Profit — und das je nach Risiko-Verständnis mit einem zusätzlichen Puffer.

  2. Mir geht’s nicht um die kurzfristige Aktienkursperformance. Sondern darum, dass ich mir nicht sicher sein kann, ob das Unternehmen welches ich Kaufe gut ist oder nicht. Ich gehe davon aus, dass ich langfristig investiere. Keine Spekulation auf Preisveränderung. Von 1 aus 10 ist da vielleicht ein wenig pessimistisch. Aber es spielt keine Rolle ob nun 1 aus 20 oder 1 aus 30. Es geht darum, dass mit der Optionsstrategie mit höherer Wahrscheinlichkeit die schlechten Unternehmen (nicht Aktienperformance) in meinem Portfolio landen und ich diese langfristig halte.

    • Mir gehts auch um die langfristige Performance. Deswegen werde ich auch weiterhin Aktien kaufen. Mit Optionen erweitert sich schlicht das Spektrum. Sie sind eine wichtige Ergänzung. Defensiv ausgerichtet kann man damit jedes Jahr 3-4 Prozent extra holen ohne ein zusätzliches Risiko einzugehen. Warum sollte man darauf verzichten?

  3. Hallo Rico,
    danke für die übersichtliche Darstellung. Eine weitergehende Frage meinerseits ist, was ist dann der Unterschied zwischen Option und Zertifikat und
    2. wo und wie finde ich auf comdirket z.B.: die Optionen???
    Danke Efer

    • Hi Efer, ein Zertifikat faktisch ist das gleiche wie ein Optionsschein! Optionen findest du nicht direkt bei der Comdirect, dafür musst du dich erst für den Eurex Handel freischalten lassen. Wie dann die Oberfläche aussieht, weiß ich aber nicht. Amerikanische Optionen kannst du bei dieser Bank aber meines Wissens nach gar nicht handeln, genaueres findest du in meinem Broker-Vergleich. Wenn du einen Überblick über Eurex-Optionen suchst, schaust du am besten direkt auf der Website der Eurex (www.eurexchange.com/exchange-en/products/equ/opt/). VG, Rico 🙂

    • Hi Elmar, „leicht“ ist da ein sehr relativer Begriff. Ich habe den Einstieg über CapTrader gewagt. Dort hilft man auch bei Fragen gern weiter und bietet viel Material zum Lernen! VG, Rico

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